15 Oktober 2006

Aloha!

Heute will ich es wissen: Es müssen die Wellen sein. Als akademisch gebildeter Mensch durchforste ich selbstverständlich vorher noch einmal die Literatur nach Gefahren, die mit dem Vorhaben verbunden sein können. Mein Reiseführer warnt: "Das Spektrum der Verletzungen reicht von einfachen Schnitten an Korallen, die sich schnell infizieren und nur langsam verheilen, bis zu Querschnittslähmungen nach Sprüngen in unbekannte Gewässer. Auch ertrinken kann man."
Ich schaue mir die Jungs und Mädels da draussen an und finde, dass sie noch sehr lebendig aussehen und scheinbar Spaß in den Wellen haben. Der Reiseführer muss geschrieben worden sein, bevor das Wort "Risikogesellschaft" populär wurde. Und schließlich gibt es noch das Motto: "No risk, no fun!"
Am meisten überzeugt mich am Ende - schließlich leben wir in Zeiten des globalisierten Kapitalismus - das Angebot einer örtlichen Verleihstation. Für sieben Dollar ist so ein Body-Board für eine Stunde zu haben (später sehe ich, dass die Dinger im Laden ab 16 Dollar der solventen Kundschaft zum Kauf angeboten werden). Bodyboards sind noch keine richtigen Surfboards sondern kurze Bretter aus Schaumstoff, auf die man den Oberkörper legt. Man kann darauf zwar auch stehen, aber gedacht sind sie für den Gebrauch im Liegen. Damit man sie besser steuern kann und um besser in die Wellen hineipaddeln zu können, zieht man sich Flossen an.
Das Hneinkommen ins fröhliche Nass erweist sich bei der starken Brandung als ganz schön vertracktes Unterfangen. Doch bald habe ich die Uferzone überwunden und warte mit einem Dutzend anderer Body-Surfer auf die perfekte Welle. Schwups, da scheint sie schon zu kommen. Ich habe zwar keine Ahnung, doch die anderen Surfer paddeln alle plötzlich los. Also raus aus der "Halbwindposition", wie ich die Wartestellung mal nennen möchte - wissend, dass Wind- und Wellenrichtung unterschiedliche Dinge sind - und mächtig reinpaddeln in die Fahrtrichtung des Wellenbergs, der da anrollt. Plötzlich gluckert und gurgelt es da fürchterlich unter mir und ich nehme mächtig Geschwindigkeit auf. Es ist besser als Tiefschneefahren, eher so, wie auf einem Schneebrett gleiten. Der Strand kommt näher - und mit ihm diverse unbeteiligte schwimmende Erholungssuchende. Irgendwie sause ich an ihnen vorbei. Geil - was für ein Gefühl! Meine erste Welle!
Doch die Ernüchterung folgt. Ich lerne, dass es zwar cool ist und man besser steuern kann, wenn man sich etwas stärker auf dem Brett aufstützt, statt flach zu liegen. Doch wenn man es dabei zu stark nach unten drückt, bohrt man sich in die Welle hinein und schluckt scheußlich viel Salzwasser. Ausserdem will das Steuern gelernt sein. Das muss ich nach zwei robusten aber folgenlosen Kollisionen mit Mitmenschen einfach zur Kenntnis nehmen.
Nach zwanzig Minuten bin ich aus dem Wasser `raus und habe das Gefühl, die Stunde ist schon `rum. Doch nach der Vergewisserung mittels der Uhr bin ich schnell zurück und erlebe noch einige coole Rides - wie man als alter Surfer wohl getrost sagen darf - und verpasse darüber fast den perfekten Zeitpunkt, um das Gerät ohne Nachzahlung wieder zurück geben zu können.
Perfekte Wellen, ein perfekter Tag. Was soll ich sagen? Man möge es mir nachsehen, es geht nicht anders: Aloha!

Keine Kommentare: