27 März 2012

20 März 2012

Maria Alm


Nach einem Tag mit Nieselregen und leichtem Schneefall scheint heute wieder die Sonne in Mariua Alm und die Hänge sind mit einer leichten Neuschnee-Schicht überzogen.

19 März 2012

Uwe


Das alte Hotel Hintermoos

Heute lerne ich an der Bar im Hotel Hintermoos Uwe kennen. Er war 1973 das erste Mal hier, damals als Übungsleiter einer Hochschulsport-Gruppe der TU Berlin. Ein Vorgänger aus der Pionierzeit!
Er erzählt davon, wie es damals lief im alten Hotel Hintermoos, das heute noch als Ruine gegenüber dem modernen Haus steht: Die Berliner führten das gemeinsame Duschen von Frauen und Männern ein. Auch auf der Piste wehte frischer Wind: Die dominante Stellung des Skilehrers sollte abgebaut werden. Er wurde weitgehend ersetzt durch einen Zettelkasten, der Anweisungen und Korrekturkarten enthielt. Das System nannte ysich programmierte Instruktion: Die Schüler/innen zogen eine Karte mit einer Anweisung aus dem Kasten und machten die Übung in einem mit Fähnchen abgesteckten Lernparcours. Bei richtiger Ausführung durften sie die nächste Karte ziehen. Klappte es nicht, war es die Aufgabe des Skilehrers, ihnen je nach Art des Fehlers eine passende Korrekturkarte zu nennen, "ziehe 4b", zum Beispiel. Nie jedoch durfte der Fehler selbst benannt werden - z.B. "falsche Belastung" -, da dies die selbständige Erarbeitung des Lernstoffs stören könnte. Immer wieder passierte es, dass sich der Skilehrer in der Nummer irrte und die Leute dann unsinnige Übungen machten.
Das System durfte hingegen nicht kritisiert werden. Zweimal wurde Uwe suspendiert, einmal, weil er sich kritisch zum Konzept geäußert haben sollte, einmal wegen "Brüllens am Hang". Jedes Mal wurde ihm dann sein Bettzeug vor das Hotel gelegt, doch jedesmal wurde er später wieder herein geholt, weil man ihn letztlich brauchte.
Denn andere Skilehrer waren zwar linientreuer, fuhren mitunter aber schlechter Ski als ihre Skigruppen, und so setzte sich der dominante Typ schließlich doch durch...
Die damaligen Gruppenleiter hingegen behielten die ideologische Linie auch außerhalb des Skikurses fest im Blick. Einmal musste die Siegerehrung eines Spaßrennens verschoben werden, weil die Gruppenleiter noch bei einem Treffen mit der örtlichen K-Gruppe weilten - Prioritäten mussten eben akzeptiert werden...
Amüsiert nahm ich zur Kenntnis, dass einige Fragmente des damaligen Konzepts bis heute überlebt haben: Der Wechsel der Skilehrer zur Wochenmitte etwa. Heute machen wir ihn, um Abwechslung in unseren Kursalltag zu bringen, damals sollte diese Maßnahme eine allzu große Vertrautheit und damit mögliche Dominanz des Skilehrers verhindern.

17 März 2012

Bilanz


Zwei schöne Skiwochen am Hochzeiger gehen zu Ende. Bilanz aus medizinischer Sicht: Eine ausgekugelte Schulter, ein Schlüsselbruchanbruch, zwei angebrochene Wirbel, eine leichte Nierenverletzung, ein verdrehtes Knie (bisher ohne genaueren Befund), eine angeknackste Hand (ohne genaueren Befund), eine Schulterprellung, eine Hüftverletzung am Rodelabend sowie diverse Prellungen und Blutergüsse, ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung nach einer Kollision, die aber um Glück glimpflich ausging.
Unsere Wirtsleute behaupten dennoch, dass wir viel ruhiger seien als die holländischen Gäste, die vorher da waren...

15 März 2012

Skiverrückter Keun Kyong


Einführung in die österreichische Küche: Keun Kyong mit Kaiserschmarrn

Vor einiger Zeit bekam ich eine Mail von einem koreanischen Austauschstudenten, der gern an allen drei Skikursen der TU Berlin im März teilnehmen wollte. Er wäre Weihnachten schon für zwei Wochen in Sankt Anton gewesen und im Februar in Zermatt, doch nun fehle ihm der Anschluss. Da ich nicht sicher war, ob er die nur auf deutsch veröffentlichten Reisebeschreibungen und Skipasskosten richtig verstanden hatte, lud ich ihn zu einem persönlichen Kennenlernen ins Büro ein. „Prima Idee“, schrieb er mir eines nachts gegen zwei Uhr auf englisch zurück: Er sei derzeit noch nicht zu betrunken und deshalb könne es mit dem Termin morgen etwas werden, vorausgesetzt er käme rechtzeitig aus dem Bett...
Am Nachmittag des nächsten Tages stand der tatsächlich bei mir vor der Tür, als ich von der Kaffeepause zurück kam. Er versicherte mir, dass das Geld für drei weitere Skiwochen kein Problem sei. Leider war aber die erste Woche schon ausgebucht und bis zum Abreisetermin stornierte auch niemand mehr.
Seit letzter Woche ist er nun aber mit dabei. Sein Name sei Keun Kyong, sagte er uns am ersten Tag. Da wir das aber sowieso nicht aussprechen könnten, sollten wir ihn ruhig King Kong nennen...



Er fiel mir sofort durch seine besondere Fahrweise auf: Die Beine sehr eng, die Arme ausgebreitet, fährt er auf seinen japanischen Skiern einen sehr sauber gecarvten mittelgroßen Schwung. Seine Geschwindigkeit ist stets sehr kontrolliert und nahezu konstant. Mich wunderte, dass er trotz dieser präzisen Fahrweise mitunter aus heiterem Himmel stürzte – oft dann, wenn unerwartete Hindernisse auf der Piste auftauchten. Meist stand er aber schnell wieder laut lachend auf. Ich fragte ihn, wie lange er schon Ski laufe: Erst zwei Jahre, war die Antwort, dafür aber etwa 60 Tage im Jahr. Das erklärte die gelegentliche Unsicherheit.
Eines Abends zeigte er mir einige Videos des nationalen koreanischen Ski-Demonstrationsteams. Mir fiel sofort die verblüffende Ähnlichkeit der Fahrweisen auf. Es schien, als ob Keun Kyong das Nationalteam bis in die Feinheiten des Stockeinsatzes hinein kopiert hatte. Schnell verwarf ich meine Beobachtung dann aber wieder als typisches Vorurteil eines Europäers gegenüber einem Asiaten.
Gestern jedoch nahmen wir uns gegenseitig auf Video auf. Abends erwischte Keun Kyong dann dabei, wie er auf seinem Laptop zwei Filme in verschiedenen Fenstern parallel laufen ließ: Der erste zeigte das koreanische Demo-Team, das zweite ihn. Die Ähnlichkeit in Bewegungsausführung und Rhythmus war verblüffend.
Er ist ein absolut skiverrückter lustiger Typ und es ist schön die Skikultur anderer Länder kennenlernen zu dürfen.

14 März 2012

Tam Tam und Remmi Demmi


Heute ist natürlich wieder die Show on Snow am Hochzeiger. Anschließend steigt die unvermeidliche Après Ski-Party in der Illegal-Bar. Und am Ende tanzen die Studis aus Berlin dort auf den Tischen...

09 März 2012

Terrorgruppe


Das Führungsgremium der Terrorgruppe

Wir sind etwa 40 Studierende der TU Berlin und anderer Hochschulen, einige Alumni und Wissenschaftliche Mitarbeiter, wenige Externe und fünf Übungsleiter. Nach knapp einer Woche hat die Gruppe ihren Spirit gefunden. Insbesondere die Wortführer/innen der „Terrorgruppe“ bestimmen den Diskurs. Es ist schwer zu sagen, wer dieser Formation genau angehört. Aber scheinbar werden es täglich mehr Leute. Ihre Anhängerschaft gewinnt sie weniger durch virtuose Exkursionen in rhetorische Höhen der Dialektik als durch profunde Kenntnisse des Neukölner Slangs. Michel – sprich: Mi-schell – meint sogar, herausgefunden zu haben, dass das Berlinerische mit dem Tirolerischen eng verwandt ist. Er demonstriert seine These eindrucksvoll durch einige in den Raum gebellte Fantasieworte, die er einem Gespräch zwischen den einheimischen Busfahrern entlockt haben will. Schön.

08 März 2012

Weltfrauentag


Weltfrauentag. Die Männer leiden – zwei verletzte Snowboarder sind zu versorgen. Einer hat sich vor zwei Tagen die Schulter ausgekugelt und will nun doch einmal zum Arzt. Der andere ist böse aufs Schlüsselbein gefallen. Ich bringe sie in die Medalp-Klinik, die aus der Altstadt von Imst weggezogen ist und und nun ein luxuriöses Gebäude in der Nähe eines Autobahn-Rastplatzes eröffnet hat. Eigentlich wäre das St. Vincenz-Krankenhaus in Zams nicht viel weiter weg gewesen, doch der Arzt in Arzl, der die Schulter schon begutachtet hat, überweist den Patienten in die Medalp-Klinik. Das angenehm gestaltete Foyer mit Ledersessel-Ecken und automatischen Klotüren mach sofort deutlich, dass es sich um eine Privatklinik handelt. Ein besonderer Clou des Architekten sind die Pflanzen im Gebäude. Ein echter Baum steht im Lichthof; eine Wand wird von Efeu durchrankelt. Und damit die Patienten und Gäste auch wirklich glauben dass die Pflanzen echt sind, wurden vor die Efeu-Pflanzen mehrere Monitore geschraubt, die ebenfalls Efeu-Pflanzen zeigen. Kreativ. Das Schlüsselbein ist angebrochen. Ein MAT für die Schulter soll mehrere hundert Euro kosten und wird deshalb nicht gemacht. Beide Snowboarder verlassen die Klinik mit schicken Verbänden. Stylish.

07 März 2012

Sonne und Pulverschnee


Höhepunkt des Tages ist die erste Abfahrt durch den noch ungespurten Pulverschnee. Die Sonne scheint dazu. Zufälligerweise haben wir heute auch noch skilehrerfrei :-). Die Übungsleiter Falk, Daniel und Rocco (v.l.) genießen den Nachmittag auf der Terasse der Mittelstation.Ein perfekter Skitag am Hochzeiger.

06 März 2012

Ich und die Rillen der Pistenraupe

Dichte Wolken hängen heute über dem Hochzeiger-Skigebiet. Der frisch gefallene Schnee ist wunderschön weich, die Pisten sind perfekt präpariert. Nur sehen können wir leider nichts. Wir schwingen im Nebel; unmöglich, die eigene Geschwindigkeit oder die Neigung des Geländes einzuschätzen. Leichter Schwindel ist bei längerer Fahrt ins Ungewisse die Folge. Nur die spärlich gesteckten Begrenzungsschilder der Pisten geben etwas Orientierung. In dieser feindlichen Umgebung gewinne ich plötzlich im Nahbereich unerwartet neue Freunde: Es sind die Rillen, die die Pistenraupen in den Schnee gezogen haben. An ihnen ist die ungefähre Geschwindigkeit und die Richtung der Piste erkennbar. So lange sie in Längsrichtung verlaufen, ist alles in Ordnung. Am Vormittag bin ich einige Zeit allein unterwegs. Und so bleiben diese Rillen die einzigen Gefährten.

05 März 2012

„Schön chillen bei Baude“


Über Nacht haben die angekündigten Niederschläge eingesetzt. In Ritzenried regnet es heute morgen. Doch mit jeder Spitzkehre, die sich der Skibus hinaufquält zum Hochzeiger, sinkt die Temperatur und oben im Skigebiet, auf 1500 m Höhe, schneit es.
Ich bin mit einer Gruppe von sechs Studierenden der TU Berlin unterwegs. Angehende Ingenieure, ein Veganer, ein Clubgänger, zwei mit gelben Skihosen, keine Frau. Die erste Abfahrt durch den noch ungespurten Neuschnee ist ein Traum. Leider ist die Sicht nicht so gut, denn es schneit immer noch. Doch mit jedem Schwung stürzen wir uns ins Ungewisse und werden weich abgefedert durch den Pulverschnee.
Nach einigen Abfahrten macht sich die Müdigkeit bei einigen Leuten aus der Gruppe bemerkbar und unweigerlich wird der Wunsch geäußert, bald mal eine Pause zu machen. Berliner Ingenieurstudenten brauchen dafür nicht viele Worte. Der Hauptpromotor der Idee wiederholt einfach immer wieder: „Schön chillen bei Baude“. Und setzt sich irgendwann damit durch.

04 März 2012

Snowboard-Helm rettet Tag

Die gestern noch aufgeweichten Pisten im Pitztal sind über Nacht hart gefroren. Kai ist ein flotter Fahrer. Beides verträgt sich heute nicht gut. Auf einer seiner ersten Abfahrten des Tages knallt der Snowboarder mit dem Hinterkopf hart auf die Piste. Er spürt den Schlag. Ihm ist etwas schlecht. Außerdem hat er sich noch leicht an der Nase verletzt.
Der Helm allerdings ist kaputt. Er ist glatt auseinander gebrochen und verformt. Hätte Kai ihn nicht getragen, wäre er schwer verletzt worden. So setzt er nur einige Stunden aus, um sicher zu gehen, dass er nicht doch eine leichte Gehirnerschütterung hat. Helm kaputt, aber Tag gerettet.

02 März 2012

Guter Journalismus...

Snowboardkurs am Hochzeiger

Guter Journalismus, das sage ich immer wieder, zeichnet sich dadurch aus, dass Geschichten zu Ende erzählt werden – auch wenn sie längst niemanden mehr interessieren.
Nun bekam ich gestern folgende SMS: „Martin, verfolge m.I. SpindelBlog, endet mit?Wärmeeinbruch? Hoffe ihr seid nicht weggeschwommen, o.warst Du nur 1 Woche? Ahoi Steffen, HU-Alumni“
Es ist ja nun so: Einerseits war ich tatsächlich nur eine Woche im Riesengebirge. Andererseits endete diese Woche mit Ereignissen, die eigentlich nur im passwortgeschützten „TU-Schneesport-Secrets“- Bereich veröffentlichungsfähig sind...
Also was tun? Am besten die Klappe halten, dachte ich mir. Und hoffen, dass es niemand merkt. Steffen ist mir leider dahinter gekommen und deshalb nur so viel: Es gab zwei Tage nahezu ununterbrochenen Regen. So etwas habe ich in dieser Jahreszeit und dieser Höhe noch nicht erlebt. Dann fing sich das Wetter und die zweite Gruppe hatte zumindest einen ganz guten Start.
Mittlerweile bin ich im Pitztal angekommen. Der erste Tag war etwas chaotisch, weil wir nach der Nachtfahrt erst am Abend unsere Zimmer beziehen konnten. Dafür hatten wir einen schönen sonnigen, wenn auch etwas warmen Skitag. Die Ski- und Snowboardkurse starteten und am Abend unterhielt uns Teilnehmer Florian mit interessanten Tips, wie Frauen in der U-Bahn angemacht werden können. Aber das ist vielleicht wieder eher etwas für den Secrets-Blog...
... und somit muss ich leider wieder mit schlechtem Journalismus enden.