21 März 2013

Automatische Sicherheitsbügel

Einige der neueren Doppelmayr-Sessellifte verfügen über automatische Sicherheitsbügel. Sie schließen sich, sobald der Sessel die Station verlässt und öffnen sich auch automatisch, wenn der Sessel die Bergstation erreicht. Nachteil dieser Bügel ist, dass sie nur sehr kleine Fußtritte zum Abstellen der Ski haben. Mit einem Snowboard wird es sehr schwierig. Außerdem lässt sich die Automatik nicht stoppen oder der Bügel noch einmal kurzzeitig öffnen, falls sich irgendetwas verklemmt hat.
Das Liftfahren ist durch diese Innovation also etwas komplizierter geworden. Damit die Leute trotzdem klarkommen, wurde in Dienten, wo so ein Lift steht, ein Monitor installiert, auf dem ein Instruktionsvideo läuft. Außerdem wird bei jedem Einsteigevorgang ein kurzes Tonband mit Anweisungen abgespielt: „Lehnen Sie sich nach dem Hinsetzen zurück. Bügel schließt und öffnet sich automatisch, Gute Fahrt!“. Die Liftboys müssen den Spruch den ganzen Tag lang hören, viele Fahrgäste kommen mit der neuen Technik trotzdem nicht klar und versuchen, den Bügel mit der Hand zu schließen.
Diese Neuerung ist ein Beispiel dafür, dass der Fortschritt nicht immer automatisch bessere Produkte hervorbringt. Ein einfaches und bewährtes Produkt wurde hier so weit verändert, dass die Bedienung komplizierter und unkomfortabler geworden ist – bei einem eher niedrigen Gewinn an Sicherheit.

19 März 2013

Nächtlicher Tiermord

Alle wollen auf die Piste - nur ein Vogel hat es hinter sich...

 
Über Nacht hat es etwa 30 Zentimeter Neuschnee gegeben. Alle wollen früh auf die Piste - doch ich muss mich vorher mit einem anderen Problem beschäftigen: Eine Frau aus der Reisegruppe musste in der Nacht einen Tiermord miterleben. Sie ist als Einzige im Nebenhaus untergebracht, weil sie gern ein Einzelzimmer wollte. Nun gruselt sie sich dort. Angeblich hat eine Katze oder ein Fuchs einen Vogel auf dem Dach über ihrem Zimmer ermordet. Der Vogel hatte demnach einen sehr langen Todeskampf und hat geschrien wie ein kleines Kind, bis er irgendwann den letzten Röchler ausgestoßen hat.
Das alles passierte wie gesagt genau über dem Bett der Frau auf dem Dach, weshalb sie nicht mehr in dem Zimmer übernachten könne. Sie kam weinend zum Frühstück.
Blöderweise ist aber kein anderes Zimmer im Haupthaus mehr frei. Nun war ihre Idee, dass sie als Fünfte mit in unser Team-Viererzimmer einzieht. Das haben wir gestern nach längerer Diskussion innerhalb des Teams abgelehnt. Stattdessen ist die Frau im Nebenhaus eine Etage tiefer gezogen.

Ach so, nebenbei: Natürlich habe ich den Tatort des Tiermords inspiziert: Auf dem Dach des zweistöckigen Gebäudes liegen etwa 70 cm Schnee, die Hälfte davon lockerer Neuschnee. Selbst ein Leopard wäre bis zum Bauch eingesunken. Wie eine Katze dort einen Vogel erlegt haben soll, konnte nicht geklärt werden...

15 März 2013

Blutrodeln

Heute ist Rodelabend am Hochzeiger. Unsere Gruppe hat insgesamt 30 Rodel gemietet. Die Bergbahn öffnet um 19:30 und schließt um 21:00 Uhr. Zwei bis dreimal kann man die Bahn in dieser Zeitspanne schaffen. Ich spare mir allerdings diesmal das Vergnügen, denn aus früheren Jahren weiß ich um die Gefährlichkeit... Unsere Leute sind gerade alle unterwegs, ich mache einen kleinen Spaziergang. Auf dem Parkplatz höre ich plötzlich ein Stöhnen. Niemand ist zu sehen. Doch das Stöhnen ist keine Einbildung. Ich schaue noch einmal genau hin: Hinter einem Bus kauert in der Dunkelheit eine Person auf dem Boden, an eine Mauer gelehnt. Ich frage, ob jemand Hilfe benötigt. „Ja, hier“, antwortet eine Frauenstimme. Ich gehe in die Richtung. Die Frau ist ansprechbar, aber ihre Hände sehen in der Dunkelheit seltsam schwarz aus. „Ich blute“, sagt die Frau. Ich helfe ihr auf und sehe, dass ihre Hände und auch das Gesicht sowie die Kleidung komplett blutverschmiert sind. Weit und breit ist kein Mensch zu sehen. Zum Glück kann die Frau noch laufen. Ich stütze sie und gehe mit ihr in Richtung der Bergbahn-Kasse. Wegen des Rodelabends ist sie noch besetzt. Bis eben konnte ich wegen der Dunkelheit die Verletzungen der Frau selbst nicht genau sehen. Jetzt kommen wir in den beleuchteten Kassenbereich. Der Kassier sieht uns und erbleicht. Wir müssen einen erschreckenden Anblick bieten. Er schließt sichtlich verängstigt die Scheibe und greift zum Telefon. Bald ist ein Sanitäter zur Stelle und wir bringen die Frau in den Erste-Hilfe-Raum. Der Sanitäter wischt ihr mühsam das Blut ab. An der Stirn und Nase hat sie zwei kleinere Wunden – offenbar von einem Sturz. Ihre Geschichte ist etwas wirr. Sie vermisst ihre Angehörigen – Mann und volljährige Tochter –, mit denen sie angeblich auf den Bus gewartet hat. Was dann passiert ist, weiß sie nicht mehr. Ihr Telefon ist verschwunden. Mit einiger Anstrengung kann sie jedoch Name und Urlaubsanschrift nennen. Ein Telefonat ergibt, dass die Angehörigen mittlerweile in ihrer Unterkunft angekommen sind – jedoch auch vollkommen alkoholisiert sind. Sie hatten gemeinsam gefeiert und sich dann verloren. Nach einer Dreiviertelstunde taucht doch noch eine Bekannte auf. Der Sanitäter rät dazu, die Wunde an der Stirn kleben zu lassen. Nach einiger Zeit kommt ein Rettungswagen. Endstation der lustigen Après-Ski-Runde ist für die Frau das Krankenhaus in Zams. Ob ihr Mann sie wohl morgen früh vermisst?

14 März 2013

Powder

Über Nacht hat es geschneit und die Temperaturen sind kräftig gesunken. Wir wollen den frischen Pulverschnee genießen und fahren ganz früh hinauf zum Hochzeiger. Die Bahn öffnet mit fünf Minuten Verspätung gegen 8:35 Uhr. Die Sicht ist oben nicht optimal und das Thermometer an der Bergstation der Rotmoosbahn auf 2500 m zeigt -15° C an. Dazu weht ein unangenehmer Wind. Doch der Schnee ist prima. Weich fliegt federt er uns bei jedem Schwung ab. Rechts und links der schwarzen Piste an der Zirbenbahn stäubt er besonders hoch auf. Wir sind die Ersten auf dem Hang. Allerdings fährt sich Daniel auch eine dicke Schramme in sein Board. Ganz so tief ist der Neuschnee leider doch nicht.
 Diese Erfahrung muss auch ein Schweizer machen. Er stürzt im oberen Abschnitt der Piste schwer und verletzt sich an Rippen und Schulter. Rocco kommt zufällig vorbei und wickelt ihn in eine Rettungsdecke. Ich bin mittlerweile mit meiner Skigruppe unterwegs und sehe nur ein Schneemobil der Bergwacht mit großer Geschwindigkeit in Richtung der Unfallstelle brausen.
Die Rettung ist bald zur Stelle. Allerdings sind die Verletzungen des Schweizers so schwer, dass ein Abtransport mit dem Akia nicht angeraten scheint. Ein Hubschrauber wird gerufen. Unsere bis dahin noch so unbeschwerte schöne Stimmung ist erst einmal dahin.

10 März 2013

Imst

Trainingsbetrieb am Hochzeiger. Doch wie sieht es abseits der Top-Destinationen aus?

Es ist ja wahr: Die österreichischen Skiorte sind meist noch relativ natürlich gewachsene Gemeinden. Wer einmal französische Skistationen kennengelernt hat, wird verstehen, was ich meine. Und dennoch gibt es auch in Österreich diese spannende Diskrepanz zwischen den gestylten Top-Destinationen und dem „Hinterland“. Das Pitztal liegt zwar deutlich im Schatten des Ötztals – mit Orten wie Sölden oder Obergurgl – und zählt streng genommen wohl nicht zu den Top-Destinationen. Und dennoch: Es tut gut, die Urlaubsidylle auch einmal zu verlassen und den Alltag abseits davon zu erkunden. Imst ist das Städtchen am Eingang des Tales, der Ort von dem die höher gelegenen Gemeinden aus versorgt werden.
Heute Abend ergibt sich die Gelegenheit zu einem Besuch, denn in unserer Jugendherberge sind die Internet-Passwörter ausgegangen. Vor zwei Jahren gab es meiner Erinnerung nach im Stadtzentrum von Imst noch ein Café mit WLAN. Doch heute gegen 22:00 Uhr ist die Stadt wie ausgestorben. Einzig ein „Orient Grill“ – eher ein Imbiss mit angebautem Zelt als „Gaststube“ – ist noch offen. Außerdem gibt es ein Café mit zugehängtem Fenster, in dem heute ein Skatturnier stattfindet, ein Gasthaus, das ganz einladend aussieht, aber kein WLAN hat sowie eine recht belebte Weinkneipe.
Nur wenige Leute sind auf der Straße anzutreffen. Sie gehen meist eiligen Schrittes und gesenkten Blicks an mir vorbei und verschwinden oft ganz plötzlich hinter irgendwelchen dunklen Türen – manchmal im Souterrain – so dass ich mich frage, ob sich dahinter vielleicht heimliche Kellerverliese für versteckt gehaltene Familienmitglieder verstecken.
Das Städtchen ist ansonsten ganz hübsch. Mir fallen die vielen Brunnen auf, die oft Heiligen gewidmet sind. Es gibt sehr viele schöne alte Häuser, aber dazwischen auch Neubauten, die nicht zum „Besten der siebziger, achtziger und neunziger Jahre“ zu zählen sind.
Auffallend viele Banken und Versicherungen sowie Friseur- und Kosmetikgeschäfte sehe ich auf meinem nächtlichen Rundgang.
Viele sehr repräsentative Gebäude, wie das Hotel Post, sind stockdunkel und scheinen leer zu stehen. Dann sehe ich plötzlich eine einsame Zigarettenraucherin in einem dunklen Vorgarten sitzen. Stumm schaut sie herüber. Ob sie zu einer versteckten Familie gehört?
Es ist mir egal. Ich setze mich in mein Auto und fahre weiter. An der Einmündung einer Nebenstraße wartet ein Polizeiauto auf mich.
Es biegt nach mir in die Hauptstraße ein und folgt meinem roten TU-Bus. „Na toll“, denke ich. Doch nach wenigen hundert Metern hält die Polizei vor dem Skat-Café an. Dort steht ein BMW in falscher Fahrtrichtung auf der Straße. Junge Leute stehen darum herum. Eine klare Aufgabe für die Ordnungshüter in dieser scheinbar aufgeräumten Stadt.
Drei Tage später finde ich unter der Überschrift „Kotschmierer in Imst“ folgende Meldung in der Tiroler Ausgabe der „Kronen“-Zeitung: „Seit Jänner verunstaltet ein Unbekannter in Imst immer wieder Laternen, Mülleimer, Verkehrszeichen oder Stiegenhäuser mit Fäkalien. Hinweise erbeten...“

02 März 2013

Sternstunden der Logistik

Wechseltage sind immer besonders stressig und erfordern eine ausgeklügelte Logistik. Schön, wenn das manchmal auch klappt. Gestern Abend fuhr in Berlin pünktlich um 22:00 Uhr ein Reisebus mit 40 Menschen in Richtung Pitztal ab. Gleichzeitig feierten im Ahrntal 42 andere Menschen ihren letzten Abend im Hotel und in der nahe gelegenen Après-Skihölle „Hexenkessel“.
Ich packte unterdessen im Ahrntal meine Sachen, um früh am Morgen ins Pitztal abreisen zu können. Heute um 5:25 Uhr startete ich dann mit Dennis, der ins Salzburger Land musste und den ich bis in die Nähe von Innsbruck mitnehmen wollte. Dennis begleitet in den nächsten zehn Tagen eine Schulskifahrt. Wir fuhren gemeinsam durch das noch nächtliche Ahrntal, das Tauferer- und das Pustertal, überquerten den Brenner und erreichten Innsbruck. Am Bahnhof Völz, der nur wenige Meter von der Autobahn entfernt liegt, verabschiedete ich mich von Dennis. Nach einer Woche Trubel war ich plötzlich wieder ganz allein. Über dem Inntal lag noch ein Hochnebel. Doch einige Bergspitzen leuchteten schon in der Morgensonne auf und versprachen einen schönen Tag. Lange konnte ich diese Gedanken jedoch nicht verfolgen, denn kaum hatte ich den roten Kleinbus wieder auf die Autobahn gelenkt, entdeckte ich wenige Autos vor mir einen Reisebus. Es war ein magischer Moment, denn es handelte sich um den „Grenzenlos“-Bus, der am Vorabend in Berlin gestartet war – und den ich jetzt zufällig nahe dem Schnittpunkt unserer beiden Reiserouten traf. Ich überholte den Bus und hupte kurz. Der Fahrer, den ich seit Jahren kenne, grinste herüber und bedeutete mit einer ausholenden Handbewegung, ich solle mal voran fahren und das Frühstück klar machen. Gegen halb neun trafen wir uns dann in Ritzenried bei Jerzens wieder.
Die beiden Busfahrer fuhren nach dem Frühstück auf meiner nächtlichen Route in entgegengesetzter Richtung bis ins Ahrntal, wo sie die 40 Leute abholen sollten. Pünktlich um 16:00 Uhr ging es dann zurück nach Berlin, wo etwa zeitgleich ein weiterer „Grenzenlos“-Bus eintraf, der am Morgen mit einer anderen Gruppe in Spindleruv Mlyn gestartet war.

01 März 2013

Kinderkacke

Abschlussabend. Beim Après-Ski im „Hexenkessel“ bleibt kein Auge trocken. Die Einen tanzen auf den Tischen, während sich die Anderen schon auf dem Boden wälzen...
Dennoch trübt der Eindruck der guten Laune: In Skilehrer Dennis´ Kurs war heute „heftig Dampf drin“. I. fühlte sich gemobbt. Schon mehrfach war sie zu spät zum Kurs erschienen und mehrfach hat die Gruppe auf sie warten müssen. „Sieben Minuten für einen Toilettengang“, lautet der Hauptvorwurf. Heute beschloss Dennis, sich das nicht mehr bieten zu lassen. I. war wieder nicht da, sondern fotografierte in der Nähe seelenruhig. Dennis wartete fünf Minuten, winkte ihr dann auffordernd zu. Da keine Reaktion kam, fuhr er mit der Gruppe kurzerhand los. I. war stinksauer und hielt sich in der Mittagspause demonstrativ abseits der Gruppe auf.
Dennis erzählte mir sofort von dem Eklat – auch I. sprach mich an. Sie bittet um ein Gespräch am Abend. Natürlich komme ich dem Wunsch nach, denn im Grunde bin ich ein neugieriger Mensch.
I. beschuldigt „die Dicke, K.“, sie systematisch zu mobben. Ständig müsse K. hinter dem Skilehrer fahren, nie dürfe jemand anderes Erster sein. Ein „ungeschriebenes Gesetz“ sei dies im Kurs. Sie dagegen müsse immer als Letzte fahren, als „Lumpensammler“. Ständig würde sie von K. drangsaliert. Einmal hätte sie K. eine falsche Piste hinunter geschickt und anschließend den anderen Gruppenmitgliedern gesagt, man hätte I. wohl „verloren“ und solle nicht mehr auf sie warten.
Ihre Forderung an mich: Sie will das Geld für den Kurs zurück, da sie daran nicht teilnehmen konnte!
Von meinen Kinderkursen bin ich einiges gewöhnt. Da geht es auch mitunter darum, wer als Erste/r fahren darf. Aber so schlimm ist es nicht. Und deshalb habe ich den Kindern gegenüber schon fast ein schlechtes Gewissen, wenn ich diesem Post den Titel „Kinderkacke“ gebe.