31 Juli 2006

Schlimme Gruppe




Als wir uns der Prati nähern, bietet sich ein seltsames Bild. Gerd hatte uns heute Mittag einen Golfplatz versprochen, denn der Biwakplatz ist nahezu von Steinen befreit und wunderschön grün. Doch schon aus der Ferne sehen wir lauter Schweizer Käse auf dem schönen Rasen verteilt. Es sind die Wurfzelte der schlimmen Gruppe, die von einer Eselkarawane hochgetragen worden sind. Die Gruppe selbst ist noch lange nicht in Sicht, doch die schönsten Biwakplätze sind schon für sie reserviert. Frechheit!

Wir suchen uns einen windgeschützten Platz und beginnen zu kochen. Gegen 20:00 Uhr herrschen im Zelt immer noch 23° C, doch draussen scheint es durch den Wind deutlich kühler zu sein. Es ist der mit 1840 m bisher höchste Übernachtungsplatz. Die Sicht auf die Küste ist wunderschön. Sie liegt unten noch in der Abendsonne, während hier oben Schatten einkehrt und der Wirt mit seinem Sohn ein allabendliches Ritual einleitet: Die Pferde werden zu ihrem nächtlichen Lagerplatz getrieben, so scheint es. Ich habe es hier oben schon früher einmal erlebt, doch bis heute nicht ganz verstanden. In erster Linie geht es wohl darum, etwas Action zu machen. Es endet meist damit, dass die Viecher ganz wild werden und zwischen den Zelten herum galoppieren. Mitunter versuchen sie auch, etwas Proviant zu ergattern. Also Vorsicht!

Die schlimme Gruppe nähert sich sehr spät, nach 20 Uhr! Sie lärmen fürchterlich und bald gibt es ein Riesenhallo, als der Reiseleiter den Standort der beiden Klos und der einzigen Dusche erklärt. Beide Einrichtungen, die normalerweise selbst bei guter Belegung von Hütte und Biwakplatz keine Engpässe darstellen, sind daraufhin für etwa eine Stunde hoffnungslos belegt.

Jetzt sitzt die Gruppe oben an der Hütte und läßt sich das Tagesmenü kredenzen. Faule Menschen.

Kleine Soziologie

Das Publikum auf dem Süd-GR 20 ist etwas älter als im Norden (vielleicht sind die Leute mittlerweile schneller gealtert?). Eine schlimme Gruppe - die, die wir schon in der Cappanelle getroffen haben - ist auch unterwegs. Ihr Gepäck (Zelte und riesige Seesäcke!) wird mit Eseln hoch geschleppt. Zwei ältere Ehepaare, sehr nett, waren heute fast den ganzen Tag mit uns unterwegs. Aber der junge Engländer, den wir in Haut-Asco und später auf der Manganu-Hütte getroffen haben, ist nicht mehr dabei. Wahrscheinlich hat er auf dem Weg noch ein paar Gipfel mitgenommen. Er war unglaublich schnell - und sehr genügsam, was seinen Proviant anging. Ein netter Kerl. Auch die Gruppe junger Franzosen mit den kaputten Füßen, die seit der Carozzu dabei war, haben wir aus den Augen verloren. Wenn sie noch auf dem GR 20 unterwegs sind, müssten sie einen Tag später eintrudeln, denn wir haben in Vizzavona eine Etappe übersprungen.

Zur Prati mit prallem Gepäck



Wir stehen um 6 Uhr auf, gehen nach ausgiebigem Frühstück aber erst gegen 8 Uhr los. Es ist eine gemütliche Wanderung durch den Wald ohne große Steigungen. Wieder haben wir kaum Gepäck dabei, denn schon mittags ist das nächste Rendez-Vous mit dem Bus geplant. Wir erreichen den Col de Verde nach gut vier Stunden gegen 12:15 Uhr.

Auf dem Parkplatz verstauen wir den Proviant für drei Tage in die großen Rücksäcke, die wir gegen die Tagesrucksäcke tauschen. Dabei muss einer von uns, mit einem Stock bewaffnet, die Schweine in Schach halten, die scharf auf unsere Lebensmittel sind. Dann steigen wir in knapp 2,5 Stunden zur Prati auf.

Planung für 3-Tagestour


Wir geniessen auf unserer Tour den besonderen Luxus eines Begleitfahrzeugs. Dieses versorgt uns alle paar Tage mit Proviant, so dass wir einerseits nicht nur auf Trockennahrung und Müsli angewiesen sind und andererseits die lästige Einkauferei entfällt.
Mehrfach wurden wir von Mitwanderern gefragt, wo wir denn jeden Abend das frische Gemüse her haben...
Heute heißt es jedoch: Proviant für drei Tage packen, denn bis zum Col de Bavella treffen wir den Bus nicht mehr.
Ich schreibe eine Liste mit Dingen, die für uns drei für je drei Abendessen und Frühstücke reichen sollten:

2 große Auberginen, 2 gr. Zuchhini, 3 Zwiebeln,
Käse für Nudelsosse und zum Frühstück,
1/2 Salami,
Salz, Pfeffer,
330 g Reis, 660 g Nudeln,
1 1/2 Pck. "Erbswurst" (Suppenpulver, von Plus aus Deutschland mitgebracht),
18 Teebeutel,
Milchpulver, Müsli,
Brot,
Margarine,
Spiritus für den Kocher.

30 Juli 2006

Mehr Sex!


"Iss ja ganz schön, aber meiner Meinung nach muss da mehr Sex in den Blog", meinte kürzlich eine Freundin, die ihren Urlaub lieber am Strand verbringt als in den Bergen. Unter diesem Blickwinkel hatte ich die Sache noch nicht betrachtet. Zwar surfe ich gelegentlich durch Bergsport-Seiten, um zu sehen, wie Andere über ihre Erlebnisse berichten - zum Beispiel:

http://www.saloon12yrd.de/reiseberichte/2003/korsika/index.html http://www.uherzog.de/korsika/gr20_tour.htm http://www.klaus-schwenk.de/korsika/gr20.htm http://www.pervan.de/reiseberichte/Reise*Trans_Korsika_GR_20*524 http://travel-mel.blogspot.com/

Doch dass es in der Regel auf all diesen Seiten relativ wenig Sex gibt, ist mir noch nie unangenehm aufgefallen. Liegt eigentlich auch in der Natur der Sache, denn auf so einer Tour schwitzt man tagsüber unglaublich, hat abends stinkige Socken und so ziemlich die intimsten Momente sind die, in denen man Blasenpflaster austauscht.
Aber die Webgemeinde ist an Sex natürlich immer interessiert. Das muss ich schon einsehen. Also füge ich mich dem Unvermeidlichen und peppe die Sache etwas auf.
Es war auf der Refuge de Cappanelle. Dort gibt es ein Restaurant mit schöner Terasse, von der aus es einen wunderschönen Blick bis zum Meer gibt. Nach den Anstrengungen des Tages begab ich mich dem Panorama wegen und mit dem Fotoapperat bewaffnet auf diese Terasse. Leider war es etwas diesig und ich fand nicht sofort die passenden Motive. Und dann irritierte mich etwas am unteren Bildrand. Unterhalb der Terasse waren einige Autos geparkt. So auch ein silberfarbener Kleinbus, der als Wohnmobil ausgebaut war. Alle Türen standen offen. Ganz offensichtlich herrschte Siesta. An der Seitentür döste die Mutter, hinten drinnen schliefen der Vater und ein kleines Töchterlein. Nur der etwa 16-jährige Sohn war auf dem Beifahrersitz aktiv: in der einen Hand hielt er ein Buch und mit der anderen rubbelte er kräftig an sich rum. Scheinbar wähnte er sich auf der dem Berg zugewandten Seite des Autos sicher und hatte die Aussichtsterasse direkt über ihm gar nicht bemerkt. Vielleicht war "es" ihm aber auch so dringend, dass sie ihn nicht störte, denn selbst die Nähe der Mutter wirkte auf ihn nicht mässigend. Also, Jungs: Ich kann Euch ja verstehen, aber akzeptiert bitte auch, dass es Leute gibt, die an einem solchen Ort wirklich nur den Ausblick ins Tal geniessen wollen und die Ihr mit solcherlei Aktivitäten in peinliche Situationen stürzt! Ich jedenfalls fühlte mich genötigt, den Ort umgehend zu verlassen - nicht jedoch, ohne ein Foto geschossen zu haben. Und zur Strafe für den Bengel wird das jetzt im Blog veröffentlicht (und damit genug Sex fürs erste)!

Zelten an der Refufe de Cappanelle


Relaxed zur Refuge de Cappanelle





Nach einer leichten Etappe mit vielen Pausen erreichen wir die Refuge de Cappanelle. Die Hütte ist ein beliebtes Ausflugsziel und so gibt es dort vergleichsweise viele Autos und Langnese-Sonnenschirme - ein Nachteil.
Andererseits treffen auch wir auf unseren Versorgungsbus, der uns heute zwar nicht versorgt, aber unser Gepäck transportiert hat. Wir bauen unsere Zelte auf der Skipiste auf und genehmigen uns ausnahmsweise ein Essen im Restaurant.
Dort treffen wir auf eine etwas schlimme Gruppe, doch davon später...

Einstieg in den GR 20-Süd

Das Lotterleben auf dem Camping- platz hat ein Ende. Frisch erholt steigen wir wieder in den GR 20 ein. Trotz der Pause haben wir einen Tag gut gemacht, denn die meisten Wanderer übernachten auf der Petra Piana-Hütte und der Refuge de l´Onda.
Nun geht es auf den GR 20-Süd! Unser Ziel ist die Refuge de Cappanelle. Es ist eine leichte Wanderung heute, ohne Gepäck! Nur mit dem Tagesrucksack gehen wir los, denn schon am Abend werden wir den VW-Bus wieder treffen. Das verleitet sogar einige der Kletterer dazu, mit uns zu laufen.
Sie hatten gestern einen eher anstren- genden Klettertag und wollen sich etwas für das Bavella-Gebiet schonen. Steffen hat keine Wanderschuhe dabei, doch auf dieser Etappe tun es auch Sandalen.
Es geht zunächst hinauf durch den Wald bis zur Bocca Palmente (1640 m). Hier kann es recht windig sein, doch der Fernblick entschädigt dafür. Dann geht es wieder etwas hinunter und schließlich fast auf der gleichen Höhenlinie in zwei großen Bögen den Berg entlang. Kurz vor der Cappanelle Hütte gibt es noch einmal einen knackigen Anstieg, dann ein kurzes Stück Straße und bald kommt wiederum ein etwas abgetakelt anmutendes korsisches Skigebiet in Sicht.

29 Juli 2006

Pausa!

Es ist Ruhetag in Tattone, nahe Vizzavona. Axel und Harald sind mit dem Zug, der direkt am Campingplatz hält, nach Corte gefahren. Gerd ist mit Uwe, Michael, Dennis und Steffen zum Klettern in die Nähe von Canaglia gefahren. Ich erhole mich etwas auf dem Campingplatz: Wäsche waschen (dabei repariere ich gleich auch noch einen verstopften Abfluß im Waschhaus; scheinbar müssen Ingenieure immer irgendwo fummeln - und nach einer Woche GR 20 macht sich bei mir der Technikentzug bemerkbar), Wanderstöcke reparieren, Mittagsschläfchen halten.
Die gestrige Etappe war sehr lang, aber wunderschön. Der Weg hinauf zur Brèche de Capitello lief sich im Schatten sehr gut. Erst als wir oben waren, standen wir plötzlich in der Sonne.
Dort eröffnete sich uns ein beeindruckender Ausblick auf den Lac de Capitello und den Lac de Melo. Scheinbar liegen beide Seen auf gleicher Höhe. Doch die Perspektive täuscht, der Lac de Melo liegt nahezu 200 Meter tiefer. Der weitere Verlauf des GR 20 ist von der Brèche de Capitello aus ebenfalls gut zu überblicken: Im weiten Bogen zieht er sich rechter Hand nahe dem Grat Richtung Südosten. Beim Abstieg waren wiederum Kletterstellen zu überwinden.
Es gibt nicht viel Wasser hier oben. Eine Quelle war versiegt; eine weitere auf etwa 2070 m Höhe bot uns vor dem Aufstieg zum Col de la Haute Route die Möglichkeit, die Flaschen zu füllen. Oben angekommen machten wir Mittagspause und blickten noch einmal zurück nach Norden, zur Grande Barriere, wo unsere Wanderung gestartet war.
Dann begann der anstrengende Abstieg. Bis hinunter in den Wald stiegen wir über Geröll und mussten auf jeden Schritt achten. Etwas ganz anderes, als die leichte Etappe zuvor. Ich sehe den ganzen Tag nur Steine: große Steine, kleine, runde, kantige, rutschige bewachsene Steine, Schotter. Ständig suche ich nach dem besten Pfad oder dem nächsten rot-weißen Zeichen. 95 Prozent der Zeit scanne ich die nahe Umgebung. Dennoch bleiben am Ende die Fernblicke und das Bad im Gumpen in Erinnerung.

Brèche de Capitello, runter, rauf, runter, Gumpen, Panaché






28 Juli 2006

Die Manganu-Hütte (1601m)

Früh um fünf Uhr herrscht schon Hektik auf dem Biwakplatz. Reissverschlüsse schnurren. Die ersten Zelte sind schon abgebaut, als ich um halb sechs mal herausschaue. Es ist noch gar nicht richtig hell. Im Zelt herrschen 15 Grad Celsius, draußen ist es frisch. Wir stehen auf, frühstücken gemütlich und brechen um Punkt sieben auf. Vor uns liegt eine lange Etappe, die uns - kleiner Betrug an unseren wackeren Mitwanderern - vom Weg abbringen wird:
9:00 Uhr: Brèche de Capitello
12:00 Uhr: Mittagspause am Col de la Haute Route
13:00 Uhr: Ankunft auf der Petra Piana. Nach kurzer Pause Abstieg zu den Bergeries de Tolla. Dort genießen wir Käse und Wein und verlassen den GR 20. Denn in Canaglia wartet Gerd auf uns mit seinem weißen VW-Bus und ein paar Panachées.

Donnerstag: wunderschöner Lac de Nino

Es ist eine der schönsten Etappen auf dem nördlichen GR 20: Die Tour vom Castellu di Verghio zur Refuge de Manganu. Sie beginnt unspektakulär und entspannt im dichten Wald. Wenn man am entscheidenden Abzeig dann nicht vorbeiläuft, erlebt man einen der schönsten Abschnitte des GR 20. Er führt an einem der landschaftlichen Höhepunkte der Insel vorbei, dem Lac de Nino.
Leider macht uns auch heute wieder das Wetter Sorgen. Wir sind für unsere Verhältnisse recht früh aufgebrochen, gegen halb neun, doch der Himmel sieht schon um die Mittagszeit nicht vertrauenerweckend aus. Obwohl das Barometer seit gestern abend gutes Wetter verspricht!
Nach ausgiebiger Pause am Lac de Nino, wo wir unsere Wanderschuhe ausziehen und durch das weiche Gras laufen, wird der Weg sehr glatt und entspannend: Wir laufen über eine Hochebene und durch wunderschönen Wald mit alten Bäumen. Recht unvermittelt stehen wir pötzlich vor den Bergeries de Vaccaghia und erreichen schließlich - trocken! - die Manganu-Hütte gegen 14:30 Uhr. Dort werden wir dann doch noch nass, denn den Gumpen können wir nicht widerstehen.
Sehr spät erst - gegen 20 Uhr - treffen die fünf Franzosen ein, die uns seit Carozzu begleiten. Ihre Füsse sehen teilweise schlimm aus - von Pflastern übersäht. Allerdings ist der Zustand noch nicht dramatisch genug, um eine Verletzung des Rechts am eigenen Bild durch überwiegendes öffentliches Interesse zu begründen. Und so mache ich nur ein unscharfes Bild von ihnen.

27 Juli 2006

Am Col de St. Pierre



Übrigens: Vermisst jemand sein oder ihr weiß-rotes T-Shirt? Wenn es der Wind nicht schon weiter geweht hat, liegt es noch vor der kleinen Kapelle am Col de St. Pierre (vorn links im Bild).

Castellu di Verghio - Rehabilitation für ein Großod!

Kaum ein Ort am gesamten GR 20 hat so ein schlechtes Image wie das Ziel unserer heutigen Etappe. In meinem ansonsten sehr zuverlässigen Reiseführer (Erik Van de Perre: Trans-Korsika GR 20, Conrad Stein Verlag, Welver 2003) heißt es über das Castellu di Verghio:
"Das Wintersportzentrum macht insgesamt einen recht heruntergekommenen Eindruck. Der scheußliche Hotelklotz [...und...], die maroden Schlepplifte tragen kaum zur Verschönerung bei [...]."
Darüber hinaus warnt der Autor vor überhöhten Preisen und Abzocke bei den Abrechnungen. Es ist ja wahr: Die gehobene Architekturkritik würde kein gutes Haar an dem 70er-Jahrebau lassen. Und auch bei mir hat man es schon versucht, mich um das Wechselgeld zu betrügen.
Dennoch ist es an der Zeit für eine Rehabilitation. Das Castellu ist eine Welt im Kleinen, weitgehend autark, auf seine Art typisch korsisch. Der Besitzer, ein alter Mann im Blaukittel, sitzt seit mindestens 30 Jahren - jedenfalls schwört das mein Freund Gerd, der seit mindestens 25 Jahren Fahrten auf die Insel organisiert (früher mit dem Hochschulsport, heute mit eigenem Reisebüro) - jeden abend in seinem Hotel an einem Tisch und überwacht unauffällig den Speisesaal. Zu seinem Imperium gehört neben dem Hotel, das neuerdings neben dem Kamin auch eine moderne Heizung im schlecht isolierten Gastraum hat, das Skigebiet mit ein paar verrosteten Schleppliften, eine Müllverbrennungsanlage, eine Entsorgungsstation für Wohnmobile, ein Campingplatz, diverse Baumaschinen (vornehmlich für gröbere Abrissarbeiten geeignet), eine Übungspiste für Geländefahrzeuge sowie diverse jeepähnliche Fahrzeuge in unterschiedlichen Erhaltungszuständen.
Früher jagte er damit seine Schweine über die Skipiste. Mittlerweile läßt das sowohl seine schwindende Gesundheit als auch der technische Zustand der Fahrzeuge nicht mehr zu. Trotzdem gibt es immer noch jeden Abend Schweinebraten in dem Hotel - wie gesagt: eine nahezu autarke eigene Welt, ein Dings - hier fehlt ein deutsches Wort: ein wirkliches kleines Großod!

Gumpen!




Auf der Etappe von der Bergerie de Ballone zum Castelu di Verghio gibt es zahlreiche wunderschöne Gumpen. Es lohnt sich, Zeit dafür einzuplanen.

Korsika, GR 20, Mittwoch: der Reiseführer irrt!

Die Nacht im Schlafsack war dann doch okay. Es ist sowieso alles etwas feucht im Zelt, und nachdem er etwas angewärmt war, war sogar der Daunenschlafsack kuschelig.
Vielmehr beansprucht mich das Blog-Schreiben. Gar nicht so einfach, wenn man den ganzen Tag wandert oder essen kocht. Zumal es hier oben kaum ein Internetcafé gibt.
Außerdem bekümmern mich meine Füße. Ich habe sonst nie Probleme mit meinen Schuhen. Doch da sie über Nacht nicht trocknen konnten, musste ich heute den ganzen Tag in nassen Schuhen und nicht dazu passenden Socken laufen (die Wandersocken waren noch klitschnass).
Zwei Blasen und ein insgesamt unrunder Gang waren die Folge.
Dabei sind wir heute schon wieder nass geworden. Zurzeit scheint es jeden Tag gegen 14 Uhr ein Gewitter zu geben. Wir waren deshalb schon besonders früh aufgestanden: 6:30 Uhr war verabredet. Doch in dem engen Talkessel, in dem die Bergerie de Ballone liegt, geht die Sonne derzeit erst gegen 8:45 Uhr auf. Wir frühstückten also ohne Sonne - was den Vorteil hatte, dass die Margarine noch nicht flüssig war - und gingen dann los.
Zunächst aber noch ein Wort zur Bergerie de Ballone: Es ist ein ganz zauberhafter Ort. Die Landschaft ist ansprechender als oben bei der Tighietto-Hütte. Wer nach der Solitude genügend Zeit und Nerv für einen längeren Abstieg hat, sollte weiter hinunter gehen zur Ballone. Ich erkannte in dem muskulösen Burschen in den Militärklamotten den Wirt (oder vielmehr den Sohn des Wirts) von vor zwei Jahren wieder. Obwohl er alles im Griff hat, wirkt er hier etwas deplatziert in seinem Outfit, das bei oberflächlichlicher Betrachtung zu der Annahme verleiten könnte, die Bergerie sei ein Bootcamp. Der Alte hält sich indes zunehmend zurück, was die Betreuung der Gäste angeht.
Auch mein Reiseführer (Erik Van de Perre: Trans-Korsika GR 20, Conrad Stein Verlag, Welver, Herbst 2003) hat viele warme Worte übrig für die Bergeries de Ballone: Hier "tanken tütensuppengesättigte Trekker bei korsischen Spezialitäten und Rotwein neue Kräfte. An alte Zeiten erinnern die Maulesel, die zwischen den Trockensteinmauen herumlaufen. Mit diesen treuen Lasttieren werden nach wie vor die Vorräte zu den Bergeries de Ballone hochgeschafft."
Hier irrt der ansonsten genaue Führer leider: Wer einmal von Calasima (einem sehr schönen Bergdorf, das noch mit dem Auto erreichbar ist) zu den Bergeries hochgelaufen ist, geht fast die ganze Zeit auf einem breiten Forstweg, der durch den von einen früheren Brand gezeichneten Wald führt. Er ist bequem mit geländegängigen Autos befahrbar. Kurz bevor die Bergerie in den Blick kommt, ist ein großer Umschlagplatz in den Wald gehauen. Hier können größere LKW wenden; einige Fahrzeuge sind hier auch abgestellt. Die Belieferung der Bergerie erfolgt offenbar bis zu diesem Punkt bequem mit dem Auto. Zur Täuschung der Touris wird die Ware dann für die letzten paar hundert Meter auf die Maulesel umgeladen. Der arglose GR 20-Wanderer fühlt sich dadurch in einem Idyll - und wenn er Reisebuch-Autor ist, schreibt er in einem Führer vielleicht sogar ein Extra-Kapitel über das romantische Leben in den korsischen Schäfereien.
Zurück zum heutigen Tag: Der Weg war zunächst fast eben und führte bald durch wunderschönen Wald (Foto oben). Dann wandte er sich nach Westen, wobei der Stausee von Albertacce sehr schön ins Blickfeld rückte. Er stieg fortan stetig an, bis die Bäume endlich seltener wurden und dann ganz verschwanden. Es wurde zusehends steiler. Eine unserer Trinkpausen machten wir bei einem wunderschönen Gumpen. Doch kaum hatten wir unsere Rucksäcke abgesetzt, bemerkten wir, dass der Gumpen schon besetzt war. Ein anderer Wanderer hatte sich sämtlicher Kleidung entledigt und war gerade dabei, ein Bad zu nehmen.
Wir stiegen weiter an bis zur Paßhöhe auf etwa 2000 m. Dort folgten wir nicht dem markierten Weg, sondern gingen entlang dem älteren Verlauf des GR 20 hinunter ins Tal. Der Pfad führt direkt zu zwei riesigen Felsblöcken. Bald dahinter, in gerader Richtung, bietet sich die Möglichkeit, den jungen Golo-Fluß zu überqueren. Der Weg trifft danach bald wieder auf den heutigen GR 20, der an dieser Stelle einen großen Umweg macht (durch die Abkürzung läßt sich etwa eine Stunde einsparen). Beim weiteren Abstieg in das enger werdende Tal trafen wir auf zahlreiche wunderschöne Gumpen. Leider zwang uns das aufziehende Gewitter, schnell weiter zu gehen. So traf uns das Wetter erst weiter unten in den geschützteren Regionen des Waldes.

25 Juli 2006

(4) Abstieg in den Cirque de la Solitude

Der Abstieg in den Cirque de la Solitude gilt als Schlüsselstelle des GR 20. Dabei ist es gar kein richtiger Kessel, in den hinabgestiegen wird. Es geht einfach nur sehr steil bergab bis zu einer undefinierten Höhe. Vielleicht wird das Gelände dort ein wenig flacher. Jedenfalls gibt es dort die Möglichkeit einer Querung. Man läuft eine kleine Strecke nahezu auf gleicher Höhe, bevor dann der Aufstieg kommt, der nicht minder sgteil ist.
Von Norden kommend stehen wir am Col Perdu und blicken hinunter in die Tiefe: "Wie weit geht es hinab und wo wieder rauf?", fragt mich Harald. Es ist schwer von oben auszumachen.
Als wir dann unten sind, frage ich mich, wie dieser Ort zu seinem Namen gekommen ist: Kessel der Einsamkeit. Wie in einem Kessel fühle ich mich nicht. Zwar geht es zu drei Seiten beängstigend steil bergauf. Doch zu einer Seite fällt das Gelände nicht minder steil ab. Ein flaues Gefühl kann sich hier durchaus einstellen, besonders wenn - wie jetzt - Gewitterwolken aufziehen. Doch hat dieses Gefühl mit Einsamkeit zu tun? Und ist Zweisamkeit dann doppelt so schlimm? Diese Franzosen!

Dienstag (3): Hier geht es hinunter in den Kessel der Einsamkeit

Dienstag 2: Aufstieg zum Col Perdu

Dienstag: Cirque de la Solitude, Gewitter an der Bocca Minuta und Wege als Wasserfälle

Der Luxus eines Versorgungsfahrzeugs hat auch seine Nachteile: Wir vertändeln uns, frühstücken unnötig lange mit den Kletterern, die heute nichts Großes mehr reißen wollen, und kommen letztlich spät weg; erst gegen 9:45 Uhr. Dabei haben wir Großes vor. Heute geht es in den Cirque de la Solitude, die Schlüsselstelle des GR 20 (Nord). In 2,5 Stunden schaffen wir den Aufstieg zum Col Perdu. Das Wetter sieht nicht vertrauenerweckend aus. Dennoch muss eine Pause sein, bevor wir hinabsteigen in den Kessel der Einsamkeit. Verängstigte Wanderer kommen uns entgegen, froh es geschafft zu haben. Der Anblick ist gigantisch. Ich hatte ihn gar nicht mehr so schlimm in Erinnerung. Jetzt ist Klettern angesagt. Während des Abstiegs wird der Himmel immer dunkler. Der Höhenmesser spielt verrückt, denn der Luftdruck fällt. Trotzdem eine kurze Pause vor dem Wiederaufstieg. Im oberen Teil, kurz vor der Bocca Minuta, erwischt uns dann das Gewitter. Wir werfen uns schnell unsere Regenkleidung über und decken die Rucksäcke ab. Dicht kauern wir uns an die Felsen. Hagel geht auf uns nieder und wahre Sturzbäche von Wasser. Der dichteste Einschlag ist weniger als 300 m entfernt. Axel spürt ein Kribbeln im Fels. Ein italienisches Paar - die Frau hatte schon weiter unten große Schwierigkeiten in einer mit Leitern versicherten Kletterstelle - läuft davon vollkommen unbeeindruckt und völlig unzureichend mit leichten Trägershirts bekleidet an uns vorbei - ohne jeden Schutz. Später sehen wir sie wieder beim Abstieg zur Refuge de Tighietto. Die Frau ist vollkommen am Ende. Er - selber ratlos - kommandiert sie herum.
Auch wir sind trotz Regenkleidung durchnäßt; hatten sie etwas zu spät übergezogen. Es trocknet schon beim Abstieg wieder. Nur die Schuhe sind ein Problem. Das Wasser ist von oben hineingelaufen. Der Abstieg zur Bergerie de Ballone verlangt alles vom Material: Die Kurverwaltung scheint es sich bei der Weganlage leicht gemacht und einfach Wasserfälle mit weiß-roten GR 20 Markierungen versehen zu haben. Überall ist Wasser. Zudem müssen wir zweimal den Fluss queren, der plötzlich stark angeschwollen ist. Axel findet unkonventionelle Übergänge - wir folgen springend.
In den Rucksäcken ist es trotz der Regenhüllen auch etwas nass geworden. Meine Schlafsackhülle fühlt sich feucht an. Der Schlafsack selbst ist ziemlich trocken. Dennoch lege ich ihn nach der Ankunft in der Bergerie de Ballone über das Zelt. Ein Fehler, denn schon kurz nach Sonnenuntergang, der in dem Talkessel früh ist, setzt Tau ein und der Schlafsack wird feuchter als vorher. Blöd.

24 Juli 2006

Montag 6: Refuge in Haut-Asco mit Baggerromantik

Montag 3: Lac de la Muvrella (1860 m)

Montag: Kramen am Bus

Montag 4: Abstieg von der Bocca di Stagnu (2010 m) nach Haut-Asco (1422 m)

Montag 2: Aufstieg zur Muvrella

Montag: Auf dem GR 20 nach Haut-Asco

Wir haben glücklich Haut-Asco erreicht - gerade rechtzeitig, bevor es anfing zu regnen - und treffen dort erstmals auf das Versorgungsauto.
Der Weg war wunderschön, erst durch den Wald, dann über eine Hängebrücke und schließlich hinauf ins Gebirge.
Der Abstieg zur Skistation von Haut-Asco war steil und anstrengend. Skistation ist vielleicht falsch: Im Moment wird der Schlepplift mit viel Getöse (und wenig Fachkenntnis) abgerissen.
Gerd und die Jungs waren klettern und kamen erst spät. Daher habe ich es übernommen zu kochen: Nudeln mit einer Gemüsesauce; Zwiebeln, 2 Zucchinis (die hier viel besser schmecken als bei uns aus dem Supermarkt), 2 Paprika, 3 Auberginen (eine kulinarische Neuentdeckung für einige der Kletterer!), 1 Tomate anbraten. Dazu klein gewürfelte Salamistücken und Salz und Pfeffer geben. Dann Gemüsebrühe und etwas Wasser dazu geben, etwas dünsten, fertig.
Es war sehr lecker, aber die Jungs essen sowieso alles - nur genug ist es fast nie!

Durch den Wald von Bonifatu zur Refuge de Carozzu

Abendessen an der Refuge de Carozzu
Blick von der Refuge ins Tal

23 Juli 2006

Sonntag: Schluß mit Dolce Vita

Wir verlassen vormittags unseren Campingplatz "Dolce Vita" nahe Calvi. Das Meer war schön, aber kaum eine Erfrischung. Zudem brannte es wieder und die Löschflugzeuge gingen ständig zum Auftanken im Wasser nieder - keine 50 Meter vom Strand entfernt!
Heute ist das Feuer gelöscht. Doch wie wir bei der Fahrt zum Einstieg in den GR 20 gesehen haben, wurde nur mit Mühe ein Übergreifen der Flammen auf ein Dorf verhindert. Immerhin brannte ein Sattelschlepper mit Waschmaschinen oder Geschirrspülern komplett aus.
Wir nehmen nicht den klassischen Einstieg des GR 20, sondern fahren hinauf in den Wald von Bonifatu. Das erspart uns die erste, wenig erquickliche Etappe durch die Macchia.
Wir sind acht Leute. Aber nicht alle wollen den GR 20 machen. Michael, Uwe, Steffen und Dennis sind zum Klettern nach Korsika gekommen. Gerd, Mastermind von Locke Tours Berlin, wird sie begleiten und die Wanderer gelegentlich mit Proviant versorgen. Ich mache mich mit Axel und Harald auf den Weg.
Der Aufstieg vom Parkplatz in Bonifatu ist auf einem Schild mit 2,5 Stunden angegeben. Er führt durch wunderschönen Wald. Nach zwei Stunden erreichen wir schon die Hütte. Wir sind eine der ersten Gruppen. Es gibt eine primitive Dusche (Gartenschlauch hinter Sichtschutz aus Folie) und einen sehr netten Wirt, der auch Wein verkauft.
Der Biwakplatz ist leider etwas ameisenverseucht. Die ebenen Plätze ohne große Steine sind rar, so dass wir froh sind, früh angekommen zu sein. Aber die Lage der Hütte ist schön. Zu drei Seiten recken sich steil dolomitenartige Felsen empor. Zur vierten Seite ist der Blick frei ins Tal, dorthin, wo wir morgens aufgebrochen waren. Wir sind endlich im Gebirge. Die Luft ist angenehm kühl: 22°C abends zum Sonnenuntergang, als wir unser Essen zu uns nehmen.

22 Juli 2006

Autodeck und ab

Die "Corsica Marina Seconda" legt an. Also ab aufs Autodeck und runter von der Fähre!

Ile de Beauté in Sicht: Endlich Korsika!

Oberdeck

An Bord bewegen wir uns sofort aufs Oberdeck: Schnell einen der raren Liegestühle sichern. Ab morgen wird es anstrengend werden: Wir wollen den GR 20 laufen, einen Fernwanderweg, der auf seinen 180 Kilometern durch das Inselinnere über 10.000 Höhenmeter macht und nur einmal auf eine Ortschaft trifft. Zelt, Kocher, Proviant: Alles muss selbst getragen werden.

Nach 1300 Kilometern: Chillen

Nach der langen Fahrt im Auto chillen wir erstmal etwas. Schließlich sind es noch ein paar Stunden bis zum Ablegen.

Käfer am Hafen

Das Schiff, das da liegt, ist nicht unseres. Unsere Fähre geht erst um 8 Uhr. Also schlendere ich durch den Hafen und entdecke einen wunderschönen Käfer. Er dürfte ungefähr das gleiche Baujahr haben wie die Fähre. Die ist von 1974. Vielleicht gehört das Auto dem Kapitän. Vielleicht auch nicht. Wäre schon sehr unwahrscheinlich. Ich widerstehe der Versuchung, auszuprobieren, ob der Schlüssel von meinem Käfer passt. Die meisten Schlüssel passen in die meisten Käfer!

Also Korsika

Natürlich ist es Quatsch, nur zum Skilaufen in die Berge zu fahren. Im Sommer fährt man zwar ans Meer. Aber wieso nicht beides zusammen? Also: Korsika.
Sonnabend früh gegen vier stehen wir in Livorno am Fährhafen. Ein Schiff liegt schon da.

14 Juli 2006

E-Mail von Petr Racin

Eben kam eine E-Mail von der Baude direkt in meinen Computer rein:

Guten Tag,

Sehr geehrter Herr KIESLER danke zu schnell Antwort. Kann Ihnen verbürgen, dass für unseren gegenseitige Verweises schaffe alles möglich.
Gleich morgen sich verbinden mit General Direktor VZLU und.S., und es versuchen sich esse auf ausreden an einem kompromis.
Bekanntgeben ihm auch , dass kann Ihnen behagen teilen mit ihren gleich Termin. Hoffentlich dass in Verweises mit Herrn Direktor eingewiegt.
Preis Unterkunft mit Halbpension für Sie er bleibt gleiche wie im laufenden Jahr.
Hoffentlich , dass sich mir gelingt zu lösen diese Probleme mit Vorwegnahme zu unser beiderseitiges Zufriedenheit. Noch sich Ihnen bis Ende dieses Woche Beschallung mit dem Ergebnis.

An baldige Wiedersehn, Peter RACIN

Das heißt, dass der neue Wirt sich auf uns freut und dass es auch keine wesentliche Preiserhöhung geben wird.
Allerdings ist der Termin noch unklar, denn unsere traditionelle zweite Februarhälfte ist bereits an den Herrn Generaldirektor des Betriebes, der der Besitzer der Baude ist, versprochen.
Seitens der Baude könnten wir einen früheren Termin bekommen, nämlich vom 3. bis 17. Februar. Problem hierbei ist nur, dass vom 3. bis 11. Februar (das sind die Berliner Winterferien) gleichzeitig der Familienkurs stattfindet. Es müßte sich also jemand finden, der die Kursleitung übernimmt.
Außerdem läuft Anfang Februar noch das Semester. In diesem Zeitraum stehen häufig Prüfungen an.
Falls sich der Herr Generaldirektor nicht erweichen lässt, auf einen anderen Termin auszuweichen, stellen sich folgende Fragen:
  • Bekommen wir das Haus zu dem früheren Termin voll?
  • Wer würde die Leitung übernehmen, falls ich keinen Ersatz für den Famlienkurs finde und den also leiten müsste?
Martin