22 Dezember 2006

Also Weihnachten

Okay, Schnee hat es jetzt. Ferien sind auch. Könnte man eigentlich skifahren gehen. Aber ach: Weihnachten ist es überall voll, teuer, die Tage sind kurz. Es ist selbst in den meisten Skigebieten nahezu unmöglich, dem Weihnachtstrubel zu entgehen. Außerdem ist trotz der erfreulichen Trendwende bisher noch nicht sehr viel Schnee gefallen.
Also Weihnachten. Ich bleibe hier und gebe es mir.
Eigentlich ist es nicht das Schlechteste. Auch wenn es viele Nörgler gibt, die wieder einmal betonen, dass das Weihnachtsfest im Allgemeinen viel zu schrill, zu aufgesetzt und zu kommerziell ist. Meine Nichte (14) ist so eine. Sie verweigert erstmals die Annahme von Geschenken, weil das alles zu "konsumorientiert" sei. Sie nimmt dieses Jahr nur Geld...
Naja. Eigentlich habe ich das Gefühl, dass sich die Menschen zu Weihnachten wirklich besonders lieb haben, dass sie sich herzen, ihre Lieben um sich versammeln, Bilder machen und diese anschließend ins Internet stellen. Um Andere teilhaben zu lassen! Also nehme ich teil - und teile selbst auch, nämlich die schönsten Weihnachtsseiten:

Im folgenden Blog wird der religiösen Bedeutung des Festes der ihr gebührende Raum gegeben, auch wenn ich den Eindruck habe, dass sich die Bloggerin nicht allzu viel Mühe gibt, ihren katholischen Hintergrund zu verbergen:
http://sognodargento.blogspot.com/index.html
Immerhin hat der Blog was mit Schneesport zu tun: in gleich zwei Posts wird dem im März diesen Jahres bei einem mißglückten Sprung tödlich verunglückten schwedischen Snowboard-Star und Olympia-Zwölften (Apostel?), Jonatan Johansson, gedacht (Merke: es ist nicht nur Weihnachten, sondern auch die Zeit der Jahresrückblicke):
http://sognodargento.blogspot.com/2006/02/you-can-fly.html
http://sognodargento.blogspot.com/2006/03/swedish-snowboarder-johansson-dies.html

Sollten nach der Lektüre des obigen Blogs noch letzte Zweifel an der Wahrhaftigkeit der Weihnachtsgeschichte bestehen, so werden diese im folgenden Blog widerlegt: Hier gibt es sogar den echten Jesus zu sehen, mit dem Kindchen auf dem Arm - nebst einem Weihnachtsbaum, mutmaßlich aus dem Gazastreifen (vorn links; der hintere Baum stammt wahrscheinlich eher aus dem Libanon).
http://simplify-your-life.com/blog/?p=4

Besinnliches Familienglück sowie einen Überblick über die bürgerliche Haar-, Kleidungs- und Inneneinrichtungsmode aus fast zwei Jahrzehnten bietet folgende - nahezu einmalige - Langzeitweihnachtsdoku:
http://www.rolf-thalmann.de/weihnachten.htm

Wer noch nicht genug hat, besucht auch noch Sabines Blog:
http://www.myblog.de/bine174/art/2606755

Dort gibt es ebenfalls Deko-Tips sowie Anregungen für Geschenkideen - auch wenn der Stepper nach meinem Geschmack etwas groß geraten ist für den kleinen Jungen.Glückliche Kinderaugen gibt es vermutlich auch dieses Jahr wieder bei Familie Berger.
Stilsicher präsentieren sich "Lotusteich" auf ihrem offiziellen Weihnachtsfoto 2006, auch wenn die mutmaßlichen Vorbilder - Königs in Norwegen - (noch) nicht ganz erreicht werden: http://www.aftenposten.no/nyheter/kongelige/article1577520.ece
Na dann: Frohe Weihnachten!

12 Dezember 2006

Endlich Schnee!

Schnee, Schnee, es schneit!
In den letzten Tagen hat es in den Skigebieten, in die der TU-Sport fährt, endlich geschneit.
Überzeugt Euch selbst: Folgende Links führen zu Webcams in den Skigebieten:

Ratschings - Familienkurs: 02.-10.02.2007:
(1300 m - 2100 m)
http://www.racines-giovo.it/Livecam/livecam_berg.jpg
Ende letzter Woche gab es noch 0 cm Schnee. Heute sind es 15 cm im Tal und 50 cm auf dem Berg. Mittlerweile sind einige Lifte offen.

Spindleruv Mlyn - Langlaufkurse: 03.-10.02. und 10.-17.02.2007
(730 m - 1605 m)
http://www.skiarealspindl.cz/ainfo.php?lang=2&ro=1
Bis heute lag ebenfalls kein Schnee. Das Skigebiet ist noch geschlossen. Mittlerweile hat bei Temperaturen um den Gefrierpunkt Schneefall eingesetzt.

Jerzens - Hochzeiger: 09.-17.03.2007
(1450 m - 2370 m)
http://livecam.feratel.at/cam/jerzens/5580/index.jsp
Bereits seit dem 01.12.2007 ist der Hochzeiger als eines von wenigen Tiroler Skigebieten geöffnet. Die Pisten oberhalb der Mittelstation sind gut befahrbar.
Schneehöhen: Berg: 50 cm, Mittelstation: 30 cm, Tal: 5 cm

Ahrntal - Klausberg: 16.-24.03.2007
(1052 m - 2510 m)
http://www.klausberg.it/de/index.php?main=3&sub=4&seite=live+webcams
Das Skigebiet, das mit einer Schneegarantie bis Ostern wirbt, ist geöffnet und - bis auf die Talabfahrt und einen Steilhang - sind die Pisten offen. Bei etwa -4 C° (tagsüber, sowohl Berg als Tal) war es heute teilweise bewölkt.
Schneehöhen: 1800 m: 50 cm, 1600 m: 20 cm, 1050 m: 0 cm

Trotz der allgemein schlechten Schneelage sind die TU-Skigebiete also fast alle bereits offen. Das Riesengebirge macht da die Ausnahme, aber auch dort hat Schneefall jetzt eingesetzt und immerhin ist es nur ein Mittelgebirge. Unser Versprechen, nur schneesichere Gebiete anzubieten, ist damit erfüllt!

27 November 2006

Google Dir einen!

Heute ist es so weit: Ein Rezipient aus Wuppertal hat eine Wortkombination gefunden, die - bei Google eingetippt - den TU-Schneesport-Blog als ersten Hit liefert. Die Zauberworte sind: "Großstadt, Tempo, Gewalt, Gedichte" - kurz: Wahrscheinlich alles Dinge, die man sich in Wuppertal wünscht, dort jedoch nicht findet! In diesem Blog offenbar auch nicht, denn das Sitemeter verzeichnet nur einen kurzen Aufenthalt des Users auf der Seite.
Ich bin erschüttert, welche Suchanfragen auf meinen Blog verweisen. Ach, und wonach die lieben Zeitgenoss/innen so suchen!
Da gibt es eine Gruppe, von der ich noch nicht so genau weiß, ob ich sie den Perversen oder den Romantikern zuordnen soll: Sie sucht nach "nackicht", "Turnschuhe geschreddert", "Erlebnisse einer Frau" oder "Lupf mein Schlumpf". Nahtlos an Letzteres knüpft die Japan-Fraktion an: "Big in Japan alphaville" fragt jemand aus Lima mit deutscher PC-Spracheinstellung bei Google an und ein Geistesverwandter aus Paris ergänzt die gleiche Suche um das Wort "... exemplar". Studierende der Politikwissenschaften gibt es auch. Sie geben ein: "Schwaben Prenzlberg", "Schneesport Gesellschaft", "Häftling Handschelle", "Kriminelle Jugendliche Boot-Camp" oder "Dare programm". Und landen im Blog. Ausgerechnet aus der sonst so properen Schweiz fragt jemand verängstigt seine Suchmaschine nach "Kakerlaken überleben" und ein deutscher Zyniker sucht nach dem "aloha cabrio flieger video". Ebenfalls in den Bereich Verkehr und Technik fallen Anfragen nach: "Mondlandung", "Eselkarawane" und "road to hana". Dann gibt es die betont Sachlichen mit Hang zu Panikattacken: "Gute Notstromaggregate", "Feuer Alarm", "Notfallzentrale" (liefert bei Google-Blogsearch immerhin auch einen Nr. 1 Hit). Sammler hingegen suchen: "`support our troops´ aufkleber" oder "Berlin Aufkleber Snowboard". Etwas genierlich ist es mir, dass eine Blogsearch-Suche nach der "E-Learn 2006 Hawaii"-Konferenz meinen Blog als ersten Treffer aufführt. War denn gar kein anderer Teilnehmer mit ernsthafteren Absichten dort? Vielleicht hätte ich mir dann zumindest die pikanten Ausführungen über Frau G. gespart. Natürlich gibt es auch die einschlägigen Anfragen nach Schneesport, Reisen oder bestimmten Orten. Richtig neugierig machen mich jedoch zwei Anfragen von Hardcore-Heimwerkern aus den USA und Schleswig Holstein: Sie suchen Infos nach "exclusic wasserwand" und "Wohnzimmer Wasserwand selber bauen". Ich schließe jede Haftung aus und empfehle ausdrücklich: Vorher die Statik des Gebäudes prüfen!

23 November 2006

Eddie would go - oder: Wie kommt ein Surfboard auf den Mauna Kea?

Es ging ja ganz schön drunter und drüber mit dem Blog in der letzten Zeit: Surfen, San Francisco, Bundestag (ja, ich weiß, dass das Bild das alte Gebäude in Bonn zeigt). Wie kriege ich die Kurve zurück zum Schneesport?
Am besten über das Surfen!
Die Zeit der großen Wellen ist an der North Shore angebrochen. Der "OP Pro Hawaii" Contest ist mit einem Sieg des Hawaiianers Andy Irons bereits zu Ende gegangen, was auf den Inseln mit großem Jubel quittiert wurde. Da ich nicht dabei war und das Ganze mit Breitensport wenig zu tun hat, will ich jedoch nicht viel Aufhebens darum machen. Schaut Euch die Videos an, die es zum Beispiel hier gibt:

http://www.triplecrownofsurfing.com/op/op_videos.html

Wie hoch die Wellen an der Northshore sind? Im Winter sind sie im Schnitt um die 5 Meter hoch. Doch an etwa 20 Tagen während der Wintermonate November bis Februar sind sie etwa elf bis 15 Meter hoch - im Durchschnitt. Die größten Wellen erreichen an solchen Tagen, so sagen die Locals, 60 Fuß, das sind 18 Meter.

Eddie would go
Der wohl eigenwilligste Surfwettbewerb auf Hawaii benötigt genau diese Riesenwellen: Es ist der "Quicksilver - In Memory of Eddie Aikau"-Contest. Eddie Aikau war ein legendärer Surfer und Lifeguard, der die größten Wellen surfte. Es gab keinen einzigen Todesfall während seiner Dienstzeit als Lifeguard an der Northshore, so wird berichtet. Er selbst starb jedoch 1978 bei dem Versuch, Hilfe für seine in Seenot geratene Kanu-Crew zu holen, mit der er auf den (weitgehend verwischten?) Spuren polynesischer Einwanderer von Hawaii nach Tahiti (ca. 4000 km) paddeln wollte. Seine Kameraden hingegen wurden alle gerettet.
Der Wettbewerb zu seinen Ehren findet an keinem festen Datum statt, sondern dann, wenn die Wellen hoch genug sind: 20 Fuß (6 m) am Eingang der Bucht von Waimea sind das Minimum. Bevor sie dann schließlich brechen, erreichen sie vor dem Strand eine Höhe von 10-12 Metern. Es gibt Jahre, in denen diese Höhe nicht erreicht wird. Dann wird der Wettbewerb nicht ausgetragen. Wenn das Meer jedoch gnädig ist (zwischen 1986 und 2004 war das sechs Mal der Fall) und die Wellen mitspielen, dann bittet die Veranstaltungsleitung 24 eingeladene Surfer an den Strand. Dann ist so ein Tag, an dem die Surfer auf die See blicken und sich die Worte zuraunen: Eddie would go (im Zuge der Mechanisierung des Surfsports, in dem es üblich geworden ist, Surfer mittels Jetski in sehr große Wellen zu schleppen, wandeln Spötter das Motto mitunter ab in: Eddie would tow)!

Mit dem Surfboard vom Mauna Kea
Was das mit Schneesport zu tun hat? Außer, dass mein Kollege beim TU-Sport ebenfalls Eddie heißt, habe ich noch eine andere Antwort parat: So wie das Leben einst zunächst im Meer entstanden ist, so hat sich auch das Snowboarden aus dem Surfen entwickelt. Als ich auf Hawaii der oft beschriebenen Möglichkeit des Skifahrens auf dem über 4200 m hohen Mauna Kea nachging, stellte sich diese als modernes Märchen heraus. Zwar gibt es angeblich einen Veranstalter namens Ski Hawaii - und dennoch sind kommerzielle Ski-Aktivitäten auf dem Mauna Kea offiziell verboten.
Allerdings ist verbürgt, dass die Locals, die in der Regel keine Skifahrer oder Snowboarder sind, im Winter mitunter mit ihren Surfboards die Hänge am Mauna Kea hinunter surfen.

Vom Snurfer zum Snowboard
Es waren Surfer, die das Snowboarden erfanden. Die ersten Snowboards oder "Snurfer", wie sie damals hießen, waren abenteuerliche Konstruktionen. Die Entwicklung verlief in den sechziger Jahren nahezu parallel an verschiedenen Stellen in den USA, wobei Jake Burton und Tom Sims häufig als "Urväter" genannt werden. Die Idee war, das Surfen in den Schnee zu übertragen.
Erst Mitte der achziger Jahre trennen sich die Entwicklungslinien zwischen Surf- und Snowboards endgültig: 1984 kommen die ersten Snowboardschuhe auf den Markt. Seit 1985 werden serienmäßig Stahlkanten und der von den Skiern bekannte Belag verwendet.

Einen ausführlichen Artikel über die Geschichte des Snowboardens gibt es unter anderem bei Wikipedia.

09 November 2006

Bundestag

Mittlerweile sind die aussenpolitischen Auswirkungen unserer Hawaii-Reise unübersehbar: Tschordsch Dabbelju hat seine Mehrheit im Kongress verloren und Rumsfeld ist zurückgetreten.
Soeben hat Birgit an diesem historischen 9. November dazu eine vielbeachtete Grundsatzrede im Bundestag gehalten. Steffi, die nicht nur schön skifahren kann, hat ihr aus dem Hintergrund das eine oder andere gemeine Stichwort zugeflüstert. Schön, oder?

05 November 2006

Berlin!

Sicherheit, Sicherheit, Sicherheit. Ich bin wieder sicher in Berlin. Und hatte auf der Reise noch einmal die Möglichkeit, sämtliche Dienstleistungen, die im internationalen Flugververkehr in Bezug auf Sicherheit auf dem Markt sind, in Anspruch zu nehmen (mit Ausnahme einer Gepäcksprengung, wofür ich allerdings dankbar bin).
Am besten hat mir, ehrlich gesagt, die Abfertigung auf dem Flughafen in San Francisco gefallen. Während in London - und wohl auch in Deutschland - mit schnöden Hinweistafeln gearbeitet wird, die immer größer werden, haben die Amerikaner sich etwas Besonderes einfallen lassen. Dort wird extra ein Sicherheitsbeamter dafür abgestellt, im Stile eines Stand-up Comedians den Fluggästen zu demonstrieren, welche Alltagsgegenstände neuerdings nicht mehr im Handgepäck erlaubt sind. Der Mann ist ein großer Komiker, der gewitzt Wasserflaschen hinter seiner Krawatte verschwinden lässt oder mit Pillendosen jongliert.
Selbst seine Kollegen an den Scannern fühlen sich so gut unterhalten, dass sie Birgits Trombose-Spritzbesteck durchgehen lassen und sich an meiner Müslitüte aus Maui nicht stören (eines der bestkontrollierten Müslis weltweit. Es hat die Abfertigung auf Maui, Big Island, Oahu, San Francisco und London überstanden!).
In der Maschine gibt es dann nachts auch noch einen Sicherheitseklat. Ich bekomme mit, wie die Stewardessen böse mit einem Passagier streiten. Anschließend werden alle Toiletten des Jumbos mehrfach durchsucht. Es bleibt unklar, wonach - und offenbar wird auch nichts gefunden. In London dürfen wir erst nicht aus der Maschine. Polizei kommt an Bord. Ein Passagier wird nach hinten geführt. Der Captain sagt, wir sollen "alles Verdächtige" melden. Erst dann dürfen wir nach vorne aussteigen.
In London geht es dann gleich durch eine erneute Kontrolle. Wer etwas Flüssiges, Alkohol oder Kosmetik im Duty Free Shop erworben hat, schmeisst es hier weg. Der Boden im Abfertigungsgebäude ist übersäht mit Kosmetik, Flaschen, Feuerzeugen. Massenvernichtungswaffen!
Nun hast Du mich also sicher wieder, Du rauhe, graue Stadt Berlin. Mir fällt gleich auf: Hier herrscht doch ein ganz anderer Ton und ein anderes Tempo als im freundlichen Amerika. Heute morgen beim türkischen Bäcker: "Ick hätte jern´nen Käsebagett!"
"Käse haben wir nicht mehr."
"Und wat is ditt da hintn?"
"Das ist - äh, achso, Ziegenkäse."
"Ssiegenkäse is ooch Käse. Nehmick!"
Geht auch so.

03 November 2006

Doch "Frisco"?

Heute Nachmittag steigen wir in den Jumbo nach London – Rückflug. San Francisco verabschiedet sich regnerisch, eine schöne Stadt, für die wir leider zu wenig Zeit haben. Gestern waren wir in Castro, ohne Zweifel das Schwulenzentrum der Stadt. Über die Schwulen gibt es wieder einmal ein modernes Märchen zu erzählen, das ich von einer Erzählerin aus dem Schwabenland kenne (es ist an der Zeit, in diesem Blog endlich auch einmal schwäbische Spezialitäten zu verbreiten. Schließlich belehrt mich ein Blick auf den Sitemeter am Ende der Seite, dass der Anteil der Schwaben unter den geschätzten Rezipientinnen und Rezipienten überdurchschnittlich hoch ist. Zwar werden sie in der Nationenwertung noch unter „Germany“ geführt, doch gäbe es eine genauere Zählung, würden die Schwaben deutlich vor der DDR liegen). Das Märchen verbindet unsere vorgestrige Tour mit dem Cable Car auf originelle Art mit dem gestrigen Besuch in Castro und geht folgendermaßen: Eine Bürgerin dieser großartigen Stadt fiel einmal aus dem Cable Car und stürzte auf den Hintern. Als Folge des Sturzes wurde sie Nymphomanin. Da dies in der Stadt der Schwulen ein ziemlich trauriges Dasein ist, verklagte sie die Stadt...
Abends gehen wir ins SF MOMA. Donnerstags ab 18 Uhr ist dort „Happy Hour“, wir kommen zum halben Preis in den Kulturtempel. Es lohnt sich. In der Designabteilung sind sogar einige Schischuhe ausgestellt – leider nur japanische (dafür gibt es ein Motorrad, an dem ich Teile mit der Aufschrift „Made in Austria“ entdecke).
Abends mache ich noch einen Spaziergang von unserem Hotel in der 4th Street bis hinunter zum Hafen. Es ist noch vor Mitternacht, doch diese riesige Stadt ist wie ausgestorben. Ich wandere durch Hochhausschluchten, gegen die der Potsdamer Platz nun wirklich ein Pup ist. Doch auf den Straßen hier ist es um ein Vielfaches öder als mitternachts am Potsdamer Platz. Einige Arbeitstrupps verrichten die Dinge, die tagsüber nicht getan werden können: Binnen weniger Stunden wird die Halloween-Deko in den Geschäften gegen knallbunten Weihnachtsschmuck ausgetauscht; Straßen werden gesäubert, notwendige Reparaturen durchgeführt. Ansonsten sind nur noch die zahlreichen Obdachlosen zu sehen, die sich für die Nacht in den Hauseingängen eingerichtet haben. Einige schnarchen, andere dirigieren zum Einschlafen noch eine Oper, wieder andere brabbeln etwas vor sich hin, was ein wohlmeinender Beobachter mit einiger Phantasie als Gedichte der Großstadt durchgehen lassen könnte. Die anderen Gestalten, die mir begegnen, scheinen keine guten Pläne mehr für den Tag zu haben – und, wenn alles gut geht, auch keine Schlechten.
Das freundliche, sympathische Mittelschichtamerika ist nicht mehr zu sehen. Die Leute hängen wohl zuhause vor ihren Fernsehern und sehen sich Berichte an über die zunehmende Gewalt in ihren Städten. Vorgestern, an Halloween, hat es in Castro eine Schießerei gegeben, bei der zehn Menschen verletzt worden sind, zwei davon schwer. Ein Anlass ist nicht zu rekonstruieren, außer dem, dass ein Konzert zu Ende ging. Die Politiker ziehen die Sache in ihren Wahlkampf rein. Die Polizei spricht von „Bandenauseinandersetzungen“. Die Verletzten seien aber vermutlich alle Unbeteiligte, verhaftet wurde in Zusammenhang mit den Schüssen niemand. Zahlreiche Festnahmen gab es dagegen wegen Alkoholkonsums in der Öffentlichkeit, darunter, so merkt der Polizeibericht an, „ironischerweise ein Mann, der als Häftling verkleidet war.“
Bei unserem Besuch in Castro gestern wurden wir auch Zeugen einer Festnahme: Etwa zehn Polizisten hatten einen etwa 16-jährigen Schwarzen dingfest gemacht. Der Junge stand an einen Zaun gelehnt, die Hände über dem Kopf, angstvoller Blick. Die Polizisten standen auf dem Gehweg herum, ohne dass sich eine ganze Zeit lang irgendetwas tat. Sie legten dem Jungen keine Handschellen, an, redeten nicht mit ihm, brachten ihn nicht in ein Auto. Sie warteten einfach nur. Mindestens vier der Polizisten telefonierten.
Meine nächtliche Wanderung führt mich durch den Finanzdistrikt hinunter zum Hafen, wo tagsüber zahlreiche Nahverkehrsfähren anlegen. Es ist ein schicker, ein stolzer Hafen, hübsch herausgeputzt mit Palmenalleen. Der einzige Ort, wo etwas los ist, ist die Disco „Sinbad“. Ansonsten ist die Gegend öde und verlassen. Selbst die Leuchtschrift an den frisch renovierten Fassaden hat teilweise schon aufgegeben: __rt of _an _rancisco ist dort zu lesen. Immerhin erfüllt Kalifornien als wichtiger US-Bundesstaat die Verpflichtungen des Kyoto-Protokolls. Insofern nehme ich die Sparbeleuchtung als Zeichen für das hier sehr hoch entwickelte Umweltbewusstsein. Ansonsten hätte ich eine Idee, wie noch mehr Energie gespart werden könnte: Man beleuchtet nachts einfach nur die Buchstaben Fr___isco!

02 November 2006

Golden Gate Bridge orange

Es ist ungewohnt kalt in San Francisco. Um die 15° C - und es regnet heute. Wir bemühen uns, das Phänomen als feuchte Sonnenstrahlen zu sehen - wie die Hawaiianer. Doch es nützt alles nichts, irgendwann werden wir nass.
Gestern sind wir einer anderen Lebenslüge auf die Spur gekommen: Die Golden Gate Bridge ist gar nicht golden sondern orange. Schön ist sie trotzdem. Und die Cable Car-Fahrer sind die absoluten Coolen hier. Sie schieben einen Larry und steuern mit ganzer Körperkraft die alten Karren. Darin erinnern sie uns an die Yak-Treiber in Nepal, die ähnlich ungeniert während ihrer Berufsausübung gerülpst haben. Ein tolles Erlebnis!
Auf unserem Plan steht heute ein Bummel durch Castro, etwas shoppen und ein Besuch im San Francisco Museum of Modern Art (Kulturpflichtprogramm). Dass wir langsam auf dem Heimweg sind, merken wir an der geschrumpften Zeitverschiebung zur Heimat (nur noch 9 Stunden) und an der Kälte. Ausserdem haben wir gestern bei "Old Navy" Snowboarder-T-Shirts gesehen. Also eins gekauft und mental von Surfen auf Schneesport umgestiegen. Irgendwie sind Regentropfen doch wie flüssige Schneeflocken, oder?

01 November 2006

Halloween in San Francisco

Schluss mit Strandleben und Abhängen. In San Francisco herrscht wieder das gewohnte Tempo der Großstadt. Wer hier mit Surfboard unter dem Arm und nacktem Oberkörper durch die Straßen läuft - na ja, das kommt nicht so gut.
Obwohl: Heute würde das glatt noch durchgehen. Gestern war Halloween und hier waren fast Alle verkleidet. Lustige Kostümchen, vor allem Hasen waren zu sehen. Aber auch Monster (natürlich), Matrosen, ein Fass (ziemlich voll - soll man sagen noch oder schon?), Piraten, Serviererinnen, Krankenschwestern und Häftlinge im Guantanamo-Look.
Es war eine riesige, etwas schräge Party, denn wir kamen zu spät dazu. Durch die zwei Stunden Zeitverschiebung fühlten wir uns noch frühabendlich, als hier schon die ersten Alkoholopfer nach Hause - oder zu einem späten Imbiss - turnten.
Wir sind dabei, die Regeln der Stadt kennen zu lernen. Angenehm: Am Union Square, ganz in der Nähe unseres Hotels gibt es ein öffentliches drahtloses Netz. Ausserdem spielt hier gerade eine Band und es ist mächtig Party.
Und noch etwas haben wir gelernt: Sage niemals "Frisco", wenn Du San Francisco meinst! Das kommt gar nicht gut. Es gibt eine Handvoll Nester namens Frisco in den USA, mit denen die Bewohnerinnen und Bewohner dieser großartigen Stadt nicht gern in Verbindung gebracht werden wollen. Das ist vollkommen verständlich und es fällt uns nicht schwer, diese Regel zu beherzigen. Schließlich sind wir im Urlaub und haben so viel Zeit übrig für den vollständigen Namen: San Francisco!
Außerdem sind wir selbst leidgeprüft: "Frisco" - das ist in etwa so, als wenn man "Prenzlberg" sagt anstatt Prenzlauer Berg, wie der Bezirk nun einmal heißt. Nur arrogante Wessi-Schnösel auf der Suche nach einer Rendite-versprechenden Eigentumswohnung oder ignorante Westberliner sagen: "Prenzlberg" - schrecklich.
Wir haben ein Tagesticket für die Cables Cars in der Tasche. Nun geht es los.

Tschüss Hawaii, Aloha und Mahalo

Unser Clipper ist gestartet. Abschied von Hawaii und ein letzter Blick auf Waikiki - und in die Zeitung: Es wird ausführlich über den Surf-Contest berichtet, der gestern bei optimalen Bedingungen begonnen hat. Außerdem wurde auf einer der nächstgelegenen Inseln (mehr als 1000 km nordöstlich) eine neue Fischart entdeckt. Von den Midland-Inseln (etwa 1000 km, entfernt) wird im Regionalteil berichtet, dass sich der Bestand einer vom Aussterben bedrohten Entenart nahezu verdoppelt hat, nachdem einige Tiere dort ausgewildert worden waren. Und der Berufungsprozess gegen die Pitcairn-Vergewaltiger ist mit einer Bestätigung der Urteile zu Ende gegangen. Die Sache ging auch bei uns durch die Presse: Pitcairn, eine zu Großbritannien gehörende Insel im Pazifik, auf der die Nachfahren der Bounty-Meuterer leben, galt als Südsee-Paradies. Bis vor ein paar Jahren herauskam, dass dort über einen Zeitraum von 40 Jahren Frauen und Mädchen von den Inseloberen, darunter der Bürgermeister, gewohnheitsmässig vergewaltigt wurden - und dies als eine Art "Tradition" galt.
Die Vergewaltiger wurden von einem britischen Gericht verurteilt. Dagegen hatten sie Berufung eingelegt, weil sie die Gültigkeit britischen Rechts auf Pitcairn anzweifelten.

31 Oktober 2006

Schnorcheln, Strand, Wellen

Morgen geht es weiter nach San Francisco. Deshalb sind wir heute noch mal am Strand: Schnorcheln in der Hanauma Bay und den Bodysurfern am Sandy Beach zuschauen - wo heute vor hohen Wellen gewarnt wurde.
Hanauma Bay

Manch eine/r kommt an den Strand, um viel nackte Haut zu sehen

Strand-Rolli: bleibt nicht im Sand stecken und ist schwimmfähig. Hier können alle ihren Spaß haben. Hi, Felix: Wie wäre es, wenn die KBF ihre nächste Freizeit hier verbringen würde?

30 Oktober 2006

Wieder Oahu

Anflug auf Honolulu International
Nun ist es ja nicht so, dass uns nach fast drei Wochen Hawaii die Themen für neue Posts ausgehen würden. Im Gegenteil: viele Geschichten bleiben unerzählt, zum Beispiel die über die lustigen Schilder, die wir hier jeden Tag sehen: "No jumping from bridge" hat heute Premiere. Es ist an einigen Straßenbrücken an der Northshore angebracht. Wir fragen uns: Ist das Herunterspringen an den anderen Brücken erlaubt? Und stehen dort dann unten am Fluss Schilder mit der Aufschrift: "Caution! Wet Floor"? Seit Tagen schon machen uns andere Schilder zu schaffen: "adopt highway litter control next two miles". Manchmal ist eine Strafandrohung damit verbunden: 100 Dollar, 500 Dollar, es variiert. Laut Wörterbuch heißt to litter: Müll abladen. Klar, dass das an der Landstraße verboten ist. Aber warum kostet ein Verstoß manchmal 100, manchmal 500 Dollar? Und warum ist es nur an bestimmten Streckenabschnitten verboten? Geradezu eine Einladung zum Müll abladen ist doch dann das ebenfalls gesichtete Verkehrsschild, das die "Litter control" aufhebt? Und wie sieht überhaupt eine "Litter control" aus?
In einem der letzten Posts hatte ich einmal den Versuch gemacht, journalistische Qualitätskriterien auf den Blog anzuwenden. Dazu gehörte meiner Erinnerung nach, dass Geschichten zu Ende erzählt werden - egal ob sie noch jemanden interessieren. Deshalb dieser Nachtrag: Das Erdbeben wird hier in der Tagespresse immer noch auf den Titelseiten thematisiert. Die Schäden werden mittlerweile auf über 200 Millionen Dollar geschätzt (eine Vervielfachung in den letzten Tagen).

Leider hatte Blogger in den letzten zwei Tagen technische Probleme, so dass wir unsere Posts, die wir natürlich weiterhin brav geschrieben haben, nicht veröffentlichen konnten. Dies wurde nun nachgeholt - wenn auch teilweise ohne Bilder.

Heute sind wir wieder auf Oahu. Aloha Airlines hat uns hergebracht. Auf dem knapp einstündigen Flug konnten wir noch einmal Maui (Bild), Lanai und Molokai von oben sehen. Wunderbare Bilder - nur leider habe ich vergessen, sie auf meinen USB-Stick zu kopieren. Jetzt sitze ich hier im Hostel in der Lemon Road und kann sie nicht in den Post einbauen (Problem ist mittlerweile behoben - unser neues Hotel hat einen guten Internetanschluss! Kann ich nur empfehlen: Continental Surf Hotel in Waikiki, kakerlakenfrei und guter Service, später mehr dazu).

Alamo Cars nerven heute etwas. Nicht nur, dass sie uns auf Big Island einen kakerlakenverseuchten Dodge angedreht haben. Nein, sie haben auch noch den falschen Abschnitt aus dem Voucher-Heft gerissen, so dass wir heute in Honolulu fast eine Dreiviertelstunde auf unser Auto warten müssen. Der genervte Angestellte am Tresen will uns darüber hinaus noch eine teure Versicherung aufschwatzen und droht naheu unverhohlen damit, dass wir ansonsten im Falle eines Unfalls hier vor Gericht gestellt würden und das Land nicht verlassen dürften (ehrlich gesagt: die Drohung zieht nicht, so schlecht ist es hier gar nicht).
Trotzdem checken wir zunächst unfallfrei im Hotel ein (diesmal weder ins Sheraton noch ins Hostel). Ganz in der Nähe des Hostels und für unwesentlich mehr Geld haben wir das Continental Surf Hotel gefunden, wo wir die letzten beiden Nächte auf Hawaii im 16. Stock mit Blick auf Diamond Head und Waikiki verbringen werden.
Außerdem ist der Name "Continental Surf" Programm für die letzten Tage hier. Nachdem wir unser Zimmer haben, fahren wir an die Northshore, Mekka aller Surfer. Dieser Küstenabschnitt gibt sich bescheidener als erwartet. Zwar sind die Wellen beeindruckend. Die Gegend allerdings wirkt angenehm unaufgeregt. Die Häuser sind eher normal, Hotelburgen finden wir nicht. Ausgediente Lastwagen sind zu Imbissbuden umgebaut, nette Holzhütten beherbergen Surfshops. In der Uckermark sieht es nicht viel anders aus. Nur, daß dort nicht nach jeder Straßenbiegung ein noch sensationellerer Strand aufwartet. Kahlgeschorene junge Männer gibt es an der Northshore auch. Allerdings sind die hier nur mit Badehose bekleidet und haben Surfbretter unter dem Arm, was im Grunde vertrauensbildend wirkt.
Dennoch machen auch sie verrückte Sachen mit ihrem Gerät. Ein grosser Unterschied zur Uckermark ist allerdings: Das Essen ist hier leckerer (und man bekommt überhaupt welches)! Wir essen heute an einem Imbiss (Thunfischspiesse mit Salat und einen sehr leckeren vegetarischen Burger). Unten spielen die Jungs in den Wellen und die Stimmung ist einfach gut.
Kaum etwas davon zu merken, daß dies das Paradies aller Surfer und Austragungsort der wichtigsten Wettbewerbe ist. Die Preise sind gemäßigt und von grossem Hype ist kaum etwas zu spüren. Nur der Flyer eines Surflehrers, der seiner Kundschaft einreden will, dass dies der ideale Platz fuer Anfänger ist, wirkt etwas zu geschäftsmäßig bemüht. Die Wellen sind heute besonders hoch, im Wetterbericht wird gewarnt - bis 20 Fuß, etwa 7 Meter schwappt das Wasser hoch. Leider ist meine primitive Digitalkamera das falsche Gerät für schöne Aufnahmen. Dennoch seien zwei Bilder hier veröffentlicht.
Northshore von Oahu

Offline am Kilauea

Lava fließt ins Meer
Gestern gab es keinen Blog. Dafür heute morgen einen Eisblock - im Kühlschrank. Die Milch war gefroren. Wo immer in Amerika Energie verschleudert werden kann, nutzt man die Gelegenheit. Dazu passen auch die Monstercars, die hier ganz normal am Straßenverkehr teilnehmen. Deshalb geht der Titel "Bestes vor uns fahrendes Auto" heute an ein solches Exemplar: (siehe unten).
Heute ist das Problem mit dem Blogger insoweit gelöst, dass zumindest Text veröffentlicht werden kann. Hier also der neue Post - mit ausführlichen Beschreibungen statt Bildern.
Für den heutigen Tag haben wir uns wiederum einen Vulkan als Ziel ausgesucht. Diesmal einen aktiven: Den Kilauea.
Eine bildhafte Beschreibung braucht es dafür nicht. Denn im Grunde sieht die Gegend aus wie bei uns der Braunkohletagebau in der Lausitz - kombiniert mit dem früheren Geruch in Bitterfeld. Nur die großen Bagger fehlen. So weit ist man in den USA noch nicht.
Der Vulkan ist ein riesiges schwarzes Loch in der Landschaft, das stinkt. Überall sind die Lavaausflüsse der letzten Jahrzehnte zu sehen. Riesige Flächen wurden von der Lava bedeckt.
Wir fahren mit unserem Kakerlaken-Impala die Chain of Craters Road hinunter bis nahezu auf Meereshöhe - wo die ehemalige Küstenstraße abrupt unter einem Lavaberg verschwindet (keine Angst, die in den USA üblichen Warnschilder verhindern, dass man dagegenbrettert). Ein paar Verkehrsschilder ragen noch aus der Lava, doch hier kann nach einem Ausbruch 1994 definitiv kein Auto mehr fahren. Es gibt auch den Ort Kalapana nicht mehr, zu dem die Straße einst führte. Insofern wurden - wie man so sagt - zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen.
Was mich wiederum auf die Kakerlaken bringt: Den Tierchen hat weder die extreme Höhe gestern etwas anhaben können (ein modernes Märchen besagt, dass man das Ungeziefer mit Unterdruck zum Platzen bringen kann), noch haben sie sich von den giftigen Vulkandämpfen beeindruckt gezeigt. Wenigstens wurde insofern ein Burgfrieden getroffen, als dass sie sich von unseren Sitzen verkrümeln, sobald wir die Türen öffnen.
Unsere Wandertour des Tages führt uns über unendliche Lavaflächen nahe an die Stellen, wo flüssiges Magma sich mit einem Riesenalarm ins Meer ergießt. Die dabei entstehenden großen Dampfwolken erinnern mich wiederum an Ellison Onizuka, den aus dem gestrigen Post bekannten unglücklichen Hawaiianischen Helden aus der Raumfähre „Challenger“, die sich ebenfalls mit weißem Rauch – übrigens kein Privileg der Päpste – aus dieser Welt verabschiedete. Das Lavameer erinnert mich hingegen an den Khumbu-Gletscher in Nepal. Der Weg ähnelt dem, der zum Everest-Basecamp führt. Es sind erstaunlich ähnliche Formen: Erkaltete Materialflüsse, Berge, die sich auftürmen, Tunnel und Täler. Es gibt Löcher und Einbrüche und die Lava liegt in mehreren Schichten übereinander. Die Natur ist hier wie ein therapiebedürftiger Patient: Immer wieder verfaellt sie in aehnliche Muster und macht an verschiedenen Stellen des Planeten einen ganz ähnlichen Quatsch.
Genug der blumigen Beschreibungen. Hoffen wir alle zusammen, dass morgen auch die Bilder wieder veröffentlicht werden können.

Übrigens verlassen wir morgen diese wunderschöne Insel und fliegen zurück nach Oahu. Ob wir dort einen Internetanschluss finden, ist noch nicht klar. Vermutlich aber werden wir wieder im wunderbaren „Euro Market Café“ in der Kuhio Street in Waikiki landen. Mal sehen.

27 Oktober 2006

Mauna Kea leer

Mit über 4200 m ist der Mauna Kea der höchste Berg im pazifischen Raum. Und da er auf uns eine gewisse Faszination ausübt, vermuten wir, dass es anderen Leuten auch so geht. Immerhin galt er den alten Hawaiianern als heilig. Gestern haben wir noch versteckte Buchten an der verschlafenen Küste aufgespürt. Heute wollen wir ins Gebirge. Sichere Informationen darüber, wie weit man mit einem gewöhnlichen Auto den Berg hinauf kommt, waren hier nicht zu bekommen. Eine seit etwa 20 Jahren hier lebende Deutsche, die wir im "Bears´ Café" (Bild unten) getroffen haben, wo wir mit Vorliebe frühstücken, beteuerte, sie sei noch nie oben gewesen. Seltsam.
Also machen wir uns einfach auf den Weg. Die in den von den Mietwagenfirmen verteilten Landkarten teilweise als "gesperrt" eingezeichnete Straße über den Sattel zwischen den nahezu gleich hohen Riesen Mauna Kea und Mauna Loa erweist sich als gut ausgebaut - aber nahezu leer.
Kaum ein Auto unterwegs auf der Saddle Road. Beide Berge sind wolkenverhangen.
Der Abzweig zum Mauna Kea "Summit Access" ist kaum ausgeschildert. Aber auch diese Straße ist geteert und in sehr gutem Zustand. Klar: sie ist steil - aber machbar für unseren kakerlakenversuechten Alamo-Mietwagen. Sie führt zu einem Besucherzentrum auf 2700 m Höhe, das nach dem ersten japanisch-stämmigen US-Astronauten Ellison Onizuka benannt ist. Er stammte aus Hawaii und startete im Januar 1986 mit der "Challenger". Der Trip endete tragisch - aber immerhin kam Onizuka höher hinauf als es uns an diesem Tage beschieden sein sollte...
Am Zentrum begrüßt uns ein freundlicher Ranger mit Handschlag: "Hi, I´m Pablo". Wo wir herkommen? Germany - great. Was uns hierherführt. Wandern? Okay. Wir könnten auf eigenes Risiko sogar mit dem Auto zum Gipfel fahren. Empfehlen würde das Pablo aber nur für Autos mit Vierradantrieb. Alles ist gar kein Problem mehr. Wir wollen aber gar kein motorisiertes Abenteuer. Wir hatten uns schon darauf eingestellt, nur einen kurzen Trail in der Nähe des Besucherzentrums machen zu können. Jetzt steht sogar der Gipfel offen - nur eine Registrierung beim Besucherzentrum ist nötig. Leider sind wir etwas spät dran, um die 1500 Höhenmeter heute noch zu Fuß zu bewältigen. Spätestens mit der Dunkelheit müssen wir vom Berg sein. Er gehört der Wissenschaft und Autoscheinwerfer stören die Teleskope der Sternengucker, so ist im Reiseführer zu lesen. Also beschließen wir, soweit hoch zu steigen, wie es geht.
Es ist ein technisch leichter Weg ohne allzu große Steigungen. Bald sind wir aus der Wolkenzone heraus. Es ist eine trostlose Mondlandschaft hier oben - und genau so menschenleer. Uns begegnet auf dem ganzen Weg kein einziger Wanderer.
Wir schaffen es bis auf etwa 3600 m, dann drehen wir um. Von hier haben wir immerhin einen schönen Blick auf den Gipfel.
Als wir zum Besucherzentrum zurückkehren, herrscht dort plötzlich Hochbetrieb. Der Parkplatz ist voll gestellt mit hochgezüchteten Kleinbussen diverser lokaler Veranstalter, vollgestopft mit Expeditionsmaterial und... mit Japanern! Sie sind im Begriff, auf den Gipfel zu fahren und machen hier eine halbstündige Akklimatisierungspause, in der ein Snack gereicht wird. Auf dem weiteren Sorglos-Programm der Pauschalanbieter steht Sternengucken, Dinner, Übernachtung, Sonnenaufgang. Das ist die Art von Tourismus, die hier vermarktet wird.
Pablo begrüßt uns sehr freundlich. Er lädt uns sogar ein, noch so lange im Zentrum zu warten, bis es dunkel wird. Der Sternenhimmel, der uns erwartet, sei fantastisch. Plötzlich ist gar keine Rede mehr von Beschränkungen des Autoverkehrs nach Einbruch der Dunkelheit. Ein zweiter Ranger tritt dazu. Er versteht sogar schwyzerdütsch, was wir aber gar nicht sprechen. Die Kommunikation klappt trotzdem. Ich frage ihn nach der Herkunft des Lärms, den wir oben am Berg gehört haben. Es waren Explosionsgeräusche, die mich einerseits an den armen Astronauten Onizuka gemahnten, andererseits auch vom Vulkan Kelauea hätten herrühren können. Nein, lacht der Ranger. Das sei die US-Armee auf ihrem Übungsgelände. Die würde das machen, was die amerikanische Armee immer machen würde: "irgendwas in die Luft jagen".
Wir sind trotz der netten Gesellschaft der Ranger sehr hungrig und fahren durch die Wolken über die Saddle Road wieder zurück nach Hilo.

26 Oktober 2006

Kakerlaken überleben Vulkanausbrüche

Zunächst die gute Nachricht: Dank des T-Online Hotspots im Starbucks gibt es wieder Bilder und ordentliche deutsche Umlaute im Blog. Deshalb hier der zweite Post des Tages.
Ich möchte jedoch auch die ekelhaften Seiten dieses Urlaubs nicht aussparen. Es stimmt ja: Vieles hier ist traumhaft schön und die Natur ist überwältigend. Überwältigt war ich jedoch auch, als ich vor einer halben Stunde in unser Hotelzimmer kam und mir die größte Kakerlake meines Lebens begegnete. Das Vieh war fast so groß wie meine Digitalkamera (zugegeben, die Dinger werden immer kleiner, aber trotzdem)! Auch im Auto haben wir eben, nach Einbruch der Dunkelheit, wieder Kakis gesehen. Offenbar fühlen sie sich auf der Vulkaninsel sehr wohl.
Und sie sind verdammt schwer tot zu kriegen. Ich habe zunächst mit einem Schuh nach ihr geschlagen. Sie wirft sich dann sofort auf den Rücken und legt sich noch ein paar Eier auf den Bauch. Deshalb, so eine moderne Sage, soll man Kakerlaken nie mit dem Schuh tottreten. Die Eier bleiben dann an der Sohle kleben und man trägt sie weiter (also, liebe Freunde: Achtung, wenn ich demnächst mal mit meinen roten Pumas bei Euch in der Wohnung auftauche).
Als nächsten Schritt habe ich dann Klopapier auf sie gelegt und dann erst mit dem Schuh immer feste druff. Hat ganz schön lenge gedauert, bis ich sie so handzahm hatte, dass ich sie samt Klopapier ins Klo befördern konnte. Mit Rücksicht auf die derzeitige Frühstückszeit in Deutschland stelle ich von diesem Tötungsakt keine Fotos ins Netz.
Kakerlaken sind hier übrigens erst eingeschleppt worden. Genau wie Geschlechtskrankheiten (davon sind wir bisher verschont geblieben) und Moskitos. Letztere sind eine echte Landplage. Sie sind etwa so groß wie unsere Mücken, sehen auch ähnlich aus, aber man merkt es nicht, wenn sie sich auf die Haut setzen.
Heute machen wir eine erste Erkundungsfahrt. Die Küste ist wunderschön wild und voller Wald, der zwischen den Lavaspots wächst, die sich an verschiedenen Stellen ins Meer ergossen haben. Aber kaum steigen wir aus: Moskitos! Also bleiben wir im Auto und fahren die wunderbar schmalen Straßen entlang.
Einige Ausbrüche sind erst wenige Jahre alt und dennoch erobern sich die Pflanzen sehr schnell ihren Lebensraum zurück. An einigen Stellen versuchen die Menschen, diesen Prozess zu beschleunigen. Sie werfen Kokosnüsse in die Lavawüste. Und schon nach kurzer Zeit spriessen dort kleine Kokospalmen.
Die Strände sind hier rar und wirken intimer als auf Oahu oder Maui. Kleine Straßen führen an die Küste. Surfer und Aussteiger sind hier zu finden. Meist gibt es eine Dusche und ein Dixi-Klo sowie einen Imbiss.

Hilo

Uncle Billys Hilo Bay Hotel heisst unsere neue Adresse. Hilo ist die regenreichste Stadt der USA. Hier werden die Menschen nicht von der Sonne braun sondern weil sie Rost ansetzen, meint unser ansonsten um Sachlichkeit bemuehter Reisefuehrer. Es ist ein sehr nettes Staedtchen, mit Universitaet und szenigen Laeden und Cafes.
Auf uns uebt natuerlich der Mauna Kea eine grosse Faszination aus: der 4200 m hohe Vulkan. Es fuehrt eine Strasse hinauf. Nur ist unklar, ob man mit einem Mietwagen hinauffahren darf. Im Tourismus-Buero hier ist eine sehr freundliche Angestellte ueberfordert mit der Frage. "Viele tun es, obwohl man es wahrscheinlich nicht darf" sagt sie. Auch eine Antwort. Wir werden es versuchen.
Leider klappt es immer noch nicht, Bilder ins Internet zu stellen. Schade. Dabei sieht es hier alles ueberwaeltigend aus!

25 Oktober 2006

Mondlandung

Heute sind wir einem Riesenskandal auf die Schliche gekommen. Wir starten auf der lieblich gruenen Insel Maui und landen auf dem Mond. Die Propellermaschine ueberfliegt noch einmal die schoenen Straende von Maui und haelt dann Kurs aufs Meer.
Uebrigens sind wir am letzten Tag noch darauf gekommen, warum die Insel Maui heisst: Es liegt an den vielen toten Katzen, die hier am Strassenrand liegen (eine rote, eine rot-weisse, eine schwarz-weisse, eine getigerte und noch eine schwarz-weisse).
Das Molokini-Atoll kommt bald in Sicht, ein Schnorchelparadies, das taeglich von mehreren Dutzend Motorbooten voller Touris angefahren wird. Dahinter liegt Kaho` olawe, eine Insel, die von oben so trocken und oede aussieht, als wolle sie sich - wie Ni` ihau - ebenfalls fuer ein sozialistisches Experiment anbieten.
Doch dann kommt es noch schlimmer: Die Maschine zirkelt hinunter und ploetzlich ist nur noch Lavawueste unter uns. Es sieht aus wie die Bilder von der Mondlandung - nur in Farbe. Also doch alles gefaelscht!
Wir landen in Kona und uebernehmen den Mietwagen, in dem wir zwei Kakerlaken entdecken.

Zeichen am Straßenrand
Die ersten Meilen fahren wir auf einer Straße, auf der vor wenigen Tagen der Iron-Man ausgetragen wurde. Am Straßenrand haben Unterstützer der Athletinnen und Athleten mit weißen Steinen Parolen und Zeichen inden schwarzen Untergrund geschrieben.
Richtung Norden wird die Insel gruener: Farmland. Fast etwas Irland-Stimmung kommt auf. Waeren da nicht immer wieder die Vulkankegel. Im Osten fahren wir spaeter sogar durch Regenwald. Big Island ist etwa fuenfmal so gross wie Maui und wieder ganz anders. Ueberall sind noch die Spuren des Erdbebens zu sehen. Die Strasse wird an vielen Stellen repariert. In der Zeitung steht heute, dass die Schadensschaetzung von fuenf Mio. Dollar nach oben korrigiert werden muss.
Das Hotel in Hilo ist okay. Allerdings klappt es mit dem Internetanschluss nicht so gut. Deshalb zunaechst nur wenige Bilder und ein sproeder Text.

24 Oktober 2006

Alles Lila, oder was?

Heute sehe ich den besten Sonnenuntergang meines Lebens. Eigentlich war es einer der besten, aber das ist unamerikanisch. Amerikanisch ist es, den Superlativ zu benutzen. Und dieses Ereignis ist in der Tat so aufwühlend, dass selbst die Einheimischen ihr gesundes Urteilsvermögen verlieren: Im ABC-Shop werde ich von der Verkäuferin bei dem Versuch, eine Flasche Wein käuflich zu erwerben, nach dem Ausweis gefragt. Mann: Ich bin über 30 ;-)!!!
Ansonsten hängen wir heute nur am Strand `rum. Letzter Tag auf Maui, da haben wir uns Ruhe verdient. Und Big Beach (amerikanischer wäre: Biggest Beach) ist wirklich ein fantastischer Strand. Den besten, den wir finden auf Maui. Und das will etwas heißen!
Die Wellen sind heute nicht so groß und ich werde übermütig. Es gibt nichts Schöneres als in dieser Brandung herumzutollen und sich von den Wellen an den Strand tragen zu lassen. Bodysurfen nennen die Hawaiianer hier diesen Sport für die Kleinen Leute. Plötzlich kommt dann doch eine etwas größere Welle. Ich komme in den nach unten führenden Strudel. Blöd. Alles dreht sich und dann werde ich mit dem Kopf auch noch auf den Grund geschleudert. Die Haare sind abends trotz Dusche immer noch voller Sand. So ein Mist. Muss ich diese Woche noch waschen.

Ni´ihau (oder: Nihau)
Was machen wir am Strand noch? Lesen. Zum Beispiel über Ni´ihau, die verbotene Insel. Verboten ist eigentlich Quatsch. Es handelt sich um ein beispielloses Experiment. In einem der letzten Posts hatte ich es bereits angedeutet: Eine der Hawaiianischen Inseln ist in Privatbesitz einer Familie namens Robinson. Diese Familie wacht darüber, dass keine bösen Einflüsse von draussen das beschauliche Leben auf Ni´ihau stören. Deshalb wird die Insel mitunter auch als sozialistisches Experiment betrachtet (ja, Micha: ich bin nicht nur der dekadente Urlauber, der Deine E-Mails mit Links zu Junge-Welt-Artikeln belächelt. Nein, ich beschäftige mich auch ganz konkret mit Sozialismus!). Die 250 Einwohnerinnen und Einwohner von Ni´ihau genießen das Recht auf mietfreies Wohnen, Schulbildung bis zur Highschool (einschließlich) und medizinische Versorgung. Alkohol, asphaltierte Straßen und eine Elektrizitätsversorgung gibt es nicht auf der Insel. Aber wenn man mal ein Bier trinken oder shoppen gehen will, kann man das problemlos auf der Nachbarinsel erledigen. Nur darf man seine Kneipenbekanntschaft anschließend nicht mit nach Hause nehmen. Fremde sind unerwünscht auf der Insel. Ein Sozialismus, in den niemand rein darf! Mal was Neues.
Einen Haken hat die Sache allerdings. Ni´ihau lebt vorwiegend von der Landwirtschaft. Nach ein paar trockenen Jahren brachte die nicht mehr so viel ein (Leider liegt die Insel im Windschatten von Kauai, so dass sie wenig Regen abbekommt; das ist wiederum nicht neu für sozialistische Länder). Deshalb haben die Robinsons das unbewohnte Südende der Insel an die US-Armee verpachtet, die dort neue Waffen testet.

Bester-Vor-Uns-Parkender-Act-Des-Tages
Diese Titelverleihung "bester.... des Tages" war eine blöde Idee. Eigentlich wollte ich mangels anderer Einfälle damit ursprünglich nur einmal den Blog füllen. Sollte schnell gehen. Mittlerweile entwickelt sich die Sache zu einer anstrengenden Angelegenheit für alle Beteiligten (an dieser Stelle meine Entschuldigung an die Leser/innen für die inconvienences). Also: eigentlich sollte den Titel "Bestes-Vor-Uns-Fahrendes-Auto" heute eine Familienkutsche kriegen, auf der der Aufkleber prangte: "Proud Parents of a D.A.R.E graduate". Wir wußten zwar nicht, was D.A.R.E. ist, fanden den Aufkleber aber extravagant. Leider war die Kamera nicht zur Hand, weshalb dieses Auto leider aus technischen Gründen aus dem Contest ausscheidet. Immerhin haben wir herausgefunden, dass das D.A.R.E.-Programm so etwas wie eine Klipp-Schule für drogenabhängige, kriminelle Jugendliche ist - im Prinzip ein Boot-Camp für Problemfälle. Proud to be Parents von sowem?
Falls selbst mal Bedarf besteht, hier der Link zu dem Projekt: http://www.mapinc.org/drugnews/v05.n1197.a07.html

Hier stellt sich uns die Frage: Ist der Aufkleber ironisch gemeint? Uns fällt auf, dass es hier wenig ironische Aufkleber gibt (auch wenn wir die meisten ironisch finden, sind sie zumindest nicht so gemeint). Der heisseste Ironie-Kandidat war bisher: "Thank god for Hana" (Das Nest, das wir vorgestern besucht haben). Wobei: So sicher sind wir uns da auch nicht. Birgit erkennt auch darin ein ernstes Anliegen und meint, dass Hana eine Abkürzung sein könnte für Marih(u)...
Ich weiß, dass der Blog auch hier in den USA gelesen wird. Deshalb meine besorgte Frage: Ist Ironie ein unamerikanischer Umtrieb? Wir wollen uns in diesem wunderbaren Land nicht schuldig machen und bitten deshalb um Kommentare!
Damit dieser Wettbewerb in jedem Fall unverdächtig bleibt, wird heute ein garantiert unironischer Aufkleber eines vor uns parkenden Autos prämiert: "War is Terrorism" (Der Aufkleber auf der Stoßstange ist zwar kaum zu lesen, aber: Glaubt es mir!!!).
In eigener Sache:
Die Klamotten sind gepackt. Morgen verlassen wir DG-09 mit seinem wunderbaren Wireless-Hotspot (wem immer der gehört).
Morgen abend sind wir - wenn alles gut geht - auf Big Island. Möglicherweise gibt es dort nicht so günstige Möglichkeiten, online zu gehen. Vielleicht verstummt der Blog für einige Zeit. Mal sehen.

23 Oktober 2006

Kraterstimmung

Heute haben wir - um es in der Versicherungssprache auszudrücken - eine große Schadenstelle besucht. Der Vulkan Haleakala ist mit 3055 m die höchste Erhebung Mauis. In knapp zwei Stunden sind wir mit dem Auto auf dem Gipfel (das geht auch schneller, wenn man ein anderes Auto hat oder näher am Vulkan wohnt). Allerdings haben wir uns nicht dem Hype um den Sonnenaufgang auf dem Vulkan angeschlossen. Es gilt hier allgemein als religiöses Erlebnis, einen Sonnenaufgang auf dem Haleakala zu erleben. Wir haben so einen Sonnenaufgang letztes Jahr auf dem Teide erlebt, der mit 3805 m deutlich höher ist. Das heißt: mitten in der Nacht aufstehen und in Eiseskälte loslaufen. Unsere Erfahrung war, dass das komische Gefühl wenig mit Religion zu tun hat sondern einerseits vom Höhenkoller rührt, andererseits auf das fehlende Frühstück zurückzuführen ist. Also brechen wir gemütlich gegen 9:00 Uhr auf.
Da kommen uns die ersten Verrückten schon auf Mountainbikes entgegen.
Die Einheimischen leben hier teilweise davon, dass sie Touris jenseits der Midlife Crisis dick mit Helm, Handschuhen und Knieschützern verpacken, sie auf den Gipfel des Haleakala karren und sie von dort auf stabil ausgelegten Mountainbikes herunter rollern lassen. Die Leute fühlen sich anschließend jung, sexy und gemocht. Dabei sehen sie einfach nur lustig aus (eigentlich ist das doch eine gute Strategie? Es ist viel einfacher, lustig auszusehen als sexy zu sein. Und die meisten Menschen mögen die Lustigen genau so wie die Hübschen).
Die Fahrt führt duch alle möglichen Vegetationszonen, durch Wolken und dünner werdende Luft. Oben gibt es viele Touris und einen tollen Ausblick. Moskitos gibt es hier nicht - nur ein Marienkäfer fliegt uns zu. Eigentlich ist es eine Schande, auf so einen Berg eine Straße zu bauen. Doch für die Versorgung der astronomischen und militärischen Beobachtungsstation ist sie unerlässlich. Wir sehen von hier die umliegenden Inseln und blicken auf Wolken hinunter.
Einen Wanderweg gibt es auch - und der führt uns weg von den Tourimassen.
Das Ausmaß der früheren Eruptionen war gigantisch. In allen möglichen Rot- und Brauntönen schimmern die zahlreichen Krater. Man kann über den Sliding Sands Trail bis zur Küste hinunter wandern. Allerdings braucht die Wanderung mindestens zwei Tage. Der Weg ist technisch einfach, wenn auch teilweise anstrengend. Durch die zahlreichen kommerziellen Pferdekarawanen hat der Weg sehr gelitten. Man versinkt mit den Schuhen im losen Vulkanschotter und überall ist Erosion zu sehen. Die Übernachtung in einer Hütte oder im Zelt muss drei Monate vorher angemeldet werden (oder man nimmt an einer organisierten Tour teil).
Da unser Auto oben steht und wir für eine Übernachtung nicht ausgerüstet sind, bleibt nur, ein Stück den Trail hinunter und anschließend wieder hinauf zu wandern. Ein lohnendes Ziel haben wir dabei trotzdem: Der hawaiianischen Göttin der Vulkane, Pele, sind zwei Orte im Nationalpark, etwa 500 Höhenmeter unter dem Gipfel, gewidmet: Pu´u o Pele und Ka Moa o Pele. Die Göttin soll immer noch Leuten erscheinen, obwohl der Vulkan längst erloschen ist.
Wir bekommen Pele nicht zu Gesicht. Dafür begegnen wir aber einem jungen Paar, das nicht grüßt, uns aber unbedingt überholen will. Die beiden sind grundunsympathisch und heisse Kandidaten für die heutigen Titel: Zwischenmenschliche-Begegnung-des Tages und Bester-vor uns-laufender-Act-des Tages.
Es ist ihnen anzusehen, dass sie schneller laufen als sie können. Wir trödeln zunächst daher und lassen uns überholen. Die beiden müssen aber immer wieder Pausen einlegen und das Mädel schaut sich jedes Mal um, wo wir bleiben. Das provoziert uns und wir legen einen Schritt zu. Sie lassen sich erkennbar auf den Wettlauf ein, müssen aber immer wieder Pausen einlegen. Ihre körperliche Verfassung verschlechtert sich zusehends. Bald stehen sie gebeugt, in Kotzstellung am Hang. Dabei entsteht dieses Foto! Am Ende kriegen wir sie doch. Aloha.
Auf der Rückfahrt machen wir noch eine Entdeckung, die uns schockiert: Das Kraftwerk der Insel. Es liegt in einem Areal, das auch irgendwo in Rumänien sein könnte: Indrustriebrache, gerade dem 19. Jahrhundert entronnen, dreckig, ostig. Drei Schornsteine machen einen schrecklichen Dreck. Eine Umspannstation hält wacker durch. Unter diesem Eindruck erscheint der lange Stromausfall nach dem Beben plötzlich in einem anderen Licht. Naja, die letzten zwei Tage, die wir auf Maui sind, wird die Anlage schon noch halten!