Hamburgs Bewerbung wurde frenetisch gefeiert. Vor den Wahlen machte sich eine solche Ankündigung, deren Verwirklichung bekanntermaßen mit Kosten verbunden ist, natürlich gut. Kurz vor den Wahlen wurde indes bekannt, dass der veranstaltende Weltverband, die FISU, erhebliche finanzielle Forderungen an die Bewerberstädte stellt.
Bereits im Koalitionsvertrag spielte die Universiade denn auch keine Rolle mehr. Der Hamburger Sportbund (HSB) deutete dies dennoch optimistisch "als Signal, dass der neue Senat die bisherigen Konzepte hierzu weiter verfolgt." (DOSB Presse Nr. 17).
Am 19. Mai war dann in den Medien jedoch plötzlich von "Chaos", "Verwirrung" und "Drohendem Aus" die Rede.
Der Hochschulsportverband adh hielt sich hingegen seltsam bedeckt. Aus der Zentrale in Dieburg drang kein Mucks nach draußen, außer der dringenden Bitte, doch nichts vorschnell zu verbreiten. Stattdessen wurde einen Tag später eine unglaubliche E-Mail im Stile des "Neuen Deutschlands" der letzten DDR-Tage an die Mitgliedshochschulen verschickt:
"Universiade-Bewerbungsgesellschaft erfolgreich konstituiertKein Wort von der Krise, über die tags zuvor die Zeitungen berichtet hatten.
Am Montag, den 19. Mai 2008 tagten in Hamburg die Gesellschafter der Universiade-Bewerbung 2015. In der Gesellschafterversammlung hat sich das Bewerbungskomitee UNIVERSIADE HAMBURG 2015 konstituiert. Darüber hinaus wurde unter anderem einvernehmlich das weitere Bewerbungsverfahren besprochen."
Einst war der adh ein diskussionsfreudiger, fortschrittlicher Sportverband. Mittlerweile fühle ich mich in Ost-Zeiten zurück versetzt, in denen zwar die schlechten Nachrichten aus dem West-Fernsehen Allen bekannt waren aber offiziell so getan wurde, als glaube man an die Verlautbarungen der Parteipresse.
Auch die Stadt Hamburg lässt weiterhin alles offen: Zwar wurde die "erfolgreiche" Konstituierung der Bewerbungsgesellschaft in einer Pressemitteilung ebenfalls bejubelt, dennoch heißt es darin nebulös: "Es besteht Einvernehmen, dass unverhältnismäßige Risiken für die Bewerberstadt zu vermeiden sind."




