15 November 2013

In der Werft


Die "Marko Polo" hat heute, von Ancona kommend, die Werft in MALI LOSINJ angelaufen.Dort traf sie um 15:00 Uhr ein, nachdem sie noch eine kleine Schleife vor der Insel gefahren war.

10 September 2013

Abschied von Split

Split mit Marjanhalbinsel und Hafen
Einen halben Tag haben wir nach unserer Ankunft in Split noch, bis es mit dem Flugzeug weiter geht in Richtung Deutschland. Wir schlendern noch einmal durch die Stadt, über den Markt, kaufen ein paar letzte Mitbringsel für Freunde, setzen uns in ein Café an der Uferpromenade.
Unser Gepäck liegt derweil in einer Aufbewahrung am Hafen, dort wo auch die Busse zum Flughafen abfahren. Als wir es abholen und letzte Dinge umpacken, damit es an der Sicherheitsschleuse am Flughafen später kein Probleme gibt, steht die ganze Zeit ein grobschlächtig wirkender Typ daneben und glotzt. Er glotzt dämlich weiter, als ich zurückglotze. Ich stelle mich zwischen ihn und das Gepäck. Jeder normale Mensch hätte spätestens gemerkt, dass er Mißfallen erregt. Er jedoch bleibt weiter stehen und glotzt. Hat er es auf unser Gepäck abgesehen?
Der Busfahrer drängt uns, einzusteigen. Der Bus würde gleich losfahren. Von innen ist schwer zu sehen, was unten im Gepäckraum, dessen Türen noch offen sind, geschieht. Wir setzen uns in die erste Reihe, von wo aus über die Rückspiegel eine gewisse Kontrolle möglich ist. Doch der Typ steigt ebenfalls ein, setzt sich uns gegenüber. Im Zweifelsfall könnte er schnell den Gang versperren, während ein Kumpan unsere Sachen aus dem Gepäckraum stibitzt. Wir könnten dann nicht heraus. Die Abfahrt verzögert sich noch etwas, weil eine deutsche Familie unbedingt noch in diesem Bus mitfahren will. der nächste würde fünf Minuten später fahren und steht direkt nebenan. Der Busfahrer wird nervös, die Ticketvekäuferin drängelt - die Touristen kommen jedoch nicht zu Potte. Ich habe die ganze Zeit den Rückspiegel im Blick.
Endlich fährt der Bus los, ohne dass das Gepäckabteil geplündert wurde. Meine Anspannung löst sich etwas, doch der Typ ist komisch. Er glotzt jetzt die ganze Zeit den Busfahrer an, der unmittelbar vor ihm sitzt. Vielleicht ist der Mann betrunken oder hat Drogen oder starke Medikamente genommen. Ich bin froh, als wir am Flughafen ankommen. Trotz zahlreicher Warnungen sind wir auf der ganzen Reise nirgendwo beklaut oder betrogen worden. Es wäre ärgelich gewesen, wenn in den letzten Stunden noch etwas derartiges passiert wäre.
Bald sitzen wir im Flugzeug (wo wir den Typen wieder entdecken, er nimmt die gleiche Maschine nach Stuttgart). Der Käptn fliegt noch eine kleine Ehrenrunde über die Bucht, so dass wir die Stadt und den Marjan und auch den Hafen, wo die "Marko Polo" an ihrem Platz liegt, noch einmal sehen.
Einen direkten Flug haben wir leider nicht bekommen. Und so fliegen wir nahezu in Ost-West-Richtung über die Alpen (die leider größtenteils unter Wolken liegen) und haben noch eine Zwischenlandung in Stuttgart, bevor es am späten Nachmittag weiter nordwärts geht.


Überfahrt mit der "Marko Polo"

Es herrscht Gedränge und Hektik am Hafen bei der Einschiffung auf die "Marko Polo", die uns über Nacht nach Split in Kroatien bringen soll. Eine Reisegruppe fällt dabei besonders auf. Ihre Mitglieder haben orangefarbene Basecaps auf. Sie reden alle durcheinander, eine Reiseleiterin versucht, sich Gehör zu verschaffen. Wir verstehen nur soviel, dass sie die Leute ermahnt, ihre albernen Basecaps aufzusetzen. Einige Damen fortgeschrittenen Alters weigern sich beharrlich, wohl weil sie um ihre Frisur fürchten und sich außerdem mit den Dingern auf dem Kopf nicht zum Seppl machen wollen. Während heftig gezetert wird, überholen wir die Gruppe auf dem Autodeck und schaffen es, vor ihnen an der Rezeption zu stehen.
Schnell bekommen wir unsere Kabine. Es ist diesmal die Nr. 3092 im hinteren Teil des Schiffes, eine Innenkabine. Das geht wohl nicht anders, wenn man ein vergünstigtes Hin- und Retourticket bei Jadrolinija kauft. Dafür ist unsere Unterkunft überraschend groß, so dass ein Rollstuhl selbst ins Bad hineinpassen würde.
Kaum haben wir unser Gepäck verstaut und uns etwas frisch gemacht, hören wir die Gruppe mit den orangen Käppis draußen auf dem Gang marodieren. Sie rufen Namen von Leuten, die offenbar in enendlosen Gängen verloren gegangen oder in der falschen Kabine gelandet sind. Lautstark wird mit Türen und Koffern geklappert und geschlagen.
Jetzt schnell ins Restaurant, bevor die Meute den Laden stürmt, denken wir.
Als die "Marko Polo" ablegt, sitzen wir schon in den bequemen weißen Ledersesseln des Restaurants, haben eine Flasche kroatischen Wein auf dem Tisch und blicken aus den etwas zerkratzten Panoramafenstern. Unser Kellner - sie tragen alle sorgfältig gebügelte weiße Hemden und schwarze Hosen - ist ein großer Köstling und immerzu für ein Späßchen zu haben. Keine Frage: Das Speisen an Bord des Jadrolinija-Flaggschiffs ist eine stilvolle Angelegenheit, auch wenn das Essen eher mittelklassig ist.


Kaum steht es auf dem Tisch, kommt auch schon unsere orange Reisegruppe in den Speisesaal. Sie wird offenbar schon erwartet, denn ein Bereich ist für sie reserviert. Es ist bei Jadrolinija möglich, das Essen bei der Buchung gleich mitzubestellen. Wir haben nun die Möglichkeit, die Leute näher in Augenschein zu nehmen. Altersmäßig sind sie sehr gemischt, wobei die älteren Damen am lebhaftesten sind. Sie haben sich mächtig schick gemacht für diesen Abend - die Runde könnte fast aus einem Almodovar-Film stammen - und sie sind allesamt sehr liebenswürdig. Auch wenn sie es ihrer Reiseleiterin wieder sehr schwer machen, denn sie scherzen und giggeln unentwegt. Nur als Erstere vor dem Essen für alle ein kurzes Gebet spricht, kehrt Ruhe ein.
Sie sprechen spanisch, sehen südamerikanisch aus und beten im Restaurant vor dem Essen. Wir fragen uns, ob es eine Pilgergruppe auf der Rückreise aus Rom ist. Aber Spanien liegt doch eigentlich in der anderen Richtung?
Nach dem Essen treffe ich einige der Frauen an der Bar auf dem Achterdeck wieder. Sie sprechen kaum englisch, aber sie erzählen, dass sie aus Mexiko kommen und tatsächlich in Rom waren. Nun wollen sie noch nach Bosnien.
Im Laufe des Abends wird es stiller auf der "Marko Polo". Nur die beiden Maschinen treiben die Fähre beständig und mit fortwährend kräftigem Dröhnen an. Der Kapitän hat eine Frau mit auf die Brücke gebracht. Sie stehen auf der Backbord-Brückennock, während das Schiff durch die Nacht tuckert, quatschen und rauchen.
Im Morgengrauen kommt die kroatische Küste in Sicht und pünktlich um sieben Uhr legt die "Marko Polo" nach einem guten Frühstück in Split an. Tschüß, alte Fähre, hast uns wieder sicher durch die Nacht gebracht. Es gibt kaum ein EU-Land mit so vielen Inseln wie Kroatien, über 1200 sollen es sein. Und das Schiff ist die beste Möglichkeit, eine der weltweit zerklüftetsten Küsten zu bereisen. Die stilvollen historischen Liner, die von der Reederei Jadrolinija liebevoll auf dem technisch neuesten Stand gehalten werden, sind eine gute Möglichkeit dafür.

09 September 2013

Entlang der Küste

Morgens ist der Himmel in Scanno trüb. Da fällt die Entscheidung leicht, schon früh abzureisen. Wir verlassen unser schönes Hotel Roma und fahren mit dem Bus um neun Uhr zurück nach Sulmona.
Ein hübscher VW-Bus, hinten sogar mit Pickup - auch er hält uns heute nicht in Scanno.
Mit uns reist die Tochter der Hotelbesitzerin. Sie möchte heute nach Mailand. Unser Ziel ist Ancona. Bis Pescara haben wir den gleichen Weg.
Der Bus fährt am hübschen Lago di Scanno vorbei und kurvt durch Schluchten und schmale Tunnels. Über uns taucht Castrovalva wieder auf, das Bergdorf, in dem wir vorgestern übernachtet haben. Das schon etwas betagte Gefährt ächzt und knarzt, doch der Fahrer kennt seine Abmessungen. Zentimetergenau bugsiert er den Bus hinter einem Tunnel an einem entgegenkommenden Reisebus vorbei. Ein kurzer Stopp in Anversa degli Abruzzi, dann konzentriert sich Birgit wieder darauf, strikt nach vorn aus dem Fenster zu blicken. Bloß jetzt nicht schon reisekrank werden, denn heute abend soll es noch aufs Schiff gehen...
Das Schlimmste ist nach Anversa allerdings geschafft, auch wenn der Fahrer auf dem letzten Kilometer noch einmal alles aus der Kiste herausholt, um den Bahnhof auf die Minute pünktlich zu erreichen. Als wir in Sulmona eintreffen, regnet es. Wir bekommen die Fahrkarten nach Pescara vollkommen problemlos am Automaten - und vergessen auch nicht, sie vor Fahrtantritt an einem anderen Automaten zu entwerten. Mittlerweile fühlen wir uns als richtige Italiener - auch wenn die Sache mit der Entwertung bei den Berliner Verkehrsbetrieben bei Lichte gesehen genau so kompliziert gehandhabt wird wie hier. Hauptsache, man fällt nicht als Tourist auf...
Strandpromenade von Pescara
Als wir aus dem Gebirge herauskommen, hört der Regen auf. Der Zug fährt noch eine Weile durch das hügelige Vorland der Abruzzen und nähert sich merklich größeren menschlichen Ansiedlungen. Der Bahnhof Pescara Centrale liegt mitten in der Stadt, nahe der Strandpromenade und verfügt über eine Gepäckaufbewahrung. Beste Voraussetzungen also für einen Ausflug an den Strand.
Ein hübscher Käfer auf dem Corso Umberto I in Pescara
Dort ist nicht mehr viel los. Die Saison ist vorbei, selbst die Duschen sind schon geschlossen. Etwas trostlos stehen die leeren Sonnenliegen in Fünfzehnerreihen am Strand; In den Straßen hängen noch ein paar Übriggebliebene des Sommers herum; Aus einem Laden stolpert ein junger Rastatyp, topless und barfuss; Die Boutiquen haben ihre Ware kräftig reduziert. Für ein gutes Essen in einem Restaurant an der Promenade und ein Bad im Meer reicht es trotzdem. Das Wasser ist noch schön warm.
Alle Fahnen auf "rot" - der Strand wirkt verlassen
Dann steigen wir in den Zug nach Ancona. Die Bahnlinie führt immer am Meer entlang. Kilometerlang reihen sich die Badeorte Haus an Haus an Haus und lassen kaum irgendwo einen unverbauten Blick zu. Hätte hier Capitano Schettino seine Costa Concordia auf den Strand gesetzt, wäre der zusätzliche Schaden für die Umwelt wahrscheinlich überschaubar geblieben...
Architekturmüll am Meer: Hier hätte Schettino sein Costa Concordia ruhig dazu packen können...

Kurz vor Ancona wird die Küste felsiger und der Zug fährt noch einmal ein Stück ins Landesinnere, bevor er die Hafenstadt erreicht. Vom Hauptbahnhof sind es etwa zwei Kilometer bis zum Fährhafen. Es gibt einen Zug, doch der fährt erst in einer Stunde. Also laufen wir die Strecke am Hafen entlang zum Terminal. Auf dem Weg sehen wir noch einmal die ganze Pracht und Grandezza, die italienische Architekten so aufbieten können. Ein riesiges Portal - es ist nicht der Arco Clementino, der im18. Jahrhundert zu Ehren des Papstes Clemens XII. errichtet wurde - überbrückt eine Straße. Bei näherem Hinsehen verbirgt sich hinter der bombstischen Fassade offenbar eine Art Lagerhaus oder Speicher...

Eine Viertelstunde vor Beginn der Abfertigung erreichen wir das Fährterminal. Es stehen schon viele Menschen hier. Wie schon auf der Hinreise fahren heute wieder drei große Fähren nahezu zeitgleich in Richtung Split ab. Als ich die Tickets holen will, erwartet mich am Schalter von Jadrolinija eine Überraschung: Er ist geschlossen.
Ein Schild verweist die Passagiere auf das neue Fährterminal, zwei Kilometer weiter in der Via Einaudi - ein kostenloser Shuttlebus würde direkt dorthin fahren. Der Bus bleibt im Stau der zahlreichen Fahrzeuge stecken, die auf die Schiffe wollen. Nach langer Kurverei durch die Hafenödnis erreicht er schließlich das neue Terminal - das jedoch keine Verbesserung gegenüber dem alten Gebäude darstellt. Immerhin händigt mir eine sehr freundliche Jadrolinija-Mitarbeiterin die Fahrkarten aus und mit einer halben Stunde Verzögerung gehen wir an Bord unserer "Marko Polo".
Die "Marko Polo" in Ancona

08 September 2013

Hotel Roma in Scanno

In Scanno endet unsere einwöchige Wanderung durch die Abruzzen. Ab heute werden wir uns wieder motorisiert fortbewegen: Mit Bus, Bahn, Schiff und Flugzeug über Sulmona, Pescara, Ancona, Split und Stuttgart nach  Berlin. Zuvor verbringen wir jedoch noch einen Nachmittag und eine Nacht in Scanno. Born & Hennig Wanderreisen, die die Wanderung für uns organsiert haben, bringen uns im Hotel Roma unter, etwas außerhalb der Altstadt. Das Haus ist wunderschön und sehr stilvoll mit Antiquitäten ausgestattet. Wir werden sehr freundlich aufgenommen und haben ein großzügiges Zimmer mit modernem großen Bad und Balkon. Ansonsten ist auch das Zimmer mit schönen alten Möbeln ausgestattet.
Einziger Schönheitsfehler: vor dem Haus brettern unentwegt laute Motorräder durch die Kurve - hunderte müssen es sein. Die Besitzerin erklärt uns: Heute ist ein Motorradtreffen. Teilweise von weither seien etwa 500 Biker angereist .Normalerweise ist es hier ruhiger. Gegen Abend verstummt der Lärm tatsächlich und wir schlafen prima.




Von Castrovalva nach Scanno

Die letzte Etappe unserer Abruzzen-Wanderung steht an. Sie ist ein Höhepunkt und führt uns vom Bergdorf Castrovalva nach Scanno.

Aus Kroatien/Abruzzen

Castrovalva

Zunächst jedoch noch eine Bemerkung zur Unterkunft in Castrovalva: Unser sympathischer kleiner Reiseveranstalter Born & Hennig Wanderreisen hatte uns gewarnt: Einige Gäste hätten sich über die kärgliche Verpflegung in Castrovalvca beschwert. Wir fanden gestern ein zwar kleines, aber ordentliches Zimmer im Agriturismo vor und eine Wirtin, die sehr bestimmt auftrat und sich bei uns bald den Spitznamen "ehrenamtliche Bürgermeisterin" erworben hatte. Sie war von einem Menschenschlag, wie er recht oft im Gebirge anzutreffen ist - egal in welchem Land oder Kontinent: ressourcenbewusst, lösungsorientiert, gastfreundlich - und sehr fleißig.
So auch unsere Wirtin: Sie betreibt neben dem Agriturismo noch die ein paar Häuser weiter gelegene Bar des kleinen Ortes. Wir tranken dort noch unser Bier, als sie sich plötzlich entschuldigte: Sie müsse jetzt hinüber und unser Essen vorbereiten. Dort servierte sie und bald darauf zwei Gänge - Nudeln mit Pilzsoße und Lammfleisch mit Salat - hinterher gab es Obst; Alles sehr lecker, bester Qualität und ausreichend. Auch hier verabschiedete sie sich vorzeitig: Sie müsse wieder in die Bar, dort würde ein Geburtstag gefeiert. Wir sollten nach dem Essen alles stehen lassen und das Licht im Raum ausmachen. Der Sohn von Claudio - offenbar eine Bekanntheit im Ort - feierte bis spät ind die Nacht. Um zwei sei erst Schluss gewesen, erklärt unsere Wirtin heute morgen und entschuldigt den noch leicht unaufgeräumten Speiseraum. Das Frühstück war ausreichend, italienisch süß zwar, aber mit sehr gutem Kaffee - und davon so viele Tassen wie wir wollten. Abgesehen davon, dass die Auswahl an Unterkünften in dem kleinen Ort nicht sehr groß ist: das Agriturismo ist unserer Meinung nach allemal eine Empfehlung wert, zumal der Ausblick und der Sternenhimmel im "Adlerhorst" unvergleichlich sind.

Aus Kroatien/Abruzzen


Von Castrovalva aus steigen wir also heute zunächst steil den Berg hinauf. Nach anderthalb Stunden erreichen wir die Passhöhe und mit etwas über 1200 m Meereshöhe den höchsten Punkt des Tages. Genau auf diesem Punkt finden wir - einen SUV. Einige Meter daneben sitzt eine muntere Picknickgesellschaft, die - Waldbrandgefahr hin oder her - ein stattliches Lagerfeuer entzündet hat und es sich gut gehen lässt.

Aus Kroatien/Abruzzen


Bald stoßen wir auch auf den Betonweg, der von der anderen Bergseite her auf den Pass führt und über den das unvernünftige Auto hinaufgesteuert worden war. Der Blick hinunter auf den Lago die Scanno und das Örtchen Scanno ist schön - aber die Schattenseiten des Tourismus werden uns von nun an nach Tagen der Bergeinsamkeit wieder begleiten.

Aus Kroatien/Abruzzen


Schon von weitem hören wir das Knattern von Geländemotorrädern. Zwischen den Ruinen des verlassenen Dorfes Frattura Vecchio stehen Pickups und weitere SUVs. Eine Gruppe von fünf oder sechs Mobilitätsfans lädt die absurde Menge von drei Fünfliter-Kanistern Rotwein aus einem Fahrzeug und deponiert sie zur Kühlung im einstigen Dorfbrunnen. Wie die wohl mit ihrem Gefährt den Berg wieder herunter kommen, wenn jeder über zwei Liter Wein intus hat?
Aus Kroatien/Abruzzen

Ruine in Frattura Vecchio

Wir füllen unsere Flaschen an der Quelle auf (mit Wasser wohlgemerkt) und gehen schnell weiter. Einige der Ruinen werden derzeit aufwendig - und wie man hört: denkmalgerecht - wieder aufgebaut. Wenn dann anschließend nur auch etwas naturverbundenere Gäste kommen würden...
Aus Kroatien/Abruzzen

Der schöne Wanderweg führt bald am neuen Ort Frattura vorbei. Er wurde errichtet, nachdem ein Erdbegen Anfang des 20. Jahrhunderts den alten Ort zerstört hatte. Von ihrem Glauben hat die Katastrophe die Leute offenbar nicht nachhaltig abbringen können: Heute wird gerade eine Prozession durchgeführt. Sie endet mit Kanonenschüssen und eindrucksvollem Gedonner, das wir noch hören, als wir bereits tief in den Wald hineingewandert sind. Der Weg windet sich in weitem Bogen um Scanno herum. so als wolle er die Wanderer warnen: Wollt Ihr wirklich da unten hinunter in den Hexenkessel?
Scanno
Aus Kroatien/Abruzzen

Von oben wirkt Scanno malerisch und einsam. Doch als wir tiefer kommen, hören wir schon den Lärm vieler Motorräder. Der kleine Ort ist voll in der Hand der Biker, die lärmend die kurvenreichen Straßen rauf und runter brausen. Selbst im historischen Zentrum jagen sie knatternd die Fußgänger von der Straße - und das, obwohl in Italien die Innenstädte doch mittlerweile fast auf hysterische Weise autofrei gehalten werden...
Wir finden immerhin eine sehr stilvolle Unterkunft vor: Das Hotel Roma besticht durch schöne Möbel und Antiquitäten. Unser Zimmer hat ein riesiges Bad mit luxuriöser Dusche, die wir nach der anstrengenden Wanderung ausgiebig nutzen.

07 September 2013

Ins Bergdorf Castrovalva

Der Bahnhof von Sulmona: Hier verlassen wir die Stadt - zu Fuß, wie Ovid, der berühmteste Sohn der Stadt, der - obwohl man ihm später viele Denkmäler erichtet hat - im Jahre 8 n.Chr. verbannt wurde
Von Sulmona aus laufen wir heute in südlicher Richtung größtenteils entlang des Flusses Sagittario. Der Mensch hat neben dem Flussbett weitere Verkehrsadern angelegt. Zuerst die Eisenbahn, später - etwas höher am Hang - die Autobahn.
Der Fluss...
...die Eisen-...
...und die Autobahn begleiten uns auf unserer heutigen Wanderung,...
...die uns langsam von einer Kulturlandschaft in die Berge führt.
Es ist sehr heiß und wir wandern anfangs nahezu eben, aber manchmal leider auch ohne Schatten, immer weiter in die Berge hinein. Das Tal verengt sich, die Landschaft wird wilder. Wir kommen an einem kleinen Stausee vorbei, der still da liegt in einer unglaublich intensiven türkisen Farbe. Kurz darauf laufen wir an einem schönen alten Wasserkraftwerk vorbei, ein Hochdruckkraftwerk, das zusätzlich oberhalb des Sees errichtet wurde.
Unglaubliche Farben: Der kleine Stausee am Sagittario
Industriedenkmal: Ein altes Hochdruck-Wasserkraftwerk
Nach einem kleineren Anstieg erreichen wir - ohne auf dem ganzen Weg mehr als eine Handvoll Menschen getroffen zu haben - das malerische Bergdorf Anversa degli Abruzzi. Anders als die Dörfer, die wir bisher in den Bergen kennengelernt hatten, wirkt es belebt und fast ein wenig touristisch. Das mag auch daran liegen, dass es einmal auf einer Liste der schönsten Dörfer Italiens gelandet ist - man weiß es nicht. Die Sehenswürdigkeit des Orts ist - neben den landesüblichen Kirchen - ein kleiner Park, den der WWF angelegt hat. Die Naturschutzorganisation nennt ihn "Oasi". Bedeutender als der Park, der für uns Wanderer ein paar Picknickbänke bietet, ist wohl die Tatsache, dass das umliegende Gelände vom WWF gekauft wurde und nun als Schutzraum für bedrohte Arten dient.
Anversi degli Abruzzi
Vom Park aus führt ein knackiger Anstieg zu unserem heutigen Etappenziel: Castrovalva. Der Ort liegt auf einem Felsen, der nur von einer seiner beiden Schmalseiten aus zugänglich ist.
Castrovalva
Die wenigen Häuser des Ortes sind hier oben ebenfalls sehr gut gepflegt und wirken bewohnt. Als wir ankommen, riecht es in den engen Straßen stark nach frischer Farbe. Ich gehe dem Geruch nach und treffe auf eine alte Frau, die gerade ihre Haustür streicht.
Überall wird gemalert und gewerkelt in Castrovalva
Überhaupt scheint man hier auf glänzende Oberflächen - wie vielfach in Italien - großen Wert zu legen. Schon kurz vor dem Ortseingang fallen uns die Leitplanken auf. Sie wurden mit einer Holzoptik ausgestattet. Nur gut, dass das die Euroskeptiker und die Bildzeitung bei uns nicht mitbekommen haben...
In der Bar des kleinen Ortes herrscht Hochbetrieb. Alle Stühle sind besetzt, doch als wir kommen, springt eine Frau auf und bietet uns ihren Tisch an. Es ist unsere Wirtin, sie betreibt gleichzeitig die Bar. Am Nebentisch sitzt ein auffälliger Mann fortgeschrittenen Alters mit einem weißen Nadelstreifenanzug. Darunter trägt er ein helles Hemd, das fast komplett aufgeknöpft ist. Um den Hals glitzert eine Goldkette. Sein immer noch kräftiges Haar ist gefönt, wahrscheinlich mit Festiger behandelt und in jedem Fall blondiert. Eine reizende Erscheinung. Wir sind gerade leicht verschwitzt in unseren Outdoorklamotten hier angekommen und fragen uns, wie der Mann es geschafft hat, dass sein Anzug immer noch so makellos weiß ist...
Leider verstehen wir nicht viel von der Dorfunterhaltung. Allein die Gesten sind großartig. Einer der Männer steht jedesmal auf, wenn er etwas zu sagen hat - wunderbar theatralisch...

06 September 2013

Sulmona

Es ist ein heißer Tag in Sulmona. Wir haben die Möglichkeit, den Monte Porrara zu besteigen, eine leichte Wanderung zu machen oder einen Ruhetag mit Stadtbesichtigung und Shopping einzulegen. Wir entscheiden uns für letzteres. Hier sind die Bilder der Stadt.


Das Denkmal für Ovid (hinten)

05 September 2013

Über den Forca di Penne

Der blaue Planet: Blick bis zum Meer
Die heutige Etappe unserer Abruzen-Wanderung führt durch das bisher vielleicht schönste Teilstück der Tour. Wir verlassen gegen 9:45 Uhr mit etwas Wehmut den sehr schönen Agriturismo von Capodaqua und steigen zunächst etwa eine Stunde lang sanft durch einen schönen Wald an. Es ist so früh morgens schon recht heiß und so genießen wir den Schatten des herrlich duftenden Waldes.
Nach anderthalb Stunden ist die Paßstraße zur Forca di Penne erreicht. Drei schon recht betagte Herren überholen uns - bunt bekleidet - mit ihren Rennrädern. Wir unterhalten uns kurz, einer pinkelt beherzt hinter die Leitplanke, von wo aus es einen atemberaubenden Ausblick auf das Sasso-Gebirge, das Tirino-Tal und die Maiella gibt.
Hier haben wohl vorher auch Andere schon die Hosen herunter gelassen. Ich finde ein Smartphone im Gras, das möglicherweise bei einer solchen Aktion verloren wurde. Es ist etwas verdreckt, liegt aber offenbar noch nicht so lange dort. Wir stecken es ein und gehen weiter.
Ganz schön viele Höhenmeter und ein knackiger Abstieg
Es folgt eine Wanderung entlang des Kamms, durch Wiesen. Wälder und mit Blick bis zum Meer. Zum Teil ist der Abstieg recht knackig. Er führt uns in das kleine Dorf Pescosansonesco. Es sind kaum Menschen zu sehen. Am Straßenrand steht nahe des Ortsausgangs ein altertümliches landwirtschaftliches Gefährt, für das Menschen aus dem Rheinland wahrscheinlich sofort die schönen Fachwörter Nuckelpinne oder Öttelpöttel eingefallen wären. Darunter liegt ein Hund, der uns müde anschaut: "Na, bist Du ein braves Hündchen," beginnt Birgit die Konversation - nachdem wir zuvor bereits recht nervig bellende und drohende Exemplare der Gattung kennengelernt hatten. Plötzlich antwortet eine Frauenstimme aus dem Hintergrund: "Da haben Sie aber Glück, dass dieser Hund deutsch versteht!"
Die Hundebesitzerin haben wir bisher gar nicht wahrgenommen. Sie ist Deutsche und mit ihrem aus dem Dorf stammenden Mann in dessen Heimat gezogen. Er war vorher über vierzig Jahre in Deutschland, wo sich die beiden kennengelernt und eine Existenz aufgebaut hatten. Nun fangen sie hier erneut an. Etwas einsam sei es hier: "auch nicht ganz das Wahre", sagt uns der Mann. Die Enkel sind alle in Deutschland. Andererseits sei es hier im Sommer wie im Paradies: "Du gehst ein paar Schritte, pflückst hier eine Feige vom Baum, da eine Pflaume, dort die Brombeeren. Bald kommt der Wein..."
Reiche Ernte in Pescosansonesco

Das Dorf war nicht immer so klein, erzählt er uns. In den dreißiger Jahren riss ein Erdrutsch große Teile fort. Die Katastrophe kam nachts - ohne Vorwarnung für die schlafenden Menschen. Auch das Haus seiner Mutter sei teilweise zerstört worden. "Wir haben danach hier unten gewohnt", sagt er und deutet auf eine Ruine. Das Dach fehlt, einzelne Wände sind einestürzt. Dennoch zählt er uns auf, in welchen Zimmern wer gewohnt hat. "Nur die Oma musste etwas weiter da hinten leben - ging nicht mehr". Heute hat er im Nachbardorf ein Haus. Das alte Anwesen der Familie verfällt weiter.
Abstieg nach Torre de´ Passeri
Wir steigen ab nach Torre de´ Passeri, von wo uns ein Zug nach Sulmona bringt. Dort erwartet uns ein sehr stimmungsvolles Bead&Breakfast, das in einem alten Kloster eingerichtet wurde.

04 September 2013

Die Fortsetzung der Uckermark mit anderen Mitteln

Auf der Etappe von Caporciano nach Capodaqua wandern wir durch zahlreiche ausgestorben wirkende Dörfer

Wer von Berlin aus zwei Stunden nach Norden fährt, kommt in die Uckermark, eine mittlerweile nur noch sehr dünn besiedelte Gegend mit schönen – aber aussterbenden – Gemeinden, etwas Landwirtschaft und viel Natur. Die berühmte Liedzeile aus der Brandenburg-Hymne: „Nimm Dir was zu Essen mit, wir fahren nach Brandenburg“ wurde inspiriert durch diese Landschaft.
Wer von Rom aus zwei Stunden nach Norden fährt, kommt in die Abruzzen. Einmal davon abgesehen, dass es sich hierbei um ein Gebirge handelt, drängt sich doch ein zweiter berühmter Satz in leicht abgewandelter Form nahezu auf, nämlich der, dass nach einer Theorie die Abruzzen die Fortsetzung der Uckermark mit anderen Mitteln sein könnten...

Zugewucherte Wege und verwunderte Fragen an die fremden Wanderer

Wir starten um 10:00 Uhr in Caporciano und kommen auf unserer heutigen Wanderung durch mehrere malerische – aber leider ausgestorben wirkende – Dörfer, allesamt oben im Schutz der Berge errichtet, und zu Fuß nur über zum Teil zuwuchernde Wanderwege erreichbar sind. Zunächst laufen wir abschnittsweise weglos und über Wiesen nach Civitaretenga. Dank der präzisen Beschreibung, die wir von Born & Hennig-Wanderreisen bekommen haben, finden wir den Weg problemlos. Allerdings ist das letzte Wegstück des Anstiegs aus der Ebene in das kleine Dorf mittlerweile so zugewachsen, dass wir den Einstieg erst nicht als solchen erkennen. Möglicherweise sind die Menschen hier noch so stark mit den Auswirkungen des Erdbebens von 2009 beschäftigt, dass sie die alten Fußwege nicht mehr pflegen. Außerdem scheint das Wandern in diesem Teil Italiens nicht sehr verbreitet zu sein. Mehrfach werden wir heute von Einheimischen ungläubig gefragt, ob wir den ganzen Weg nach Capodaqua, unserem heutigen Etappenziel, zu Fuß laufen wollen.
In dem kleinen Ort Civitaretenga spricht uns eine ältere Frau an: Ob wir nicht Safran kaufen wollten im Casa Verde. Wir stehen gerade vor diesem grünen Haus und eine andere Frau schließt uns ein Garagentor auf, hinter dem sich ein kleiner Laden verbirgt. In dieser Gegend wird Safran angebaut. Wir kaufen der Frau drei Tüten ab und wandern weiter in Richtung Navelli. Auch dieser Ort liegt wieder auf einem Hügel, den wir erklimmen müssen. Er hat allerdings auch einen neueren Teil mit Piazza und einer Bar, die heute Mittag bereits offen ist. Ohne Einkehr gehen wir weiter durch eine breite Ebene in Richtung Callepietro, einem weiteren Krähennest-ähnlichen Dorf auf einem Felsen. Ein Fehler, wie sich herausstellt. Denn in Callepietro, wo wir eigentlich Pause machen möchten, gibt es nur eine Einkehrmöglichkeit, die aber erst um 16:00 Uhr öffnet. Wir sind etwas ermüdet von dem anstrengenden Aufstieg über einen stark zugewachsenen Weg, auf dem Dornengestrüpp sich ständig in der Kleidung verhakte.
Der schönste Teil der Wanderung beginnt indes erst in Callepietra: Zunächst steigen wir zwischen Mandelbäumen auf bis zu einer Kammhöhe. Von dort öffnet sich ein grandioser Blick auf die imposanen Gipfel des Gran Sasso und außerdem auf die Ebene bis zurück nach Caporciano, unserem heutigen Ausgangspunkt.
Der Weg ist hier breit und recht gut zu gehen. Er senkt sich langsam Richtung Norden ab. Eine gute Stunde laufen wir so weiter in Richtung Capestrano. Auch dies ist ein malerisch schöner Ort mit einem kleinen Castello – und einer Bar, die offen hat.
Capestrano
 Der Wirt spricht ein herrliches cooles Englisch – mit leicht italienischem Akzent und dunkler Stimme. Er erzählt uns, dass der halbe Ort im Herbst immer zum Münchener Oktoberfest fährt. Er hat sogar einen Maßkrug im Regal. Wir trinken ein paar Bier und essen ein Stück Pizza bei ihm.
Dann laufen wir das letzte Wegstück bis nach Capodaqua, das wir etwa eine Stunde später gegen 17:00 Uhr erreichen. Sieben Stunden sind wir also unterwegs gewesen, wovon etwa eine Stunde Pause abgezogen werden muss.
In Capodaqua erwartete uns wiederum ein sehr schönes Agriturismo, mit guter Küche und sehr freundlichen Wirtsleuten – samt Hunden.

03 September 2013

Von L´Aquila nach Caporciano.

Der erste Tag unserer Abruzzen-Wanderung führt uns von L´Aquila nach Caporciano. Die erste Etappe nach San Demetrio übernimmt ein Taxifahrer. L´Aquila ist ein recht großes Städtchen, das an den Rändern ausufert. Und so sind wir dankbar, dass uns das Auto von Signor Angelozzi – in den Abruzzen eine erstklassige Wahl unter 0862 25 165 - erst einmal ein Stück aus der Stadt hinausbringt.
San Demetrio in den Abruzzen
 Von San Demetrio geht es zunächst bergauf. Im Ort sind noch einige erdbebengeschädigte Häuser zu sehen, doch bald wirkt das Dorf aus der Ferne vor der majestätischen Kulisse des Gran Sasso-Gebirges ganz friedlich und intakt.
Schöner Aufstieg
Wir kommen vorbei an den Ruinen von Peltuinum, einer Römerstadt, laufen durch Tussio und Bominaco, zwei Orte, die zwar noch bewohnt sind, aber ähnlich tot wirken wie die alte Römerstadt. Immerhin finden wir in Bominaco ein Restaurant, in dem es leckeren Cappuccino und Langnese-Eis mit extra italienischen Sorten wie zum Beispiel "Magnum-Pistazie" gibt.

Die Reste von Peltuinum
Den Besuch der sehenswerten romanischen Kirchen von Bominaco sparen wir uns deshalb - wahrscheinlich ein Frevel, denn sie gilt als bedeutendes Kunstwerk - und laufen stattdessen nach Genuss des Eises direkt weiter nach Caporciano. Der Ort ist typisch italienisch schön und vollends begeistert sind wir, als wir das Zimmer unserer Unterkunft sehen: Es ist ganz im Katzendesign eingerichtet. Einziger Kritikpunkt an der Agriturismo 4A in Caporciano ist ein letzter Schliff an Sauberkeit. Dafür ist das mehrgängige Menü mit Käse, Schinken, schwarzem Reis, zweierlei Nudeln, Wildschweingulasch, Fischbällchen und Dessert ein ganz besonderer Genuss. Als danach dann noch eine Auswahl verschiedener Schnäpse gereicht wird, fühlen wir uns bald wie im Paradies...
Wir wandern über Ebenen...
...und durch Dörfer
typisch Italien :-)
Caporciano