23 August 2014

Rückflug

Auf dem Flughafen in Vancouver treffen wir noch einmal einen Bären. Schön. Das Einchecken bei unserer deutschen Premium-Fluggesellschaft Lufthansa ist jedoch chaotisch. Über das Internet funktioniert es nicht, da man seine Identität nicht beweisen kann. Auf dem Flughafen gibt es nur einige wenige umständlich zu bedienende Terminals - von denen ein Teil auch noch defekt ist. Die Airline spart am Personal. Am Schalter sitzt eine extrem unfreundliche Angestellte, die gar nichts kann. Wir bekommen wieder einmal schlechte Sitzplätze (wie fast immer auf dieser Reise mit der Star Alliance) und ich kann den Flug überhaupt nicht genießen.

21 August 2014

Inside-Passage südwärts


Nach zwei Tagen in Prince Rupert fahren wir heute wieder zurück in Richtung Süden. Schon um 5:30 Uhr sollen wir am Hafen sein. Die „Northern Expedition“ setzt sich fahrplanmäßig um 7:31 Uhr in Bewegung. Ganze zwei Stunden vorher müssen die Passagiere am Pier stehen – wollen sie nicht riskieren, dass ihre Reservierung entfällt. Dennoch ist die Stimmung gut am Hafen. Der Mann im Abfertigungshäuschen sieht sich unsere Papiere an und ruft aus: „Oh, a doctor! A doctor in what?“ Er hat bereits die Erfahrung gemacht, dass die Leute aus Deutschland in allen möglichen Fächern ihren Doktor machen und will es von Birgit nun genau wissen.
Anschließend verrät er uns, dass sein Sohn auch ein Doktor ist – in Jura. Dennoch würde er ihn nie mit Titel anreden. Ich stelle klar, dass ich das bei Birgit im Normalfall auch nicht tue. Wir lachen und er gibt uns unsere Bordkarten.
Als die Fähre ablegt, liegt noch dichter Nebel über dem Meer. Der Kapitän lässt alle zwei Minuten das Schiffshorn betätigen. Die Berge werfen ein Echo zurück. Dennoch bemerkt der Steuermann eines kleinen Kutters die große Fähre erst, nachdem diese exclusiv für ihn fünfmal hintereinander lange hupt. Der Kapitän verlangsamt sogar sicherheitshalber die Geschwindigkeit. Sehr spät endlich zieht der Steuermann des Kutters energisch das Ruder herum und fährt eine 180-Grad-Wende.
Kaum sind wir im Grenville Channel, lichtet sich der Nebel langsam. Nur um die Inseln herum halten sich die Schwaden länger. Ein sonniger Tag beginnt. Wir haben für die Rückfahrt Sitze in der Aurora-Lounge reserviert. An der Rezeption bekommen wir dann Platzkarten für die zweite Reihe. Die Sicht von dort ist gut, die Sitze sind sehr bequem und wir können unsere Sachen dort noch unbekümmerter herum liegen lassen als auf der Hinfahrt. Die Lounge hat eine Zugangssicherung mittels Magnetkarte. Allerdings reisen hier auch nur Touristen. Die Einheimischen sparen sich die 35 Dollar und legen sich lieber mit bunten Decken in den Foyers auf den Boden auf eine Bank.
Ich bin die meiste Zeit an Deck. Denn trotz der guten Panoramasicht in der Lounge ist die Luft dort viel schlechter als draußen. Dennoch kann ich die Lounge allen empfehlen, die die Fahrt vollkommen streßfrei genießen wollen: Kein anderer Raum an Bord (außer die Kabinen der Offiziere) bietet einen ungehinderten Blick nach vorne. Es werden Wasser und einfache Snacks gereicht und die Stühle haben bequeme Fußstützen und die Lehnen lassen sich weit nach hinten stellen.
Die Fähre ist leerer als auf der Hinfahrt. Viele Plätze im Autodeck bleiben zunächst leer. Als der Kapitän nach etwa zwei Stunden Fahrt das Autodeck öffnen lässt, damit die Leute eventuell benötigte Sachen aus den Fahrzeugen holen können, nutzen Hundebesitzer die freie Fläche, um mit ihren Lieblingen „Gassi“ zu gehen. Allerdings steigen in Bella Bella diesmal viele einheimische Passagiere zu und es warten auch jede Menge Autos am Hafen. Eine Reservierung ist bei der Inside-Passage also in jedem Fall angesagt.

20 August 2014

Prince Rupert














































Bedrohtes Paradies

Rechts neben dem Totempfahl sind draußen Schornstein und Deckshaus der "Amakusa Island" zu sehen
Auf der Fahrt nach Prince Rupert sahen wir Wale, springende Hechte, Robben, Greifvögel. Wir fuhren durch nahezu unberührte Natur. Nur wenige Siedlungen und einige Leuchttürme lagen auf dem Weg - kurz: Ein Naturparadies!
Prince Rupert selbst ist ein kleines Städtchen, in dem es beschaulich zugeht. Das einzige, was an die ferne weite Welt erinnert, sind die vielen Sattelschlepper, die mit Containern beladen durch die Stadt rauschen. Ansonsten sind auf den Straßen auch viele Indianer zu sehen. An die Geschichte ihrer Kultur erinnert das "Museum of Northern British Columbia". Es ist in einem Nachbau eines traditionellen Langhauses untergebracht und beherbergt zahlreiche Kunst- und Gebrauchsgegenstände, bis hin zu Werkzeugen, Kanus und Totempfählen. Wer beim Gang durch die beeindruckende Sammlung einmal den Kopf hebt und quer durch den Raum schaut, sieht hinter den großen Scheiben an der Rückseite des Hauses ein riesiges Schiff direkt vor dem Museum liegen.
Es ist die 224m lange "Amakusa Island", ein Havarist mit deutlicher Schlagseite, dessen Name am Bug gerade noch zu lesen ist, weil das Schiff bis dahin abgesunken ist. Der Koloss wirkt wie ein Menetekel vor den Exponaten der indianischen Kultur.
Mit Schlagseite und bis zum Namenzug am Bug eingesunken: die "Amakusa Island"
Die "Amakusa Island", ein japanischer Kohlefrachter, war am 14. Juli auf dem Weg zu einem Ankerplatz im äußeren Hafen von Prince Rupert auf Grund gelaufen. Die Außenhülle wurde dabei beschädigt. Zwei Balasttanks liefen voll Wasser. Durch die einsetzende Flut konnte das Schiff vier Stunden später wieder flott gemacht werden. Den jetzigen Liegeplatz erreichte sie aus eigener Kraft. Glücklicherweise wurde bei diesem Unglück die Umwelt nicht beeinträchtigt.
Allerdings macht der Unfall deutlich, welche Gefahren von einem der weltgrößten Tiefwasserhäfen für das empfindliche Ökosystem im Norden Kanadas ausgehen. Dass das große Schiff nun schon seit Wochen hier zwischen kleinen Fischerbooten liegt, ohne dass eine Reparatur erfolgt, lässt zudem den Eindruck einer gewissen Hilflosigkeit im Umgang mit der Situation erkennen.
Das riesige Schiff liegt zwischen Fischerbooten und wartet auf eine Reparatur
Die konservative Regierung hat vor einiger Zeit beschlossen, den Hafen um ein Ölterminal zu erweitern. Eine Pipeline soll gebaut werden und Supertanker werden die empfindlichen Gewässer anlaufen. Schon jetzt gibt es im Schnitt drei Havarien pro Jahr, wie der Transportation Safety Board berichtet. Und das ist nicht einmal ein schlechter Schnitt. Gegenüber der "Vancouver Sun" rechnet Brian Falconer von der Raincoast Conservation Society vor: "Bei einer angeblichen 99,6-prozentigen Zuverlässigkeit bleiben bei einigen Tausend Schiffsbewegungen pro Jahr drei bis vier Unfälle unvermeidlich. Auch die "Amakusa Island" war mit einem Lotsen unterwegs.
Sollte einem großen Öltanker ein ähnlicher Unfall passieren und sollten dabei nicht nur die Ballasttanks aufgerissen werden - dann wäre die unvergleichlich schöne Natur in dieser Küstenregion in sehr ernster Gefahr.