| Ein Zubringerbus bringt die Leute ohne Auto schon gegen 5:00 Uhr zum Hafen |
Die planmäßige Abfahrt ist um 7:31 Uhr. Wir haben mittlerweile gelernt, die ungeraden Zahlen ernst zu nehmen. Die Uhrzeit erinnert uns an die übertriebene Genauigkeit der Höhenangaben an hiesigen Brücken: 5,09m, 5,21m oder 5,20m haben wir auf der Fahrt gestern gesehen. In Deutschland würden Höhen über fünf Meter wahrscheinlich ohnehin nicht ausgezeichnet werden, weil Fahrzeuge einfach nicht so hoch sind. Hier hingegen kommt das vor. Doch wie mag sich ein LKW-Fahrer fühlen, der unter der letzten 5,21m hohen Brücke gerade so noch durchgekommen ist, nach weiteren 75,8 km dann jedoch vor einer Brücke steht, die mit 5,20m ausgezeichnet ist? Wir wissen es nicht, erreichen aber pünktlich zwei Stunden vor Abfahrt den Hafen um 5:31 Uhr.
| Die "Northern Expedition" liegt hell erleuchet an ihrem Anleger |
| Das Bugtor ist einladend offen - doch bis Autos und Fußgänger an Bord dürfen, dauert es noch eine Stunde. |
Hier am friedlichen Kai von Port Hardy sind die Wohnmobile deutscher Machart jedoch wie gesagt in der Mehrzahl. Später auf dem Schiff treffe ich eine Wohnmobilreisende vor dem Purser´s Office auf Deck 4. Draußen hat sich gerade der Nebel gelichtet und es zieht eine wunderbare Küstenlandschaft vorbei. Die Frau fragt den Purser in breitestem Bayerisch, ob er
deutsch spricht. An dieser Stelle möchte ich mich eigentlich schon einmischen
und zurückfragen, ob sie selbst nicht ein vernünftiges Deutsch sprechen kann.
Doch der freundliche Purser kommt mir zuvor und antwortet in perfektem Deutsch
mit leichtem bayerischen Dialekt: „Ja, selbstverständlich. Womit kann ich
helfen?“
Ob es denn an Bord ein Kino gäbe, möchte die Frau wissen.
Ich frage mich, wozu sie diese nicht ganz billige Fahrt gebucht hat, wenn sie
eigentlich nur einen Film ansehen möchte. Der Mann antwortet: „Hinten gibt es
die Raven Lounge. Im Moment läuft auf den Monitoren dort aber nur das
Fernsehprogramm.“ Die Frau fragt zurück: „Das ist aber in Englisch, oder?“ Das
Leben im Ausland ist hart für die Bayerin. Sie verabschiedet sich dennoch
freundlich mit: „Danke, gell."Diashow von der Fahrt durch die Inside Passage nach Prince Rupert
Auf der Fahrt sehen wir immer wieder Wale. Der Käpt´n macht dann meist eine Durchsage, woraufhin viele Passagiere an die Reling stürzen. Das Schiff verlässt bald die offenen Gewässer des Queen Charlotte Sounds und fährt in immer engere Buchten und Kanäle. Ab und zu kommen wir an Leuchttürmen vorbei, selten an Ortschaften. Es gibt einen einzigen Stopp in Bella Bella. Der Ort wird weitgehend von der Fähre versorgt. Heute wird ein Container ausgeladen; wenige Fahrzeuge und einige Fußgänger kommen an Bord. Die Prozedur zieht sich hin. Draußen springen zahllose Hechte aus dem Wasser. Einige Passagiere versuchen, sie im Sprung zu fotografieren, doch das ist schwierig. Die Frau im Sitz vor uns zeigt ihrem Mann ein offenbar besonders gelungenes Foto: "Da schau her, so aan Kawentzmann." Ich hole auch meine Kamera heraus und zeige Birgit das letzte Bild, das zufälligerweise die Heckklappe der Fähre zeigt: "Guck mal, so ein Riesending - und so weit aus dem Wasser!", sage ich stolz. Birgit lacht und stößt mich an. Ich solle mich nicht lustig machen über unsere Mitpassagiere. Egal. Wir kommen trotzdem ins Gespräch mit den Vordersitzern, einem Paar aus Bayern. Sie wollen mit dem Auto bis nach Banff weiter fahren.
| Im Grenville Channel bessert sich das Wetter wieder |
Irgendwann sind wir wieder hungrig. Die "Northern Expedition" verfügt neben dem Vista Restaurant, wo wir heute morgen gefrühstückt haben, noch über das Canoe Café. Es ist die etwas günstigere Alternative. Andererseits gibt es im Restaurant ein Buffet, an dem man so viel essen darf wie man kann. Also entscheiden wir uns für das Vista Restaurant. Es gibt sehr guten Fisch, Fleisch und ein Dessertbuffet. Mittlerweile sind wir in den Grenville Channel eingefahren, einen sehr engen, 70 Kilometer langen fjordähnlichen Abschnitt der Reise. Das Wetter bessert sich wieder. Wir sehen sogar noch die Sonne. Doch zum Ende des Tages zieht sich die Fahrt dann doch etwas hin. Nach Einbruch der Dunkelheit gibt es draußen kaum etwas zu sehen. Birgit hat sich im Bordshop einen Krimi gekauft. Die Handlung spielt in Berlin und Nazis - so verspricht der Klappentext - sollen eine tragende Rolle spielen. Allerdings ist im Buch dann ständig von Erich Mielke und dem Ministerium für Staatssicherheit die Rede. Stasi - Nazi? Da kann man ja schon einmal durcheinander kommen...
Kurz vor 23:00 Uhr sind durch die Panoramafenster der Aurora-Lounge viele Lichter zu sehen. Prince Rupert? Nein, wir müssen uns noch etwas gedulden. Es ist nur der riesige Tiefsseehafen für die großen Container- und Frachtschiffe. Erst eine halbe Stunde später erreichen wir den Fährhafen. Nach kurzer Fahrt kommen wir an unserem Hotel an. An der Rezeption treffen wir das Paar aus Bayern wieder, das auf der Fähre vor uns gesessen hatte.

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