
Das alte Hotel Hintermoos
Heute lerne ich an der Bar im Hotel Hintermoos Uwe kennen. Er war 1973 das erste Mal hier, damals als Übungsleiter einer Hochschulsport-Gruppe der TU Berlin. Ein Vorgänger aus der Pionierzeit!
Er erzählt davon, wie es damals lief im alten Hotel Hintermoos, das heute noch als Ruine gegenüber dem modernen Haus steht: Die Berliner führten das gemeinsame Duschen von Frauen und Männern ein. Auch auf der Piste wehte frischer Wind: Die dominante Stellung des Skilehrers sollte abgebaut werden. Er wurde weitgehend ersetzt durch einen Zettelkasten, der Anweisungen und Korrekturkarten enthielt. Das System nannte ysich programmierte Instruktion: Die Schüler/innen zogen eine Karte mit einer Anweisung aus dem Kasten und machten die Übung in einem mit Fähnchen abgesteckten Lernparcours. Bei richtiger Ausführung durften sie die nächste Karte ziehen. Klappte es nicht, war es die Aufgabe des Skilehrers, ihnen je nach Art des Fehlers eine passende Korrekturkarte zu nennen, "ziehe 4b", zum Beispiel. Nie jedoch durfte der Fehler selbst benannt werden - z.B. "falsche Belastung" -, da dies die selbständige Erarbeitung des Lernstoffs stören könnte. Immer wieder passierte es, dass sich der Skilehrer in der Nummer irrte und die Leute dann unsinnige Übungen machten.
Das System durfte hingegen nicht kritisiert werden. Zweimal wurde Uwe suspendiert, einmal, weil er sich kritisch zum Konzept geäußert haben sollte, einmal wegen "Brüllens am Hang". Jedes Mal wurde ihm dann sein Bettzeug vor das Hotel gelegt, doch jedesmal wurde er später wieder herein geholt, weil man ihn letztlich brauchte.
Denn andere Skilehrer waren zwar linientreuer, fuhren mitunter aber schlechter Ski als ihre Skigruppen, und so setzte sich der dominante Typ schließlich doch durch...
Die damaligen Gruppenleiter hingegen behielten die ideologische Linie auch außerhalb des Skikurses fest im Blick. Einmal musste die Siegerehrung eines Spaßrennens verschoben werden, weil die Gruppenleiter noch bei einem Treffen mit der örtlichen K-Gruppe weilten - Prioritäten mussten eben akzeptiert werden...
Amüsiert nahm ich zur Kenntnis, dass einige Fragmente des damaligen Konzepts bis heute überlebt haben: Der Wechsel der Skilehrer zur Wochenmitte etwa. Heute machen wir ihn, um Abwechslung in unseren Kursalltag zu bringen, damals sollte diese Maßnahme eine allzu große Vertrautheit und damit mögliche Dominanz des Skilehrers verhindern.

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