15 März 2012

Skiverrückter Keun Kyong


Einführung in die österreichische Küche: Keun Kyong mit Kaiserschmarrn

Vor einiger Zeit bekam ich eine Mail von einem koreanischen Austauschstudenten, der gern an allen drei Skikursen der TU Berlin im März teilnehmen wollte. Er wäre Weihnachten schon für zwei Wochen in Sankt Anton gewesen und im Februar in Zermatt, doch nun fehle ihm der Anschluss. Da ich nicht sicher war, ob er die nur auf deutsch veröffentlichten Reisebeschreibungen und Skipasskosten richtig verstanden hatte, lud ich ihn zu einem persönlichen Kennenlernen ins Büro ein. „Prima Idee“, schrieb er mir eines nachts gegen zwei Uhr auf englisch zurück: Er sei derzeit noch nicht zu betrunken und deshalb könne es mit dem Termin morgen etwas werden, vorausgesetzt er käme rechtzeitig aus dem Bett...
Am Nachmittag des nächsten Tages stand der tatsächlich bei mir vor der Tür, als ich von der Kaffeepause zurück kam. Er versicherte mir, dass das Geld für drei weitere Skiwochen kein Problem sei. Leider war aber die erste Woche schon ausgebucht und bis zum Abreisetermin stornierte auch niemand mehr.
Seit letzter Woche ist er nun aber mit dabei. Sein Name sei Keun Kyong, sagte er uns am ersten Tag. Da wir das aber sowieso nicht aussprechen könnten, sollten wir ihn ruhig King Kong nennen...



Er fiel mir sofort durch seine besondere Fahrweise auf: Die Beine sehr eng, die Arme ausgebreitet, fährt er auf seinen japanischen Skiern einen sehr sauber gecarvten mittelgroßen Schwung. Seine Geschwindigkeit ist stets sehr kontrolliert und nahezu konstant. Mich wunderte, dass er trotz dieser präzisen Fahrweise mitunter aus heiterem Himmel stürzte – oft dann, wenn unerwartete Hindernisse auf der Piste auftauchten. Meist stand er aber schnell wieder laut lachend auf. Ich fragte ihn, wie lange er schon Ski laufe: Erst zwei Jahre, war die Antwort, dafür aber etwa 60 Tage im Jahr. Das erklärte die gelegentliche Unsicherheit.
Eines Abends zeigte er mir einige Videos des nationalen koreanischen Ski-Demonstrationsteams. Mir fiel sofort die verblüffende Ähnlichkeit der Fahrweisen auf. Es schien, als ob Keun Kyong das Nationalteam bis in die Feinheiten des Stockeinsatzes hinein kopiert hatte. Schnell verwarf ich meine Beobachtung dann aber wieder als typisches Vorurteil eines Europäers gegenüber einem Asiaten.
Gestern jedoch nahmen wir uns gegenseitig auf Video auf. Abends erwischte Keun Kyong dann dabei, wie er auf seinem Laptop zwei Filme in verschiedenen Fenstern parallel laufen ließ: Der erste zeigte das koreanische Demo-Team, das zweite ihn. Die Ähnlichkeit in Bewegungsausführung und Rhythmus war verblüffend.
Er ist ein absolut skiverrückter lustiger Typ und es ist schön die Skikultur anderer Länder kennenlernen zu dürfen.

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