29 Juli 2006

Pausa!

Es ist Ruhetag in Tattone, nahe Vizzavona. Axel und Harald sind mit dem Zug, der direkt am Campingplatz hält, nach Corte gefahren. Gerd ist mit Uwe, Michael, Dennis und Steffen zum Klettern in die Nähe von Canaglia gefahren. Ich erhole mich etwas auf dem Campingplatz: Wäsche waschen (dabei repariere ich gleich auch noch einen verstopften Abfluß im Waschhaus; scheinbar müssen Ingenieure immer irgendwo fummeln - und nach einer Woche GR 20 macht sich bei mir der Technikentzug bemerkbar), Wanderstöcke reparieren, Mittagsschläfchen halten.
Die gestrige Etappe war sehr lang, aber wunderschön. Der Weg hinauf zur Brèche de Capitello lief sich im Schatten sehr gut. Erst als wir oben waren, standen wir plötzlich in der Sonne.
Dort eröffnete sich uns ein beeindruckender Ausblick auf den Lac de Capitello und den Lac de Melo. Scheinbar liegen beide Seen auf gleicher Höhe. Doch die Perspektive täuscht, der Lac de Melo liegt nahezu 200 Meter tiefer. Der weitere Verlauf des GR 20 ist von der Brèche de Capitello aus ebenfalls gut zu überblicken: Im weiten Bogen zieht er sich rechter Hand nahe dem Grat Richtung Südosten. Beim Abstieg waren wiederum Kletterstellen zu überwinden.
Es gibt nicht viel Wasser hier oben. Eine Quelle war versiegt; eine weitere auf etwa 2070 m Höhe bot uns vor dem Aufstieg zum Col de la Haute Route die Möglichkeit, die Flaschen zu füllen. Oben angekommen machten wir Mittagspause und blickten noch einmal zurück nach Norden, zur Grande Barriere, wo unsere Wanderung gestartet war.
Dann begann der anstrengende Abstieg. Bis hinunter in den Wald stiegen wir über Geröll und mussten auf jeden Schritt achten. Etwas ganz anderes, als die leichte Etappe zuvor. Ich sehe den ganzen Tag nur Steine: große Steine, kleine, runde, kantige, rutschige bewachsene Steine, Schotter. Ständig suche ich nach dem besten Pfad oder dem nächsten rot-weißen Zeichen. 95 Prozent der Zeit scanne ich die nahe Umgebung. Dennoch bleiben am Ende die Fernblicke und das Bad im Gumpen in Erinnerung.

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