08 September 2013

Von Castrovalva nach Scanno

Die letzte Etappe unserer Abruzzen-Wanderung steht an. Sie ist ein Höhepunkt und führt uns vom Bergdorf Castrovalva nach Scanno.

Aus Kroatien/Abruzzen

Castrovalva

Zunächst jedoch noch eine Bemerkung zur Unterkunft in Castrovalva: Unser sympathischer kleiner Reiseveranstalter Born & Hennig Wanderreisen hatte uns gewarnt: Einige Gäste hätten sich über die kärgliche Verpflegung in Castrovalvca beschwert. Wir fanden gestern ein zwar kleines, aber ordentliches Zimmer im Agriturismo vor und eine Wirtin, die sehr bestimmt auftrat und sich bei uns bald den Spitznamen "ehrenamtliche Bürgermeisterin" erworben hatte. Sie war von einem Menschenschlag, wie er recht oft im Gebirge anzutreffen ist - egal in welchem Land oder Kontinent: ressourcenbewusst, lösungsorientiert, gastfreundlich - und sehr fleißig.
So auch unsere Wirtin: Sie betreibt neben dem Agriturismo noch die ein paar Häuser weiter gelegene Bar des kleinen Ortes. Wir tranken dort noch unser Bier, als sie sich plötzlich entschuldigte: Sie müsse jetzt hinüber und unser Essen vorbereiten. Dort servierte sie und bald darauf zwei Gänge - Nudeln mit Pilzsoße und Lammfleisch mit Salat - hinterher gab es Obst; Alles sehr lecker, bester Qualität und ausreichend. Auch hier verabschiedete sie sich vorzeitig: Sie müsse wieder in die Bar, dort würde ein Geburtstag gefeiert. Wir sollten nach dem Essen alles stehen lassen und das Licht im Raum ausmachen. Der Sohn von Claudio - offenbar eine Bekanntheit im Ort - feierte bis spät ind die Nacht. Um zwei sei erst Schluss gewesen, erklärt unsere Wirtin heute morgen und entschuldigt den noch leicht unaufgeräumten Speiseraum. Das Frühstück war ausreichend, italienisch süß zwar, aber mit sehr gutem Kaffee - und davon so viele Tassen wie wir wollten. Abgesehen davon, dass die Auswahl an Unterkünften in dem kleinen Ort nicht sehr groß ist: das Agriturismo ist unserer Meinung nach allemal eine Empfehlung wert, zumal der Ausblick und der Sternenhimmel im "Adlerhorst" unvergleichlich sind.

Aus Kroatien/Abruzzen


Von Castrovalva aus steigen wir also heute zunächst steil den Berg hinauf. Nach anderthalb Stunden erreichen wir die Passhöhe und mit etwas über 1200 m Meereshöhe den höchsten Punkt des Tages. Genau auf diesem Punkt finden wir - einen SUV. Einige Meter daneben sitzt eine muntere Picknickgesellschaft, die - Waldbrandgefahr hin oder her - ein stattliches Lagerfeuer entzündet hat und es sich gut gehen lässt.

Aus Kroatien/Abruzzen


Bald stoßen wir auch auf den Betonweg, der von der anderen Bergseite her auf den Pass führt und über den das unvernünftige Auto hinaufgesteuert worden war. Der Blick hinunter auf den Lago die Scanno und das Örtchen Scanno ist schön - aber die Schattenseiten des Tourismus werden uns von nun an nach Tagen der Bergeinsamkeit wieder begleiten.

Aus Kroatien/Abruzzen


Schon von weitem hören wir das Knattern von Geländemotorrädern. Zwischen den Ruinen des verlassenen Dorfes Frattura Vecchio stehen Pickups und weitere SUVs. Eine Gruppe von fünf oder sechs Mobilitätsfans lädt die absurde Menge von drei Fünfliter-Kanistern Rotwein aus einem Fahrzeug und deponiert sie zur Kühlung im einstigen Dorfbrunnen. Wie die wohl mit ihrem Gefährt den Berg wieder herunter kommen, wenn jeder über zwei Liter Wein intus hat?
Aus Kroatien/Abruzzen

Ruine in Frattura Vecchio

Wir füllen unsere Flaschen an der Quelle auf (mit Wasser wohlgemerkt) und gehen schnell weiter. Einige der Ruinen werden derzeit aufwendig - und wie man hört: denkmalgerecht - wieder aufgebaut. Wenn dann anschließend nur auch etwas naturverbundenere Gäste kommen würden...
Aus Kroatien/Abruzzen

Der schöne Wanderweg führt bald am neuen Ort Frattura vorbei. Er wurde errichtet, nachdem ein Erdbegen Anfang des 20. Jahrhunderts den alten Ort zerstört hatte. Von ihrem Glauben hat die Katastrophe die Leute offenbar nicht nachhaltig abbringen können: Heute wird gerade eine Prozession durchgeführt. Sie endet mit Kanonenschüssen und eindrucksvollem Gedonner, das wir noch hören, als wir bereits tief in den Wald hineingewandert sind. Der Weg windet sich in weitem Bogen um Scanno herum. so als wolle er die Wanderer warnen: Wollt Ihr wirklich da unten hinunter in den Hexenkessel?
Scanno
Aus Kroatien/Abruzzen

Von oben wirkt Scanno malerisch und einsam. Doch als wir tiefer kommen, hören wir schon den Lärm vieler Motorräder. Der kleine Ort ist voll in der Hand der Biker, die lärmend die kurvenreichen Straßen rauf und runter brausen. Selbst im historischen Zentrum jagen sie knatternd die Fußgänger von der Straße - und das, obwohl in Italien die Innenstädte doch mittlerweile fast auf hysterische Weise autofrei gehalten werden...
Wir finden immerhin eine sehr stilvolle Unterkunft vor: Das Hotel Roma besticht durch schöne Möbel und Antiquitäten. Unser Zimmer hat ein riesiges Bad mit luxuriöser Dusche, die wir nach der anstrengenden Wanderung ausgiebig nutzen.

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