07 September 2013

Ins Bergdorf Castrovalva

Der Bahnhof von Sulmona: Hier verlassen wir die Stadt - zu Fuß, wie Ovid, der berühmteste Sohn der Stadt, der - obwohl man ihm später viele Denkmäler erichtet hat - im Jahre 8 n.Chr. verbannt wurde
Von Sulmona aus laufen wir heute in südlicher Richtung größtenteils entlang des Flusses Sagittario. Der Mensch hat neben dem Flussbett weitere Verkehrsadern angelegt. Zuerst die Eisenbahn, später - etwas höher am Hang - die Autobahn.
Der Fluss...
...die Eisen-...
...und die Autobahn begleiten uns auf unserer heutigen Wanderung,...
...die uns langsam von einer Kulturlandschaft in die Berge führt.
Es ist sehr heiß und wir wandern anfangs nahezu eben, aber manchmal leider auch ohne Schatten, immer weiter in die Berge hinein. Das Tal verengt sich, die Landschaft wird wilder. Wir kommen an einem kleinen Stausee vorbei, der still da liegt in einer unglaublich intensiven türkisen Farbe. Kurz darauf laufen wir an einem schönen alten Wasserkraftwerk vorbei, ein Hochdruckkraftwerk, das zusätzlich oberhalb des Sees errichtet wurde.
Unglaubliche Farben: Der kleine Stausee am Sagittario
Industriedenkmal: Ein altes Hochdruck-Wasserkraftwerk
Nach einem kleineren Anstieg erreichen wir - ohne auf dem ganzen Weg mehr als eine Handvoll Menschen getroffen zu haben - das malerische Bergdorf Anversa degli Abruzzi. Anders als die Dörfer, die wir bisher in den Bergen kennengelernt hatten, wirkt es belebt und fast ein wenig touristisch. Das mag auch daran liegen, dass es einmal auf einer Liste der schönsten Dörfer Italiens gelandet ist - man weiß es nicht. Die Sehenswürdigkeit des Orts ist - neben den landesüblichen Kirchen - ein kleiner Park, den der WWF angelegt hat. Die Naturschutzorganisation nennt ihn "Oasi". Bedeutender als der Park, der für uns Wanderer ein paar Picknickbänke bietet, ist wohl die Tatsache, dass das umliegende Gelände vom WWF gekauft wurde und nun als Schutzraum für bedrohte Arten dient.
Anversi degli Abruzzi
Vom Park aus führt ein knackiger Anstieg zu unserem heutigen Etappenziel: Castrovalva. Der Ort liegt auf einem Felsen, der nur von einer seiner beiden Schmalseiten aus zugänglich ist.
Castrovalva
Die wenigen Häuser des Ortes sind hier oben ebenfalls sehr gut gepflegt und wirken bewohnt. Als wir ankommen, riecht es in den engen Straßen stark nach frischer Farbe. Ich gehe dem Geruch nach und treffe auf eine alte Frau, die gerade ihre Haustür streicht.
Überall wird gemalert und gewerkelt in Castrovalva
Überhaupt scheint man hier auf glänzende Oberflächen - wie vielfach in Italien - großen Wert zu legen. Schon kurz vor dem Ortseingang fallen uns die Leitplanken auf. Sie wurden mit einer Holzoptik ausgestattet. Nur gut, dass das die Euroskeptiker und die Bildzeitung bei uns nicht mitbekommen haben...
In der Bar des kleinen Ortes herrscht Hochbetrieb. Alle Stühle sind besetzt, doch als wir kommen, springt eine Frau auf und bietet uns ihren Tisch an. Es ist unsere Wirtin, sie betreibt gleichzeitig die Bar. Am Nebentisch sitzt ein auffälliger Mann fortgeschrittenen Alters mit einem weißen Nadelstreifenanzug. Darunter trägt er ein helles Hemd, das fast komplett aufgeknöpft ist. Um den Hals glitzert eine Goldkette. Sein immer noch kräftiges Haar ist gefönt, wahrscheinlich mit Festiger behandelt und in jedem Fall blondiert. Eine reizende Erscheinung. Wir sind gerade leicht verschwitzt in unseren Outdoorklamotten hier angekommen und fragen uns, wie der Mann es geschafft hat, dass sein Anzug immer noch so makellos weiß ist...
Leider verstehen wir nicht viel von der Dorfunterhaltung. Allein die Gesten sind großartig. Einer der Männer steht jedesmal auf, wenn er etwas zu sagen hat - wunderbar theatralisch...

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