05 September 2013

Über den Forca di Penne

Der blaue Planet: Blick bis zum Meer
Die heutige Etappe unserer Abruzen-Wanderung führt durch das bisher vielleicht schönste Teilstück der Tour. Wir verlassen gegen 9:45 Uhr mit etwas Wehmut den sehr schönen Agriturismo von Capodaqua und steigen zunächst etwa eine Stunde lang sanft durch einen schönen Wald an. Es ist so früh morgens schon recht heiß und so genießen wir den Schatten des herrlich duftenden Waldes.
Nach anderthalb Stunden ist die Paßstraße zur Forca di Penne erreicht. Drei schon recht betagte Herren überholen uns - bunt bekleidet - mit ihren Rennrädern. Wir unterhalten uns kurz, einer pinkelt beherzt hinter die Leitplanke, von wo aus es einen atemberaubenden Ausblick auf das Sasso-Gebirge, das Tirino-Tal und die Maiella gibt.
Hier haben wohl vorher auch Andere schon die Hosen herunter gelassen. Ich finde ein Smartphone im Gras, das möglicherweise bei einer solchen Aktion verloren wurde. Es ist etwas verdreckt, liegt aber offenbar noch nicht so lange dort. Wir stecken es ein und gehen weiter.
Ganz schön viele Höhenmeter und ein knackiger Abstieg
Es folgt eine Wanderung entlang des Kamms, durch Wiesen. Wälder und mit Blick bis zum Meer. Zum Teil ist der Abstieg recht knackig. Er führt uns in das kleine Dorf Pescosansonesco. Es sind kaum Menschen zu sehen. Am Straßenrand steht nahe des Ortsausgangs ein altertümliches landwirtschaftliches Gefährt, für das Menschen aus dem Rheinland wahrscheinlich sofort die schönen Fachwörter Nuckelpinne oder Öttelpöttel eingefallen wären. Darunter liegt ein Hund, der uns müde anschaut: "Na, bist Du ein braves Hündchen," beginnt Birgit die Konversation - nachdem wir zuvor bereits recht nervig bellende und drohende Exemplare der Gattung kennengelernt hatten. Plötzlich antwortet eine Frauenstimme aus dem Hintergrund: "Da haben Sie aber Glück, dass dieser Hund deutsch versteht!"
Die Hundebesitzerin haben wir bisher gar nicht wahrgenommen. Sie ist Deutsche und mit ihrem aus dem Dorf stammenden Mann in dessen Heimat gezogen. Er war vorher über vierzig Jahre in Deutschland, wo sich die beiden kennengelernt und eine Existenz aufgebaut hatten. Nun fangen sie hier erneut an. Etwas einsam sei es hier: "auch nicht ganz das Wahre", sagt uns der Mann. Die Enkel sind alle in Deutschland. Andererseits sei es hier im Sommer wie im Paradies: "Du gehst ein paar Schritte, pflückst hier eine Feige vom Baum, da eine Pflaume, dort die Brombeeren. Bald kommt der Wein..."
Reiche Ernte in Pescosansonesco

Das Dorf war nicht immer so klein, erzählt er uns. In den dreißiger Jahren riss ein Erdrutsch große Teile fort. Die Katastrophe kam nachts - ohne Vorwarnung für die schlafenden Menschen. Auch das Haus seiner Mutter sei teilweise zerstört worden. "Wir haben danach hier unten gewohnt", sagt er und deutet auf eine Ruine. Das Dach fehlt, einzelne Wände sind einestürzt. Dennoch zählt er uns auf, in welchen Zimmern wer gewohnt hat. "Nur die Oma musste etwas weiter da hinten leben - ging nicht mehr". Heute hat er im Nachbardorf ein Haus. Das alte Anwesen der Familie verfällt weiter.
Abstieg nach Torre de´ Passeri
Wir steigen ab nach Torre de´ Passeri, von wo uns ein Zug nach Sulmona bringt. Dort erwartet uns ein sehr stimmungsvolles Bead&Breakfast, das in einem alten Kloster eingerichtet wurde.

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