22 Dezember 2010

Kalte Butze


Unsere Ferienwohnung in Olbernhau ist schön. Doch leider hat die Vermieterin erst wenige Stunden vor unserer Ankunft die Heizung angestellt…
Nach der gestrigen Fahrt im kalten Renault friert Birgit schon den ganzen Morgen. Auch draußen ist es nicht besser: Der Erkundungsspaziergang durch das nette kleine Städtchen findet im Nieselregen statt. Große Schneehaufen bedecken die Gehwege, die nur noch schmale Stiege sind.. Von den Dächern rumpeln dann und wann Lawinen oder brechen gigantische Eiszapfen ab.
Doch anders als der Berliner oder Brandenburger ist der Sachse scheinbar ein fleißiger Zeitgenosse. Jede freie Minute steht er an der Straße und schippt den Schnee vor seinem Haus weg. Nur wissen die Leute schlicht nicht mehr, wohin mit dem Zeug. Wir sehen sogar Lastwagen, die ganze Ladungen aus der Stadt hinaus fahren.
Wieder zuhause im kalten Heim, macht Birgit es sich – dick eingemümmelt in die Bettdecke - vor dem Fernseher gemütlich. Ich verkrieche mich ins Bett mit Frau Jenny Treibel. Das ist, wohlgemerkt, eine alte Schachtel aus einer Erzählung von Theodor Fontane. Ich fand das Buch hier in der Bibliothek und es überzeugte mich gleich – erstens wegen seiner überschaubaren Länge von nur zweihundert Seiten und zweitens wegen seines ersten Satzes („An einem der letzten Maitage, das Wetter war schon sommerlich, bog ein zurückgeschlagener Landauer vom Spittelmarkt her in die Kur- und dann in die Adlerstraße ein und hielt gleich danach vor einem, trotz seiner Front von nur fünf Fenstern, ziemlich ansehnlichen, im übrigen aber altmodischen Hause, dem ein neuer, gelbbrauner Ölfarbenanstrich wohl etwas mehr Sauberkeit, aber keine Spur von gesteigerter Schönheit gegeben hatte, beinahe das Gegenteil“): Ein Autor, der sich einen derart drögen Einstieg leisten kann, muß im Rest des Buches einfach gut sein – sonst hätte er wohl nie einen Verleger gefunden.

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