Als ich im vorletzten Jahr das Nachtreffen eines Skikurses einmal über Monate verschleppt hatte, lud ich die Leute irgendwann Ende April einfach ein zum gemeinsamen Grillen in den Volkspark Friedrichshain. Eine der Teilnehmerinnen, eine Mitarbeiterin im Bezirksamt, kam zwar gerne, wies mich aber darauf hin, dass das Grillen dort eigentlich nicht gestattet sei. Ich hatte mir darüber nie Gedanken gemacht und da an jeder Ecke im Park gegrillt wird, nahm ich an, dass es okay sei.
Wie naiv!
Seit Tagen beobachte ich nun mit Birgit das lebhafte Treiben auf der Plaza vor der ehrwürdigen Kirche Notre Senora de la Pena de Francia. Die Plaza ist im Vergleich zum Volkspark winzig: 16 große Palmen, drei Vogelbeerbäume, ein großer Baum einer mir unbekannten Gattung, 15 Laternen, knapp 20 Parkbänke (das bedeutet, dass nicht jede Parkbank beleuchtet ist, ein großer Standortvorteil, den die spanische Jugend zu schätzen weiß!), ein Brunnen, eine Büste, eine Gedenktafel – fertig.
Da unser Balkon direkt auf die Plaza weist, sind wir mittlerweile nicht nur mit den verschiedenen Geräuschen vertraut, die aus den nächtlichen Aktivitäten der Vergnügungssüchtigen resultieren, sondern auch mit dem Lärm derjenigen Tätigkeiten, die der Erhaltung der Plaza dienen.
Da ist zuallererst das morgendliche Schrab Schrab Schrab der Plaza-Feger. Um 6:15 Uhr fängt es an – eine Uhrzeit, zu der die Ein-Euro-Jobber vom Grünflächenamt Friedrichshain-Kreuzberg noch in den Federn liegen (was ihnen von Herzen gegönnt sei. Schlimm ist vielmehr, dass gelernte Gärtner durch unterbezahlte Kräfte ersetzt wurden).
Dann wird der Platz gespritzt, vom Müll befreit oder – wie gestern – mit schwerem Gerät bereinigt. Ein Hubkran wurde eingesetzt, um die Palmen zu beschneiden, einem Vogelbeerbaum wurde mit rüder Gewalt zugesetzt und verschiedentlich musste sogar die Motorsäge ran. Heute schließlich wurde der Rasen mit einer motorisierten Sense gestutzt und anschließend mit Laubwegbläsern über den Platz geblasen und aufgesammelt.
Wer immer das lebhafte Treiben auf einer spanischen Plaza in den Nachmittags-. oder Abendstunden erlebt hat, kann sich schwer vorstellen, wie viel Arbeit die Pflege einer solchen Anlage macht. Zwar wird uns Deutschen mitunter eine gewisse Verkniffenheit unterstellt - die ich hin Bezug auf den Volkspark Friedrichshain uebrigens nicht bestaetigen kann. Sicher ist hingegen: dass es auf spanischen Plazas angeblich so viel lockerer zugeht, halte ich - ueber den gesamten Tag gesehen - ab jetzt für ein Gerücht.

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