07 Februar 2007

Kinderskikurs

Mein erster Einsatz als Jugendskileiter war ein Kinderkurs. Ich war kaum darauf vorbereitet, denn in der Ausbildung hatten wir es immer nur mit Erwachsenen zu tun - mit Akademikern zumal. Es war schrecklich. Noch bevor ich mit der Gruppe überhaupt den ersten Schwung gefahren war, musste ich die Bergrettung alarmieren. Ein Junge war schon bei der Auffahrt aus dem Schlepplift gefallen und behauptete nun, nicht mehr laufen zu können. Das Bein war nicht gebrochen, so viel schien klar. Doch das Kind machte einen abwesenden Eindruck und faselte zudem etwas von einer Blutvergiftung, die er kurz vor der Reise gehabt hätte. Also ließ ich ihn von den Rettern zurück zum Bergrestaurant bringen. Dort erholte er sich etwas und erzählte: Seine Mutter war nicht mit auf der Reise. Er sei mit einem Freund unterwegs. Dessen Mutter interessierte sich jedoch nicht sonderlich für das Kind und auch eine mitgereiste Ärztin wollte zunächst ihren Cappucino austrinken, bevor sie sich das Bein des Jungen ansah. Er hatte letztlich keine ernsthafte körperliche Verletzung. Er fühlte sich nur einsam und nicht gemocht.
Das ist jetzt nahezu zehn Jahre her und seither habe ich jedes Jahr Kinderkurse gegeben. Es sind die besten Schüler/innen, die es gibt. Unter meinen erwachsenen Kursteilnehmer/innen sind viele Stammgäste, die jedes Jahr auf einem ähnlichen Stand anfangen. Bei Kindern sind Lernerfolge jedoch sehr schnell zu sehen - und es ist spannend, Entwicklungen über die Jahre zu verfolgen. Auch geben Kinder sofort eine Rückmeldung, wenn ihnen etwas nicht gefällt. Sie machen nicht irgendwelche albernen Übungen ohne zu murren auch nur eine Viertelstunde mit, wenn sie ihnen nicht gefallen.
Zwar bestehen Kinder häufig noch auf dem antiquierten "Schlange fahren" und streiten sogar darum, wer als erste/r hinter dem Skilehrer fahren darf. Doch andererseits gibt es nichts Schöneres, als wenn man eine gute Spur - eventuell mit Gegenhängen und Hubbelstrecke - gefunden hat und eine johlende und kreischende Kinderschar fährt hinter einem her.

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