06 Februar 2014

Rambazamba

Mittagspause auf der Anratter Hütte. es liegt viel Schnee auf dem Dach.
... Zierde des gemütlichen Gastraumes sind die auf antik getrimmten Lampen.
Meine kleinen Skikursteilnehmerinnen müssen unterdessen erst einmal ausfechten, wer die Stärkste ist...
... Es geht zu, wie in einem Berliner Klassenzimmer. Plötzlich: Ein lautes Klirren vom Nachbartisch. Die Jungs dort sitzen unvermittelt im Scherbenregen...
... Die Antik-Lampe strahlt jetzt im zackigen Berlin-Style. Eine fliegende Brotdose wurde ihr zum Verhängnis. Eine Mutter hatte sie ihrem Sohn zuwerfen wollen, weil das bestellte Essen so lange auf sich warten ließ.
Frisch gestärkt geht es durch den Tiefschnee.
Vier Mädchen und drei Jungs sind in meiner Gruppe...
... Gemeinsam füllen wir also...
... genau eine Gondel ...

...der Gitschberg/Jochtal-Bergbahnen.
Die Snowboarder/innen freuen sich am Ende des Kurses über einen wunderschönen sonnigen Tag mit traumhaftem Pulverschnee...
Doch sie haben nicht mit der überschüssigen Energie der Mädchen aus meinem Kinderkurs gerechnet,
...die die großen Snowboarder schnell in eine engagiert geführte Schneeballschlacht verwickeln.

05 Februar 2014

Armin

Pulverschnee: Seit Tagen schneit es in Südtirol. Heute haben wir frei und können so viel fahren, wie wir wollen.
In der Gondel haben wir einen einheimischen Neunjährigen kennengelernt, der Leute sucht, die mit durch den Wald fahren. Da haben wir uns nicht lange bitten lassen...
Armin, so heißt der Junge, kennt die besten Strecken und fährt, als wenn seine Knochen aus Gummi wären...
... Auch Fredy hat seinen Spaß. Snowboard sei im Tiefschnee allerdings anstrengender, meinte Armin. ...

 ... Er ist ein fröhliches Kind, das nach der Schule oft allein skifahren geht. Nur einmal ärgert er sich, als seine Bindung beim Sprung von einem Hausdach aufgeht und er stürzt.
Ansonsten erfahren wir an diesem Nachmittag von ihm einiges über das dörflliche Leben in Meransen: Sein Vater arbeite unten im Tal an dem Skilift, nur 30 m von Zuhause entfernt. "Hmm," meine ich, "da ist es ja schlecht, wenn er mal Blaumachen will. Die Kollegen bekommen es ja sofort mit, wenn er dann zum Beispiel zu Hause den Rasen mäht." (Wobei meine Argumentation streng genommen darunter litt, dass im Winter gemeinhin nicht so oft der Rasen gemäht werden muss). "Nein," meinte Armin, "den Rasen mähe ich bei uns. Mit dem Traktor". Nicht genug damit: Wenn die Klingen stumpf sind, würde er sie mit der Flex wieder schärfen.
Ein richtiger Junge eben.Welchen Stellenwert Mädchen in dem Bergdorg haben, erfuhren wir indirekt, als wir den Neunjährigen fragten, ob er Geschwister habe: "Ja, zwei ältere Brüder - und eine Elfjährige".

04 Februar 2014

Skikurs und Spaß mit Margot Honecker

Heute fahre ich mit meinen sieben Kindern und Jugendlichen nach Vals. Die letzten beiden Tage waren wir mit unseren Ski- und Snowboardkursen in Meransen geblieben. Doch heute braucht es etwas Abwechslung.
Ich schreibe mir gern zur Vorbereitung eines Skikurses einige Stichworte auf, anhand derer ich den Unterricht gestalte. Meistens lassen sich die gern von Pädagogen und Theoretikern empfohlenen detaillierten Pläne mit ausgeklügelten Übungsfolgen in der Praxis nicht einhalten, weil Gelände, Schneebeschaffenheit, Wetter oder die Voraussetzungen der Gruppe oft nicht ideal dazu passen. Aber so ein paar grobe Notizen sind meiner Erfahrung nach oft ganz hilfreich. Der Rest ergibt sich dann aus Erfahrung und Intuition. Auf meinem Zettel stehen heute folgende Stichworte, die teilweise alternativ aufgerufen werden könnten:
"Belastungswechsel, Einbeiniges Fahren,
Oberkörper; Rotation abbauen;  bewusst über den Außenski bewegen
Stylish Fahren; Seitrutschen/Sliden, Ski aus dem Schuss quer stellen (Belastung dabei variieren); Slideplatte/Funpark"
Die Übungspiste in Vals ist ideal - aber heute leider sehr voll. Ich beginne mit Übungen zum Belastungswechsel, lasse die Kinder einbeinig fahren - erst in der Schrägfahrt, dann in der Kurve. Das Ganze geht etwas lustlos voran, deshalb fahre ich mit ihnen auch immer mal wieder in die Wellenbahnen neben der Piste. Spontan hänge ich auf der leichten Piste eine Lektion Winkelspringen an, was sich als die perfekte Übung für den Tag erweisen sollte.
Denn nach einer Abfahrt verlassen wir die überfüllte Übungspiste und fahren mit der Gondelbahn ins "große" Skigebiet hinauf. Oben herrscht schlechte Sicht. Mit dem Funpark wird es heute nichts, das merke ich gleich. Dafür liegen die Pisten voller Neuschnee - Powder!
Meine Schüler/innen müssen jetzt durch den Tiefschnee. Welche Freude. Sie können das Winkelspringen gleich anwenden. Wippend fahren sie durch den Schnee und versuchen erste schöne Kurven nahe der Falllinie. Die sonst etwas schüchterne Pia, eine der jüngsten aus der Gruppe, wacht richtig auf.
Die Kids haben so viel Spaß, dass wir gleich nach der Pause im hoffnungslos überfülten Gasthof "Zur Mühle" wieder in den Tiefschnee gehen. Die blaue Abfahrt Nr. 10 ist im oberen Teil komplett in tiefen Verwehungen versunken. Die Kinder kämpfen sich durch die Schneehaufen; Die Sicht beträgt wenige Meter, manchmal müssen wir die nächste Pistenmarkierung suchen.
Weiter unten verirre ich mich einmal etwas und lande in einem Flussbett, das sich neben der Piste befindet. Bevor ich stoppen und die Kinder warnen kann, steckt die erste auch schon fest. Doch die Kinder finden das lustig.
Der Skitag endet damit, dass einer der beiden größeren Jungs von den Anderen im Schnee eingegraben wird. "Habe ich mir doch gleich gedacht, dass das mein Junge ist", meint sein Vater, als er ihn abholen will...
Im Schnee vergraben: Ende des Skikurses
Abends im Hotel erlebt die Abkürzung "DDR" eine unerwartete Renaissance. Als ich während meiner üblichen Ansage frage, ob jemand noch die Bedeutung der drei Buchstaben kennt, meldet sich brav eine Schülerin: "Deutsche Demokratische Republik", sagt sie. "Falsch", antworte ich: "Ich meine heute Dance Dance Revolution!" Für dieses Computerspiel baut Benni anschließend seine Tanzmatten auf. Mit einem Beamer werden Tanzschritte an die Wand projiziert, die zwei Tänzer dann ausführen müssen. Wer die Kontaktflächen der Matten am besten trifft, bekommt die meisten Punkte. Das Spiel DDR ist bei den Kids ein echter Hit. Sie spielen es fast bis Mitternacht. Wenn Margot Honecker das wüsste...