30 August 2013

Nächtliche Überfahrt ohne Papst

Gleich drei große Autofähren verlassen heute abend den Hafen von Split in Richtung Ancona. Das Stilvollste ist natürlich unsere "Marko Polo" von Jadrolinija. Dabeben haben noch "Blue Line" und "SNAV" den Preiskampf eröffnet.
Diese drei Schiffe verlassen fast zeitgleich den Hafen von Split in Richtung Ancona

Die "Marko Polo" ist nicht sehr voll. Zwei Stunden vor dem Ablegen können wir einchecken. Für EU-Bürger gibt es eine halbherzige Ausweiskontrolle; Die Kroaten freuen sich, endlich zur EU zu gehören und wollen wohl keine großen Umstände machen.
Die "Marko Polo" läuft aus
Das Schiff ist für sein Alter in einem sehr guten Zustand. Nach dem Crash von 2009 ist es noch einmal umgebaut worden und ständig auf dem letzten Stand der europäischen Sicherheitsnormen gehalten worden. Auf dem Autodeck werden neuerdings beim Beladen Schotten eingesetzt, das Heck ist verändert worden; ein neues maritimes Rettungssystem erlaubt im Notfall den Einstieg in Rettungsinseln über Notrutschen vom Bootsdeck aus. Ein Teil der Rettungsboote konnte daher entfernt werden.
Die Fähre ist nicht sehr voll. Leute haben keine Schwierigkeit, einen Platz zum Schlafen zu finden.
Der Duty-Free-Shop mach allerdings eher einen traurigen Eindruck. Ich kannte ihn aus früheren Zeiten im Ostsee-Einsatz als bunt und verlockend. Heute gibt es vorwiegend Schnaps und Zigaretten, die Hälfte der Regale ist leer.
Die Einrichtung ist nahezu originalgetreu erhalten...
Nur eine Schiffskapelle haben die katholischen Kroaten in einem Teil des vorderen Salons neu eingerichtet...
Hartnäckig hält sich auch das Gerücht, der tote Papst sei einmal an Bord der "Marko Polo" gewesen - wohl, weil dieses Bild neben der Rezeption hängt. Es zeigt Johannes Paul II. allerdings auf einem anderen Jadrolinija-Schiff. Es ist der Karamaran, den er bei seinem Kroatien-Besuch 2003 bestieg, um von der Insel Krk nach Rijeka zu reisen.
An Deck geht es lustig zu. Erst machen die Passagiere Party. Als die Bar gegen 23:30 Uhr schließt, sind die meisten abgefüllt genug und suchen sich in den Salons ein Plätzchen zum Schlafen. Dann beginnt für die Besatzung der lustigere Teil der Überfahrt. Aus den Mannschaftsräumen auf dem Bootsdeck schallt der Lärm heraus. Ab und zu öffnet sich die Tür und jemand kommt dazu. Ein Matrose kommt heraus und befriedigt ein dringendes Bedürfnis direkt an der Reling - neben dem neuen maritimen Rettungssystem ist durch die Entfernung eines Fensters ein windgeschütztes offenenes Örtchen entstanden.
Nachts ist die Bar geschlossen. Ein einsamer Matrose pisst vom Bootsdeck aus ins Meer.
Irgendwann falle ich in die Kabine, nehme eine Dusche und lege mich in die Koje. Neben uns fährt linkerhand die ganze Zeit die SNAV-Fähre parallel. Ihre Lichter sind gut zu sehen.
Frühstück kurz vor der Ankunft in Ancona
Frühstück gibt es ab 6:00 Uhr im gemütlichen Salon, achtern. Früher gab es ein großes Buffet im vorderen Salon. 1980 waren auch die vorderen Fenster noch offen. Durch sie war zu sehen, wenn das Bugvisier geöffnet wurde. Aus Sicherheitsgründen sind heute sowohl die Fenster dauerhaft mit Stahlplatten verschlossen als auch das Bugvisier außer Betrieb genommen. Bei unserer Überfahrt wird ausschließlich über die Heckklappe verladen, was ein Wenden der Fahrzeuge an Bord erfordert. Die langen Liegezeiten machen dies möglich. Schade ist es trotzdem, denn es ist immer ein schöner Anblick, wenn so eine Fähre in den Hafen einläuft und der Bug sich öffnet.

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