
Während Eiswarnungen eingingen und andere Schiffe stoppten, wurde die Titanic von ihren drei mächtigen Schrauben weiter mit voller Kraft voran getrieben.
Kapitän Smith hatte sich nach dem Essen in seine Kabine zurückgezogen. Mit der Titanic war ihm ein Kommando über das ultimative Schiff übertragen worden. Es war die letzte Fahrt, bevor er in den Ruhestand treten sollte. Die Zeit für die Krönung seines Lebenswerks war gekommen.
Auf seinem Schreibtisch lagen Seekarten und einige Verlagsprospekte mit den geplanten Buchveröffentlichungen der kommenden hundert Jahre:
Walter Lord: "Die letzte Nacht der Titanic"
Wyn Craig Wade: "Die Titanic - Das Ende eines Traums"
Gerhard Wisnewski: "Das Titanic-Attentat: Die wahren Hintergründe der Schiffskatastrophe"
Robin Gardiner und Dan van der Vat: "Die Titanic Verschwörung"
...
Darunter war auch "The Loss of The SS Titanic", das sein Passagagier der zweiten Klasse, Lawrence Beesley, geschrieben haben würde. Kapitän Smith konnte diesen Angeber, der sich bei jeder Gelegenheit in den Vordergrund schob, nicht leiden.
Am liebsten war ihm deshalb ein Buch, das bereits 14 Jahre vorher erschienen war, und das alle Voraussetzungen mitbrachte, ein Standardwerk zu werden. Es trug den Titel "Futility, or the Wreck of the Titan" von Morgan Robertson. Zwar trug sein Schiff in diesem 1898 erschienenen Roman noch den Namen "Titan". Doch das war, bevor die Whitestar-Reederei auf die blödsinnige Idee kam, alle Schiffsnamen auf "ic" enden zu lassen - nur um sich vom Konkurenten Cunard abzuheben, deren Markenzeichen Endungen auf "ia" waren.
Die Handlung bestand im Wesentlichen darin, dass das Schiff "Titan" - ein angeblich unsinkbarer Ozeanriese ganz ähnlicher Größe wie die Titanic - voll beladen mit reichen Snobs in einer kalten Aprilnacht einen Eisberg rammt und versinkt. Leider gab es viel zu wenige Rettungsboote...
Egal wie: Der Tag der Entscheidung war gekommen!

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