10 Oktober 2008

Erinnerungen an Lukla Airport


Anflug auf Lukla mit einem hoffnungsfrohen Piloten von Yeti Air

Die schreckliche Nachricht von dem Flugzeugabsturz mit 18 Toten in Lukla (Nepal) erinnert mich an einen eigenen Anflug auf Lukla vor ein paar Jahren - ebenfalls in einer Twin Otter DHC-6 von Yeti Airlines.
Vor dem Rückflug nach Kathmandu notierte ich damals folgende Beobachtungen über diesen bemerkenswerten Flughafen:
"Der Flughafen von Lukla genügt allen Ansprüchen an ein wichtiges regionales Drehkreuz: Er ist militärisch gut gesichert. Stacheldraht schützt die gesamte Anlage. Die örtliche Bevölkerung scheint diese Einrichtung zu schätzen, bietet sie doch die Möglichkeit, daran auch Wäsche aufzuhängen. Bereits morgens um halb sieben starten die Soldaten in der Kälte auf knapp 3000 m Höhe ihre Patrouillen. Zu dieser unchristlichen Stunde wärmen sie sich an einer brennenden Mülltonne. Innen im Flughafengebäude gibt es um diese Uhrzeit noch keine Elektrizität. Die Uhren stehen auf Dreiviertel Zehn, möglicherweise war das der Zeitpunkt, an dem im besten Fall am Vorabend der Strom abgeschaltet wurde.
Wer von hier abreisen will, betritt als erstes einen Empfangsraum, der klar gegliedert ist; Es hängen Lampen an der Decke - nur leuchten die nicht; Es gibt Wände, Fenster und am Eingang einen freundlichen Offizier, der Jedem "good morning" sagt.
In dem Raum dahinter wird es trotz viel versprechender Ausschilderung unübersichtlicher. Erste Station der Reisenden ist der "Airline Check In". Die Gesellschaften heißen: Buddha Air, Yeti Airlines oder Gurkha Airlines. Später entdecke ich noch Cosmic Airlines. An den Schaltern wird mit viel Radau sämtliches Gepäck, das in ein Flugzeug verladen werden soll, auf eine große Wage gewuchtet. Die erlaubte Zuladung des Fliegers darf in der dünnen Luft hier oben nicht überschritten werden.
Danach folgt der "Baggage Check". Die Taschenkontrolle findet in Anwesenheit der Besitzer/innen und - wie fast alles im Flughafen von Lukla - mangels Elektrizität im Halbdunkeln statt.
Einzig ein unbesetzter und nur aus einem Holztresen bestehender Bankschalter wird vom diffusen Licht einer Glühbirne, die aus einem Nebenraum schimmert, matt angeleuchtet. Woher sie ihre Energie bezieht, ist unklar.
Nach der Personenkontrolle und Untersuchung des Handgepäcks, die Männlein und Weiblein immerhin getrennt über sich ergehen lassen müssen, und deren Wirksamkeit im Wesentlichen davon abhängt, wie ehrlich der geneigte Fluggast die mit strenger Miene zweifach gestellte Frage beantwortet, ob denn nun tatsächlich kein Messer in der Tasche sei, geht es in einen weiteren Raum im Untergeschoss, der nun die letzte Station in Lukla sein wird (es sei denn, man kommt in den besonderen Genuss eines Aufenthalts im VIP-Raum; der blieb uns allerdings verschlossen).
In diesem letzten Warteraum wird dem gewöhnlichen Fluggast die Zeit durch die Angebote eines "Tea Stalls" und eines "Book Stalls" - letzterer ebenfalls unbesetzt - angenehm gestaltet.
Am "Tea Stall" entdecke ich unseren Kellner vom Hotel wieder, der hier offenbar zwischen Frühstück und Mittagessen einer Nebenbeschäftigung nachgeht.
Das Beste am Flughafen von Lukla ist jedoch, dass irgendwann die Luft zu dröhnen beginnt und tatsächlich ein Flugzeug landet. Eine zweite und dritte Twin Otter folgen im Minutentakt. Das gesamte Rollfeld ist plötzlich voll. Hektisch werden die Maschinen entladen, denn das tägliche Zeitfenster, bis die Wolken aus dem Tal aufziehen, ist kurz. Wir steigen ein. Die Maschine rollt los, bevor ich überhaupt angeschnallt bin. Für einen kurzen Augenblick kommt durch das Cockpitfenster die abschüssige Startbahn in mein Blickfeld. Die Maschine rollt immer schneller. Deutlich vor dem Ende der Bahn hebt der kleine Flieger ab. Eine Kurve. Dann kommt der grinsende Steward und verteilt Bonbons. Ein weiterer Tag in der bewegten Geschichte der Luftfahrt hat begonnen..."

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