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| Zoller-Rad |
Am Donnerstag war es wieder soweit: Für den Abend hatte Birgit einen Flug nach Berlin gebucht. Für gewöhnlich fährt sie vom Büro direkt zum Flughafen Stuttgart. Heute hatte sie allerdings ihren Schlüssel für die Berliner Wohnung in Balingen vergessen. Da sie sich von ihren schwäbischen Kolleg/innen, die in der Mehrheit nie bereit wären, einen Job außerhalb von Tübingen anzunehmen, ohnehin wegen der Vielfliegerei gelegentlich als Klimaschwein beschimpfen lassen muss, kam es natürlich nicht in Frage, wegen des Schlüssels noch einmal nach Hause zu fahren. Vielmehr bat sie Pedro und mich, die Route unserer geplanten Radtour so zu verändern, dass wir in Tübingen vorbeikommen und den Schlüssel mitbringen könnten. Schnell freundeten wir uns mit dieser CO²-neutralen Variante des Schlüsseltransports an.
Auf dem Weg nach Tübingen liegt der Zoller mit der Hohenzollernburg. Sie thront auf einem erloschenen Vulkankegel und ist eine der Haupttouristenattraktionen in dieser bezaubernden Landschaft.
Allerdings gauckeln die mächtigen Zinnen und Türme eine wehrhafte Vergangenheit nur vor. Die Burg wurde zweimal geschleifft. Einmal wurden die Herrschaften von den Bauern aus den umliegenden Dörfern durch die Spieße gejagt, so erzählen Birgits Eltern, bei denen wir wohnen, mit einem Grinsen. Bis ins 19. Jahrhundert hatte die Burg eine geringe Bedeutung. Dann wurde sie von den Hohenzollern, die im fernen Berlin zur Macht kamen, im Stil eines Disney-Schlosses aufgebaut.
Das Schloß ist heute noch in Privatbesitz - und auf dem Turm weht die Hohenzollernfahne. Ob hier überhaupt Bundesrecht gilt?
Bei Birgits Eltern finde ich ein Buch von Wolfgang Plat, in dem beschrieben wird, Wie dieses Geschlecht zu Macht und Reichtum kam: "Die langen Finger der Hohenzollern. Preußens Marsch an Deutschlands Spitze".


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