25 Januar 2007

Fahrt mit Hindernissen

Ich will skifahren. Doch vor dem Lustgewinn steht die Anstrengung. Der Bus nach Avoriaz soll um 9:00 Uhr in Karlsruhe abfahren. Von Tübingen nach Karlsruhe braucht die Bahn normalerweise knapp zwei Stunden. Zwar packe ich noch eine Stunde Reserve drauf - immerhin gut 50 Prozent der planmässigen Fahrtdauer. Doch das Erreichen des Busses wird an diesem Morgen dennoch zur Nervenprobe.
Der IC, in den ich in Plochingen umsteigen muss, hat erst 15, dann 30 Minunten Verspätung. Böses ahnend begebe ich mich zum Reisezentrum. Es ist zu. Öffnungszeit: laut Aushang 7:00 Uhr. Es ist sieben. Doch an einem Tag, an dem der Fahrplan nur eine grobe Richtlinie zu sein scheint, öffnet auch das Reisezentrum mit Verspätung. Als Coorporate identity würde Herr Mehdorn das vermutlich schönreden.
Kurz darauf: Die Frage nach einer alternativen Verbindung überfordert die unpünktliche Servicemitarbeiterin: Ich solle auf meinen Zug warten, der werde schon kommen, belehrt sie mich. Meinen Hinweis, dass sich die Verspätung dieses Zuges in den letzten zehn Minuten laut Anzeigetafel verdoppelt habe, wischt sie mit den widersprüchlichen Argumenten weg:
  1. Die Verpätung habe schon immer 30 Minuten betragen und würde sich nicht vergrößern.
  2. Eigentlich könne man über die Verpätung gar nichts sagen, weil sie die auf ihrem Computer nicht sehen könne. Ausserdem sei sie gar nicht zuständig (das typische Beamtenargument). Ich solle mich gefälligst an den Servicepoint wenden.
Ich kontere, dass ich die Verspätungen der Bahn als Kunde noch weniger überblicken könne als sie und dass es - soviel hatte ich während meines unfreiwilligen Aufenthalts auf diesem trostlosen Provinzbahnhof bereits mitgekriegt - in Plochingen gar keinen Servicepoint gebe.
Dann solle ich eben nach Stuttgart fahren - dort gebe es einen. Nichts lieber als das, nur müsse sie mir endlich verraten, mit welchem Zug...!
Ich muss zugeben, dass diese Episode meine grundsätzlich ablehnende Haltung zur Folter erschüttert hat: Vielleicht würde man aus Servicemitarbeiter/innen der Bahn brauchbarere Aussagen heraus bekommen, wenn man sie ausnahmsweise foltern dürfte?
Zwar habe ich ein teures IC-Ticket und einen Sitzplatzzuschlag bezahlt, doch schlage ich mich nun mit meinem Skigepäck in Regionalzügen nach Karlsruhe durch. Unterwegs sehe ich an Anzeigentafeln, dass mein eigentlicher Zug mittlerweile über eine Stunde Verspätung hat.
Kurz vor neun stehe ich schließlich am Bus. Doch Entwarnung: auch Andere stecken fest und so warten wir. Zeit, noch einmal aufs Klo zu gehen - Pardon, Herr Mehdorn: ins WC-Center. Das Vergnügen kostet 50 Cent Eintritt. Doch was dafür geboten wird, ist ein Hohn. Schon am massiven Drehkreuz, das jedem Hochsicherheitsbereich alle Ehre machen würde, werde ich mit meinem kleinen Tagesrucksack hoffnungslos eingeklemmt. Was sollen Leute mit Reisegepäck, Kinderwagen oder gar Rollstuhlfahrer da machen?
Warum ist dieser unwirtliche Ort so stark gesichert? Es fehlen nur noch Stacheldraht und ein Posten mit Maschinengewehr. Drinnen ebenfalls DDR-Standard: keine Klobrillen, allgemeine Verwahrlosung - nichts wie weg!

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