06 Juni 2011

Fischmassage

Attraktion: Gaffer begutachten Kunden bei der Fischmassage

„Nischt wie weg“, „Mein völlig neues Leben“, „Deutschland adé“ oder so ähnlich heißen Doku-Soaps, die das – meist dramatische – Schicksal abenteuerlustiger Auswanderer schildern wollen.
Heute haben wir junge Deutsche kennengelernt, die sich mit einer interessanten Geschäftsidee auf Mallorca selbständig gemacht haben: In einer wenig frequentierten Seitenstraße in Peguera betreibt eine junge Kosmetikerin mit ihrem Freund einen Salon, in dem Fischmassagen angeboten werden. „Fishmassage – 10 min. – 9.90 € – Relax with fish and fun“ verspricht das Schild auf der Straße. Der Laden ist in Blau und weiß gehalten und sieht, wenn man so will, recht aufgeräumt aus. An den Wänden stehen eine Glasvitrine sowie einige Bänke, vor denen Aquarien mit kleinen Fischen postiert sind. Ansonsten ist der Verkaufsraum leer. Die possierlichen Tierchen wuseln ungewöhnlich munter in den strudelnden Becken umher. Wir wollen der Sache auf den Grund gehen und beziehen unseren Beobachtungsposten im Café nebenan.
Zunächst lässt die solvente Kundschaft etwas auf sich warten. Passanten, die sich in die Nebenstraße verirrt haben, schauen gelegentlich auffällig lange in das Schaufenster, so als ob sie sich fragen, wo hier nun Kurt Felix mit seiner versteckten Kamera wartet. Einige Frauen grinsen, andere schicken den Ehemann vor, der schnell einen Flyer aus der Box vor dem Laden angeln soll.
Doch dann steuert ein junges Paar zielstrebig auf den Laden zu. Sie – eine vollschlanke Blondine – geht gleich auf volles Risiko: „Wie hoch soll ich mich frei machen?“. Nun gut, ein Blick auf das Fischbecken hätte die Frage beantwortet. Ihr Freund – ein betont Sachlicher – hält sich die ganze Zeit über auffällig im Hintergrund, macht dann aber auch die Waden frei. Sobald sich die beiden auf einer Bank platziert haben und die Beine in das Becken halten, stürzen sich die kleinen Fische auf die Füße. Draußen vor dem Laden ist Ähnliches zu beobachten: Einige der Lästerer, die kurz zuvor noch am Laden vorbei gelaufen waren, finden sich nun wieder ein. Es bildet sich innerhalb kurzer Zeit eine kleine Traube vor dem Schaufenster. Einige Leute gehen sogar in den Laden hinein und stellen sich staunend und gaffend um die Becken. Die Blondine quasselt unaufhörlich. Die Kosmetikerin erklärt, dass sich die Fische von irgendwelchem Zeug in der Haut der Füße ernähren. Der arme Freund der Blondine ist sichtlich genervt von dem allgemeinen Auftrieb und versucht wenig überzeugend, ein unbeteiligtes Gesicht zu machen.
Ich frage mich, was er von der Sache hat. Die Antwort liefert alsbald ein junger Spanier nach. Er hat ebenfalls eine Blondine im Arm, mit der er kurzerhand eine Massage genießt. Kurz darauf spazieren die beiden händchenhaltend aus dem Laden. Die Fische haben ihre Schuldigkeit getan, die Dame ist offenbar reif für mehr...

Kulturprogramm


Besuch in Palma, Kulturprogramm: Als erstes besichtigen wir die gewaltige Kathedrale. Sie stammt aus dem 14. Jahrhundert, die Rosette misst überwältigende 12,55 Meter und ihr Hauptschiff ist breiter als das der Dome in Mailand und Köln. Auch alle anderen Dimensionen sind gewaltig. Nur eines stört: Obwohl hunderte von Leuten in der riesigen Kirche sind, nimmt sich niemand die Zeit, den kleinen steinernen Hund zu streicheln, der da brav am Boden sitzt – bis Birgit kommt.

05 Juni 2011

Peguera


Angekommen in Peguera: Das Allergrößte für Touris wie Einheimische scheint hier das Schaulaufen auf dem "Bulevar" zu sein, der Hauptstraße des Ortes, die sich entlang der Küste zieht. Hier zeigt man sich mindestens einmal am Tag; die Meisten rennen die mit Läden und Cafés gesäumte Amüsiermeile mehrmals am Tag rauf und runter - wohl um sich zu zeigen oder um zu sehen, wer noch so da ist. Die direkt hinter der akkurat gepflasteren und täglich mit Wasser abgespritzten Straße befindlichen Strände sind schön, wenngleich hier niemand wirklich sehr allein bleibt. Dafür gibt es alle möglichen Annehmlichkeiten - Toiletten, Tretbootverleih, Cafés und gut gebräunte Wasserretter...
Uns hält es dennoch nicht den ganzen Tag am Strand. Es gibt nichts wirklich Schlechtes, doch etwas zu laut, zu dicht, zu sehr berechnet auf den deutschen Mainstream scheint uns das Treiben hier zu sein. Also holen wir uns zunächst ein kaltes Bier aus dem Supermarkt. Anschließend wollen wir uns einen genaueren Überblick von dem Ort verschaffen und klettern auf einen nahe gelegenen Hügel. Wie ein Spielzeugland breitet sich Peguera mit seinen mehreren kleinen Buchten unter uns aus. Ach, sieht von oben gar nicht so schlecht aus...