05 November 2007

Cucaracha


Klassische Win-Win-Situation: Birgit mit Trophaee
Länge spielt also doch eine Rolle: Beim Frühstück outet sich Birgit heute: „Alles unter vier bis fünf Zentimeter finde ich nicht der Rede wert.“
Die Kakerlake im Speisesaal des Hotels Marquesa ist eindeutig größer. Also beenden wir das Frühstück und fahren nach Santa Cruz, der Hauptstadt Teneriffas.
Die Stadt ist alles in allem eine einzige Grossbaustelle mit vielen Hochhaeusern, Industriehafen und Einkaufscentern. Seit unserem letzten Besuch vor zwei Jahren hat sich nicht viel veraendert - ausser, dass die Promenade am Hafen nun ebenfalls aufgebuddelt wird. Unser Ziel ist die Calle Emilio Calzadilla Nr. 5 – man frage bitte nicht, wer der Herr war. Ich habe den Eindruck, es ist ein Tarnname: Seit Tagen steht auf unserer Getränkerechnung im Hotel der Name „Emilio“, egal, welcher Ober uns bedient.
In selbiger Straße unterhält die Nationalparkverwaltung ein Büro, in dem die Genehmigungen für die Teide-Gipfelbesteigungen erteilt werden. Das Permit ist kostenlos. Erforderlich ist lediglich eine Kopie des Personalausweises oder Passes. Ein kleiner Laden mit Kopierer befindet sich direkt gegenüber von dem Büro der Nationalparkverwaltung, das an Werktagen von 9 bis 14:00 Uhr geöffnet ist. Wir müssen uns für einen Tag und eine Uhrzeit entscheiden – und alles ist schön.
Mit der kleinen Formalität soll der Zugang zum Gipfel beschränkt werden. Seit Eröffnung der Seilbahn strömen täglich hunderte von Menschen auf den Berg. Für die letzten 160 Höhenmeter von der Station bis zum Gipfel wird jedoch eine Genehmigung benötigt – von denen nicht mehr als 50 pro Zweistundenzeitraum erteilt werden.
Mindestens ebenso umkämpft wie Gipfelpermits sind in Santa Cruz die Parkplätze. Am besten, man stellt sein Vehikel in einem der kostenlosen Parkhäuser der großen Konsumtempel am Rande der City ab. In unserem Fall ergibt vsich dadurch eine klassische Win-Win-Situation fuer alle Beteiligten: Die Company macht etwas zusaetzlichen Umsatz, fuer mich springt ein T-Shirt und ein Paar Schuhe und fuer Birgit ein paar andere Klamotten bei heraus. Ausserdem bleibt der Innenstadt mein Touri-Fahrstil erspart. Auf dem Parkdeck bringt sich Birgit heute im Käferspiel in Führung und lässt sich sogleich mit der Trophäe ablichten.
Nachdem wir das Papier haben, fahren wir an den Strand von San Andres, östlich von Santa Cruz – ein sehr schöner weißer Sandstrand mit vorgelagertem Wellenbrecher und Blick auf Gran Canaria.
Rueckfahrt ueber eine wunderschoene kurvige Strasse durch das Anaga-Gebirge. Birgit kotzt fast - aber was tut man nicht alles, um einen schoenen Urlaub zu haben?
Am Abend stellen wir fest, dass sich musikalisch in Puerto Cruz einiges verändert hat: Elvis tritt wieder auf in dem Chinarestaurant an der Plaza! Super, da werden wir heute wohl noch ein Weinchen trinken. Außerdem wurde der eher erfolglose Alleinunterhalter auf der Terraza Marquesa gegen eine Harfen-Spanische-Gitarre-Combo ausgewechselt, die die Rentner nun in Verzücken versetzt. Mit geschlossenen Augen schmachten die teils langmaehnigen Barden dahin. Naja – wer´s mag...

04 November 2007

Von Menschen und vom Mond


Paisaje Lunar

Kurzer Nachtrag zu gestern: Leider ist der Elvis-Wiedergänger nicht mehr aufgetreten, deshalb nun auch kein Video. Stattdessen gab es einen Julio-Iglesias-Imitator in dem Restaurant an der Plaza.
Also wenden wir uns den anderen handelnden Personen zu, ohne die so ein Touristenparadies undenkbar ist: Den Touristen – hier konkret: Den Gästen in unserem Hotel.
Wir hatten bereits einige Tage Zeit für eine eingehende Analyse. Hier ein grober Überblick: Etwa 25 Prozent Rentner, 20 Prozent Schwule, 3 Prozent Alleinreisende, bei denen keine eindeutige sexuelle Orientierung feststellbar ist (vermutlich aber auch homosexuell), 60 Prozent Heteropaare, 10 Prozent Mütter mit Töchtern oder ähnlichen rein weiblichen Tandems, bei denen ein Beziehungshintergrund jedoch ausgeschöossen werden kann, 5 Prozent Familien und 5 Prozent Spießer. Die restlichen 2 Prozent sind entweder schon weg, wenn wir zum Essen kommen oder erscheinen erst später.
Die aufmerksamen Mitleser/innen seien beruhigt: So schlimm überbucht ist das Haus nicht – vielmehr sind hier Mehrfachnennungen im Spiel. Weitere Details zu den lieben Mitreisenden morgen.

Paisaje Lunar – In den lichten Wäldern des Südens
Zunächst zu unserer heutigen Wanderung: Sie führte uns in die lichteren und trockeneren Wälder des Südens der Insel. Zunächst fuhren wir die bewährte TF-21 hinauf in die Caldera. Oberhalb von Vilaflor stellten wir die Kiste ab und wanderten los in Richtung Paisaje Lunar – Mondlandschaft. Damit wird eine besondere Felslandschaft aus Tuff- und Lavagestein bezeichnet, die sich durch die Kräfte der Erosion ständig verändert. Das ist an sich natürlich schon starker Tobak. Ist doch der Mond gerade dadurch gekennzeichnet, dass sich dort fast nüscht verändert. Vermutlich sind sogar die Fußstapfen von Neil Armstrong dort noch zu sehen. Diese Spanier!
Naja. Die Wanderung war sehr schön, auch wenn uns die spärliche Ausschilderung der Wege hier vor einige Probleme stellte. Immerhin trafen wir mitten in der Wildnis ein Paar aus unserem Hotel. Die Beiden bereicherten unsere Tratschthemen mit weiteren Zutaten und überhaupt war es nett.
Paisaje Lunar, die Felsgebilde, waren wie der Mond: mühselig zu erreichen und von der Ferne interessanter als aus der Nähe. Aber der Weg hat sich gelohnt. Wie sagte Kennedy: „Wir machen es nicht, weil es einfach ist – sondern weil es schwer ist!“

03 November 2007

Das Personal


Im Blickpunkt des heutigen Posts sollen die dienstbaren Geister der Insel stehen, die alles geben, um den solventen Gästen einen angenehmen Aufenthalt zu bescheren. Als erstes sind da natürlich die „Bediener“ im Hotel zu nennen, die den Saft auf die richtige Seite des Tresens schubsen und sich auch sonst für so manche Dienstleistung nicht zu schade sind. Als promovierte Pädagogin ist Birgit immer bemüht, die Motivation dieser Beschäftigtengruppe weiter zu erhöhen. Heute morgen beim Frühstück zum Beispiel: Ich entdecke eine kleine Kakerlake im Speisesaal, die mühsam versucht, von einem Beistelltisch auf das Obstbuffet zu klettern. In diesem Moment tritt der Manager in den Raum. Ich kann Birgit gerade noch davon abhalten, auf ihn zuzutreten. Sie will dem Mann die Kakerlake zeigen und behaupten, der in der Nähe befindliche Kellner, ein ehrbarer Mann mit großer Berufserfahrung, hätte die ganze Zeit daneben gestanden und nichts unternommen... Neben den Kellnern gibt es da natürlich noch die Barden, denen man hier in Puerto de la Cruz im Prinzip nicht entkommen kann. Jeden Abend spielt auf der Terraza Marquesa unerbittlich eine Zwei-Mann-Combo mit spanischen Gitarren ständig die gleichen Hits. Und morgens, kurz nach dem Frühstück, baut sich regelmäßig ein Harfenbarde unter unserem Fenster auf. Die Videoschnipsel vermitteln einen kleinen Eindruck von dem Schauspiel. Absolutes Highlight ist jedoch der Alleinunterhalter in einer Kaschemme unten an der Plaza, der jeden Abend Hits im Stile von Elvis zum Besten gibt. Heute abend wollen wir uns auf diese Terasse auf einen Rotwein setzen. Und vielleicht springt dabei wieder ein Video heraus. Vergesst Memphis – kommt nach Puerto Cruz!