08 Januar 2007

Abzocke im Medical Center in Spindleruv Mlyn

Spindleruv Mlyn (Spindlermühle) ist ein Wintertraum in Tschechien. Noch vor zehn Jahren galt der Ort als eine preiswerte Alternative zu den Alpen. Die Atmosphäre war geprägt von einer Mischung aus anarchistischer Aufbruchstimmung und leicht melancholischem Ost-Charme, der einfach nicht totzukriegen war. Das Bier war billig, die Sitten auf den Pisten hart und abends in den Discos ging es meist auch straighter zur Sache als in Ischgl.
Mittlerweile hat alpines Skifahren und Snowboarden in Spindleruv Mlyn zwar durch stark gestiegene Liftkosten (mittlerweile ca. 110 Euro für 6 Tage) und endlose Schlangen viel an Attraktivität verloren.
Doch für Skitouren mit Langlaufski gibt es nach wie vor nichts Besseres! Der TU-Sport fährt seit vielen Jahren nach "Spindl" - bisher mit wenigen Unfällen.
Doch im letzten Jahr gab es gleich mehrere schwere Unfälle und das führt mich zum Thema des heutigen Posts: Vorhin bekomme ich eine E-Mail von Ingo. Er war im letzten Jahr auf einer Treppe ausgerutscht und hatte sich einen komplizierten Knöchelbruch und mehrere Frakturen zugezogen. Zur Erstversorgung brachten wir ihn in das Medical Center in Spindleruv Mlyn - der einzigen medizinischen Einrichtung in diesem tschechischen Wintersportzentrum.
Das erste, was wir dort zu hören bekamen, war: "hier privat - alles privat!" Da es sich um einen Notfall handelte, blieb Ingo keine Wahl. Die Preisgestaltung des Instituts war zwar wenig phantasievoll, dafür in ihrer Struktur aber leicht verständlich: "Untersuchung 100 Euro, Röntgen 100 Euro, Gips 100 Euro", machte der bullig wirkende Arzt unmissverständlich klar.
Auf der Rechnung stand am Ende zwar trotzdem deutlich mehr, doch das war nicht die einzige unangenehme Überraschung: Die Qualität der medizischen Versorgung stellte sich später in Deutschland als mangelhaft heraus: Alle Röntgenbilder waren so schlecht, dass sie wiederholt werden mussten. Außerdem übersah der Arzt mehrere Frakturen und legte einen viel zu schwach dimensionierten Gips an.
Wie Ingo wurden auch andere westliche Patienten genötigt, sofort bar oder mit Kreditkarte zu bezahlen. Bei Tschechen wurde hingegen die europäische Versicherungskarte akzeptiert.
Später wiederholte sich Ähnliches nach einem anderen Unfall. Da ich die Praxis aus anderen Skigebieten in den Alpen kenne, wunderte ich mich sehr über die Raubrittermethoden in Tschechien. Ich habe bisher nichts Ähnliches erlebt.
Ingo leidet heute noch an den Folgen des Unfalls, was möglicherweise mit auf die stümperhafte Erstversorgung des tschechischen Quacksalbers zurückzuführen ist. Mehr ärgert ihn allerdings, dass diese Praxis vollkommen legal weiter geführt wird. Dabei sind die Zustände bekannt, was folgende Links zeigen:

Radio Praha berichtete einmal über einen besonders krassen Fall, in dem ein polnischer Jugendlicher im Medical Center eingesperrt wurde, weil er nicht bezahlen konnte. Erst mit Hilfe der Polizei konnte er befreit werden.
Praguemonitor berichtete über einen ähnlichen Fall, in dem ein Deutscher eingesperrt worden war.
Ein sächsischer Snowboarder ist im letzten Jahr für die Behandlung einer ausgekugelten Schulter um 760 Euro erleichtert worden.

Ingo selbst schreibt mir heute in seiner E-Mail:

"In meinem Fall sprechen folgende Tatsachen für einen Betrug des Medical Centers:
  • Für Leistungen wurden unangemessen hohe Honorare verlangt.
  • Vor der Behandlung hatte der Arzt Pauschalen für Honorare festgelegt (Gips 100 Euro, Röntgen-Aufnahmen 100 Euro, Befund 100 Euro). Hinterher waren dann auf einmal 13000 Kronen, . d. h. ca. 430 Euro fällig.
  • Als ich auf den Krankenwagen nach Berlin gewartet habe, sind ja sehr viele Unfallopfer zum Medical Center gebracht worden. Alle westlichen Patienten (Dänen, Holländer, Deutsche, etc. ) sind privat behandelt worden, und ein Tscheche ist mit seiner EU-Krankenkassenkarte durch die Gegend gelaufen...
    ...Ich habe gelesen, daß es dem EU-Recht widerspricht, wenn einige Patienten über die gesetzliche Krankenkasse behandelt werden, und andere, westliche Patienten ausschließlich als Privatpatienten behandelt werden.
Beispiel für überhöhte Rechnung sind Röntgen-Aufnahmen: Es wurden 2 Röntgen-Aufnahmen vom Unterschenkel sowie 2 Aufnahmen des oberen Sprunggelenkes gemacht. Hierfür waren ca. 10000 Kronen, d. h. 330 Euro für 4 Röntgenaufnahmen fällig, die laut Aussagen mehrerer Ärzte und des Chefarztes im Krankenhaus in Berlin nicht dem aktuellen technischen Stand entsprechen. Sie waren sehr unscharf, so daß mehrere Frakturen nicht zu erkennen waren. Hier habe ich eine Rechnung des Krankenhauses in Berlin als Privatpatient vorzuliegen: Für 2 Röntgenaufnahmen des Unterschenkels wurden insgesamt ca. 40 Euro in Rechnung gestellt, für 2 Röntgenaufnahmen des oberen Sprunggelenkes waren 23 Euro zu bezahlen. So stehen 330 Euro für dieRöntgenaufnahmen in Tschechien einer Rechnung von ca. 65 Euro in Berlin gegenüber, d. h. die Ärzte nehmen einen ca. 6-mal höheren Tarif als wenn man sich in Deutschland als Privatpatient behandeln lässt."

04 Januar 2007

Stand der Anmeldungen

Anfang Januar ist die Zeit, in der sich Leute für eine Skireise entscheiden. Ich merke das an E-Mailanfragen und Buchungseingängen.
Zum Beispiel fragte heute jemand, ob bestimmte Leute bei einer bestimmten Fahrt dabei wären. Da würde er dann eher eine andere Fahrt wählen. Das sind so Momente, die für mich lustig, aber auch aufschlussreich sind.
Ansonsten ist die Lage dieses Jahr eher trist. Es wird schlecht gebucht, bestätigen mir auch andere Veranstalter. Vor einigen Tagen fragte jemand aus Greifswald an. Er wollte mit dem dortigen Hochschulsport ins Riesengebirge - im gleichen Zeitraum wie die TU. Doch die Fahrt wurde storniert.
Immerhin: Der Familienkurs ist ausgebucht. Aber auch unsere Fahrten ins Riesengebirge sind noch nicht ausgebucht. In den letzten Jahren waren wir dort immer mit über 40 Leuten - die Plätze waren meist im Dezember alle weg. Dieses Jahr gibt es bis jetzt 15 beziehungsweise 16 Anmeldungen. Immerhin hat sich eine Gruppe von Läufer/innen für die zweite Woche angemeldet. Langlauf ist ein super Lauftraining im Winter!
Auch die Fahrt nach Jerzens ist noch nicht ausgebucht. Was allerdings normal ist, denn hier fahren meist Jüngere mit, die eher kurzfristig planen.
Nahezu ausgebucht ist allerdings schon der Komfort-Trip ins Ahrntal. Hier gibt es bald nur noch Vierer-Zimmer.

03 Januar 2007

Ski- und Snowboardhelme

Auf unserem letzten Trainer/innen-Treffen haben wir unter anderem über Helme gesprochen. Eigene Erfahrungen: Letztes Jahr in Jerzens fahren wir mit einer Gruppe durch eine Messstrecke. Es ist eine bestens präparierte, glatte Piste, abgesperrt und es befindet sich immer nur eine Person auf der Strecke. Klar, dass wir dort schneller fahren können als auf einer normalen Piste. Dennoch: Selbst die Vorsichtigeren erreichen Geschwindigkeiten von über 80 km/h. Die Spitze liegt bei deutlich über 100 km/h.
Würden wir auf einen Helm verzichten, wenn wir mit einem Motorroller innerorts mit "nur" 50 km/h unterwegs wären?

Das zweite Erlebnis ereignete sich wenige Tage später: Im unteren flachen Teil der Talabfahrt liegt dort, wo die Piste sehr breit und übersichtlich ist, ein Mann in seinem Blut. Er hat sich bei einer Kollision schwere Kopfverletzungen zugezogen. Der Hubschrauber ist schnell da. Ein Notarzt ist lange bange Minuten mit Wiederbelebungsversuchen beschäftigt. Irgendwann hebt der Helikopter wieder ab. Zum Schluß bleibt ein Kommissar mit einem Notizblock zurück, der Zeugen befragt.
Hätte ein Helm bei diesem Unfall das Schlimmste verhindern können?

In Italien sind Skihelme für Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren bereits Pflicht. Auch in der Schweiz, Kroatien und Slowenien gibt es mittlerweile eine Helmpflicht. Viele Erwachsene fahren zwar noch ohne Helm - doch angesichts zunehmender Geschwindigkeiten beim Carven steigt die Zahl derjenigen, die sich besser schützen wollen.

Klar ist: Moderne Ski erlauben nicht nur extreme Geschwindigkeiten, sondern auch extreme Spuranlagen. Carver kommen nicht mehr nur von oben, sondern schießen von den Seiten quer über die Piste. Im Extremfall fahren sie sogar von unten nach oben. Die Gefahr von
Kollisionen ist gestiegen.

Also muss ein Helm her. Die Dinger sind mittlerweile ziemlich leicht. Wer einen hat, schwärmt meist auch davon, dass er den Kopf besser warm hält als eine Mütze - und das in einem breiten Temperaturbereich. Kleine Auswahl:

Scott Strike Classic: 570 g (Gr. 56), Skibrillenhalterung, einfacher Helm, € 59,95 bei Globetrotter.
Giro Nine.9: 450 g (Gr. M), In-Mold-Helm (verbundene Außen- und Innenschale), gute Lüftung, Wetterschutz, € 99,95 bei Globetrotter.
Scott Shadow II: 432 g (Gr. M), leichter In-Mold-Helm, abnehmbare Ohrabdeckungen, eigenwillige Optik, preiswert: ca € 80.
Tchibo bietet ebenfalls einen Helm an: Gewicht: über 690 g (Gr. M) schwer! Skibrillenhalterung, Schnellverschluss. Preis: € 39,95.

In Berlin gibt es Helme auch bei "Boarderline" beziehungsweise "Der Berg ruft" oder bei MontK. Der "Ski-Franzl" hat Anfang Dezember geschlossen - ein Gang in die Rathaus-Passagen erübrigt sich daher.
Da der Helm nur optimale Sicherheit bietet, wenn er perfekt sitzt, sollte er anprobiert werden. Angebote aus dem Internet oder Versand sind daher problematisch. Wichtig ist:

  • Helme sollten mit Brille probiert werden.
  • Für die Brille sollte eine Halterung vorhanden sein.
  • Das Gewicht ist entscheidend für den Komfort.
  • Optimal ist ein herausnehmbarer Wetter- und Ohrenschutz.
  • Verschlussmimik prüfen - auch mit Handschuhen!
  • Ein Helm passt dann optimal, wenn sich die Kopfhaut beim Bewegen des Helms leicht mitbewegt, ohne dass der Helm drückt.
Mitunter höre ich die Frage, ob es denn nicht der Fahrradhelm auch tut: Wer nicht vor hat, auf einem gesperrten Parkplatz zu carven, sollte einen Ski- oder Snowboardhelm wählen. Fahrradhelme schützen bei Stürzen auf Bordsteinkanten. Skikanten sind spitzer!