Nach drei Skitagen sind die Vorräte unseres Wachskoffers merklich geschrumpft. Der lockere Neuschnee neigt dazu, sich in die Schuppen der Langlaufski zu setzen und zu stollen. Da in unserer 43-köpfigen Gruppe doch einige Leute mit solchen Skiern dabei sind, wurde der Flüssigwachs nun knapp.Also bin ich heute, am skikursfreien Tag, hinunter in den pulsierenden Ort Spindleruv Mlyn gefahren und habe mir den ganzen Wahnsinn dort angesehen.
Es gibt mindestens drei Skiläden. Nicht alle taugen etwas. Als erstes fragte ich im „Rossignol Nove Test Centrum“ nach. Die für ein Sportgeschäft nach Berliner Maßstäben außergewöhnlich aufgebrezelte junge Verkäuferin verstand erst „Bag“ als ich nach „Wax“ fragte und machte mich mit einem riesigen Snowboardsack bekannt. Als ich erklärte, dass ich ein Mittel suche, das die Gleitfähigkeit – von Langlaufski – erhöht schaute sie mich an, als ob ich nach einer unanständigen Sexualpraktik gefragt hätte.
Diese Art von Blick habe ich bisher vor allem in osteuropäischen Ländern erlebt. Aus ihm spricht eine Mischung aus Mißbilligung, Empörung und Verächtlichkeit. Meist steckt jedoch eine bodenlose Dummheit oder aber Unsicherheit dahinter.
Im zweiten Laden waren zwei ebenfalls stark geschminkte junge Damen nicht viel ahnungsvoller, bemühten sich jedoch redlich darum, mir ihre Produktpalette zu präsentieren. Diese bestand zum großen Teil aus kleinen Döschen hochgezüchteter High-Tec- und Nano-Mittelchen, sündhaft teuer und nur in homöopathischen Packungsgrößen erhältlich.
Erst beim Sport-Rossi wurde ich endlich fündig. Hier gab es vernünftiges Zeug zu vernünftigen Preisen.
Was sich sonst noch geändert hat in Spindl? Ich hätte mich mit einem verkleideten Rübezahl auf der weißen Brücke fotografieren lassen können – gegen Entgelt, versteht sich. Die Touristeninformation ist in einen kleineren Laden umgezogen. Die Schlangen an den Liften sind immer noch unzumutbar lang. Naja, letzteres ist streng genommen keine Veränderung, sondern war schon immer so...

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen