Heute kommt seit Tagen das erste Mal kurz die Sonne heraus. Allerdings ist es so windig, dass Toto die lange geplante "Große Runde" - Abfahrt von der Baude nach Spindl, Aufstieg zum Medvedin, Urbatova, Martinova, Petrova, Spindlerova, Wiesenbaude, Vyrovka und zurück - vorzeitig abbrechen muss.
Auch ich gehe mit meinen leicht Fortgeschrittenen nicht zur Wiesenbaude sondern wir weichen dem Wind nach unten aus: Richtung Strazne. Kurz vor dem Ort kehren wir in der Hribeci-Baude ein, wo es ein gutes Essen gibt - auch wenn nicht alle das bekommen, was sie bestellen: "Warum fragen die vorher überhaupt?" wundert sich Perrine mit ihrem liebenswerten französischen Akzent, als eine Bestellung bei ihr zum zweiten Mal schief geht.
Die Baude, die sich Hotel nennt, ist anfangs nahezu voll besetzt; vorwiegend von Hausgästen. Als es leerer wird, bietet sich die Gelegenheit, die Inneneinrichtung näher in Augenschein zu nehmen: Auf den ersten Blick scheint der Stil rustikal zu sein: Holztische ohne Tischdecke, Holzstühle mit Kissen und geschnitzten Rückenlehnen, geweißte Wände, schmiedeeisern-hölzerne Lampen. Doch an den ansonsten kahlen Wänden hängen zwei Bilder, die verstören: Auf dem einen ist die Hälfte eines Bettes zu sehen, auf dem drei Beine liegen. Der Rest der Zimmereinrichtung ist stilisiert dargestellt; nur eine Jalousie ragt realistisch hervor: Ihr Bändsel ist ganz plastisch als dreidimensionales Objekt an dem Bild befestigt.
Das zweite Bild zeigt einen Pferdekopf mit Hut; es kann auch ein Einhorn sein. In dem Hut erkennt man bei näherem Hinsehen weitere Gegenstände, eine Landschaft; irgendwo ein Angler, ein Fisch, ein Skiläufer.
Es ist eine irgendwie typisch tschechische moderne Kunst, die sich in diese Bergeinsamkeit verirrt hat.
Im Hintergrund läuft ein Fernseher, in dem eine Direktübertragung von der nordischen Ski-WM im nahen Liberec läuft: Gerade verliert der in Führung liegende deutsche Staffelläufer auf der 4x10 KM-Distanz mit jeder Runde einige Sekundenbruchteile gegen seinen norwegischen Verfolger.
Auch uns treibt es weiter: Nach Strazne hinunter. Wir durchqueren den verschlafenen kleinen Ort mit seinen zahlreichen Mini-Liften und stapfen anschließend durch den feuchten klebrigen Ski hoch, der ständig unter den Skiern stollt.
Der deutsche Staffel-Läufer verliert in Liberec gegen die Norweger. Immerhin ist Silber ein großer Erfolg für die Mannschaft des DSV.

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