Als wir am Sonnabend bei Corinne und Pascal sassen, kamen wir irgendwann auf die Kirche zu sprechen. Die beiden konnten es kaum glauben, dass es in Deutschland eine Kirchensteuer gibt, die vom Staat eingetrieben wird.
In Frankreich ist derartiges undenkbar und das hat zu einer etwas anderen Form des Katholizismus gefuehrt: Als wir heute in Cassis eine Kirche besichtigen faellt uns ein Schild auf. Sinngemaess steht darauf: "Ich weiss nicht wie ich beten soll, weiss nicht, was ich da sagen soll und habe eigentlich auch keine Zeit dafuer - also?
Kein Problem, einfach einen Euro in die Schachtel schmeissen und eine Kerze anzuenden - hilft auch"
Das ist eine Art Pragmatismus, der mir bei der Kirche in Deutschland bisher nicht aufgefallen ist. Dabei sind hier in der Naehe doch ganz furchtbar heilige Staetten, die eine gewisse Strenge in der Glaubensausuebung rechtfertigen wuerden! Nicht nur, dass in Avignion einmal die Paepste gesessen haben. Ganz in der Naehe hier gibt es eine Grotte, in der die heilige Maria Magdalena 33 Jahre lang gelebt hat. Sie ist praktisch aus dem ganz engen Umfeld von Jesus und deshalb schon bedeutend.
Ausserdem hort sich die Geschichte irre an, wie sie hergekommen ist: Nach dem Tod von Jesus hat sie zusammen mit einigen anderen, unter anderem Lazarus, ein Schiff ohne Segel bestiegen und ist direkt hierher in die Provence gebracht worden. Das Gebirge, in dem sie seither gelebt hat, soll wunderschoen sein. Also fahren wir hin.
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| Provence - Ste. Baume |
Grotte der Heiligen Maria Magdalena
Man soll ja nicht zweifeln! Uns bekommt das nicht gut. Auf die letzte Minute schaffen wir es im Trockenen zurueck zum Renault. Kaum sitzen wir drin, entlaedt sich ein fuerchterliches Gewitter. An Fahren ist jetzt nicht zu denken. Aber auch die Wiese, auf der wir den Renault geparkt hatten, verwandelt sich zusehends in einen Sumpf. Unser 16 Jahre altes Vehikel hat keinen Allradantrieb!
Zornige Blitze begleiten uns auf der Rueckfahrt und gelegentlich muessen wir auf der kurvigen Bergstrecke grossen Steinbrocken ausweichen, die der Regen auf die Strasse gespuelt hat. Ich will fortan nie mehr zweifeln an dem, was die katholische Kirche lehrt! Andererseits: wenn die Strafe Gottes ein derartig schoenes Naturschauspiel ist? Dann vielleicht doch.


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