31 Juli 2007

Mount Everest - "Der Friedhof meiner Freunde"

Mount Everest von der nepalesischen Seite

Kommerzielle Expeditionen zum Mount Everest boomen - auch dank gesunkener Preise. Kostete das Abenteuer vor einigen Jahren noch etwa 70-80.000 US-Dollar, so ist der Spaß heute ab 27.000 Dollar zu haben.
Trauriger Nebeneffekt dieser Kommerzialisierung: Immer mehr Müll bleibt am Berg - darunter auch viele Leichen. 150 Tote liegen bereits am Wegesrand, mindestens 15 starben allein im letzten Jahr.
Heute läuft in der ARD eine Dokumentation über den Besteigungsversuch von Thomas Weber, der am 26. Mai 2006 beim Abstieg starb (ARD, 22:45 Uhr; Wiederholung: EinsExtra, 4. August, 6:20 Uhr und 20:15 Uhr).

Links zum Thema:

Der Film
Mount Everest - Der Friedhof meiner Freunde: Zusammenfassung
Mount Everest - Der Friedhof meiner Freunde: ARD-Pressemappe (pdf-Datei)

Medienberichte über das Unglück
Süddeutsche Zeitung: "Letzte Ruhe vor dem Ziel"
Spiegel-Online: "Deutscher Bergsteiger erblindet - und stirbt"
Spiegel-Online: "Ich sterbe"
Bericht des Führers Alexander Abramov auf 7summits-club.com
Alpin.de: "Sehbehinderter deutscher Bergsteiger stirbt am Everest"

Everest-Webseiten
MountEverest.net - zuverlässige Webseite, die unter anderem von "Spiegel" und "Süddeutscher Zeitung" zitiert wird.
SightOnEverest.com - Webseiten der Expedition von Thomas Weber
7summits.com - Die Seiten des Veranstalters und Führers Harry Kikstra

Inhalt des Films
Der Deutsche Thomas Weber, ein in Abu Dhabi lebender Manager eines Bauunternehmens, ist ein erfahrener Hobby-Bergsteiger. Seit einer Tumor-Operation verliert er in großen Höhen jedoch zunehmend an Sehkraft. Um der Welt seine Botschaft: "Glaube an dich, stelle dich den Herausforderungen – und alles wird möglich sein!" mitzuteilen, will er auf den Mount Everest steigen. Er heuert zwei Kameramänner an, die das Vorhaben filmen sollen. Die Einnahmen des Films sollen einem Hilfsprojekt für augenkranke Himalayabewohner zugute kommen.
Scheitern
Einer der Kameramänner wird jedoch schon beim Anmarsch auf eines der vorgeschobenen Lager höhenkrank. Thomas Weber verliert am Gipfeltag zunehmend seine Sehkraft und ist teilweise nicht mehr ansprechbar. Sein Führer bricht den Anstieg mit der Gruppe daraufhin ab. Nach drei Stunden Abstieg erleidet Thomas Weber einen Kollaps und muss zurück gelassen werden.
Aus dem Filmmaterial sowie ausführlichen Interwiews mit dem niederländischen Bergführer Harry Kikstra haben Victor Grandits und Jessica Krauß einen beeindruckenden Dokumentarfilm gemacht.
Botschaften
Weber erscheint darin als ein naiver Schwärmer: Bei der Ankunft in Kathmandu herrscht dort Generalstreik und Ausgangssperre. Nur Touristen dürfen sich auf der Straße bewegen - Einheimische riskieren, von Armeepatroullien erschossen zu werden. Nach seinen Eindrücken gefragt sagt Weber, dass er von dem friedlichen Zusammenleben mehrerer Kulturen beeindruckt sei. Davon gehe eine "Botschaft" in andere Teile der Welt aus. Am Abend vor seinem Gipfelversuch sagt er: „Wenn wir Glück haben, empfängt uns der Mount Everest morgen. Und damit senden wir dann eine Botschaft in die ganze Welt.“
Skrupel?
Ein Jahr nach dem Aufstieg blickt der Führer Harry Kikstra auf die Expedition zurück. Wird er wieder dort hinaufsteigen? Harry antwortet: „Nein. Stück für Stück ist der Mount Everest zum Friedhof meiner Freunde geworden.“ Er scheut davor zurück, erneut die Verantwortung für andere während der Besteigung zu übernehmen.
Zynische Schlussbemerkung: Mittlerweile scheint der Führer über seine Skrupel hinweg gefunden zu haben: Er bietet wieder Everest-Besteigungen für 27.000 US-Dollar an.

Hintergrund
Standard-Aufstiegroute ist heute die sogenannte Mallory-Route über die tibetische Seite. China versteht es mehr und mehr, ein Geschäft daraus zu machen. Das Basecamp ist mittlerweile mit einer Straße gut erschlossen. Das andere Basecamp auf der nepalesischen Seite des Berges, von dem einst die Erstbesteiger Edmund Hillary und Tenzing Norgay aufbrachen, bleibt hingegen immer öfter verwaist. Hier führt keine Straße hin. Ein Helikopter-Wrack auf dem Gletscher macht deutlich, dass Hubschrauber in Höhen über 5000 m im Grenzbereich operieren.
Nur Teil eines Dramas
Der Tod von Thomas Weber ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Drama, das sich im Mai 2006 am Berg abspielte und das weitere Tote forderte. Ein anderes Teammitglied um Thomas Weber, der erfahrene Australier Lincoln Hall, kollabierte ebenfalls und wurde am Berg zurück gelassen. Meldungen über seinen Tod machten bereits die Runde. Später kam er jedoch wieder zu Bewußtsein und wurde gerettet.
Sterbender zurück gelassen
Am 15. Mai geriet der britische Kletterer David Sharp in 8400 m in Schwierigkeiten. Er rettete sich zunächst in eine Höhle. Etwa 40 Kletterer, das Himex-Team und eine türkische Expedition, kamen an ihm vorbei. Sie alle setzten jedoch ihren Aufstieg fort, ohne Hilfe zu leisten. Sharp starb. Mark Inglis, ein beidseitig beinamputierter Kletterer verteidigte sich: "Wissen Sie, wir konnten nichts für ihn tun, er hatte keinen Sauerstoff mehr, er hatte keine vernünftigen Handschuhe".
Die Türken sagten: "He was not part of a team".
Aus der Ferne empörte sich Sir Edmund Hillary: "Wenn dort ein Mann mit Höhenkrankheit unter einem Felsen kauerte, war es falsch, einfach seinen Hut zu lüften, 'Guten Morgen' zu sagen und weiterzugehen".
Die moralische Ermahnung des Everest-Helden Hillary verpuffte jedoch zwischen anderen angeblichen Skandalen, die von den Medien aufgebauscht wurden: Ebenfalls vom 26. Mai 2006 datiert eine Meldung, wonach sich ein Sherpa auf dem Gipel nackt ausgezogen haben soll.
Rekorde
Ach ja: Rekorde gab es natürlich auch. Der 46 Jahre alte Apa Sherpa kletterte am 19. Mai 2006 zum 16. Mal auf den Everest - Rekord. Der Japaner Takao Arayama war mit 70 Jahren der älteste Gipfelbezwinger. Einen Tag vor Webers Tod erstieg der Österreicher Christian Stangl den Everest von der Nordseite aus ohne künstlichen Sauerstoff in 16 Stunden, 42 Minuten - vom Basecamp bis zum Gipfel. Hinunter brauchte er anschließend nur sechs Stunden. Na also: Geht doch.

19 Juli 2007

Aus anderen Blogs - Heute: Patrik Sinkewitz

Es ist immer gut, den Blick zu weiten und auch darauf zu schauen, was andere Blogger so posten. Heute daher ein etwas älteres, längeres Zitat eines jungen radsportbegeisterten Mannes aus Fulda, der seine ganz eigenen Mittel gefunden hat, um hohe Berge schneller zu erklimmen:

04.07.06 - Patrik weist alle Vorwürfe von sich und ist enttäuscht
Patrik ist enttäuscht, dass sein Name plötzlich in Zusammenhang mit den letzten Dopingaffären um den spanischen Arzt Fuentes gebracht wird.
"Ich habe mit Doping nichts zu tun und es gibt ja auch keine Vorwürfe gegen mich", sagt er.
Die Medien würden ihn aber teilweise unverständlicherweise in ein ganz schlechtes Licht rücken. Er habe sich von dem Trainer Ferrari Trainingspläne schreiben lassen, das sei unbestritten. Dass der Italiener vor über 10 Jahren als Sportarzt ins Zwielicht geraten sei, habe ihn und rund 50 andere Fahrer nicht abgeschreckt. Im Gegenteil: Ferrari werde sicher nicht noch einmal den Fehler machen, in einen Doping-Skandal verwickelt zu werden. Sportmedizinisch hat Patrik mit dem Italiener nichts zu tun. "Ich habe den Mann viermal gesehen und handschriftliche Trainingspläne bekommen – mehr nicht", sagt Patrik, der sich jetzt wieder auf das Radfahren bei der Tour de France konzentrieren will.
Peter Seufert vom Sponsor Förstina stellt klar: "Wir stehen voll hinter dem Patrik und machen uns über unsere Verträge mit ihm überhaupt keine Gedanken". Jürgen Stumpf von der Einlagen-Firma Ietec, ebenfalls einer der osthessischen Sponsoren des Künzellers, sagt: "Wir stehen natürlich auch voll hinter ihm, da muss er sich keine Gedanken machen. Es gibt ja auch keine Anschuldigungen gegen ihn."


Schön, dass der junge Mann überall auf so viel Verständnis trifft. Ich hoffe nur, dass der Link zu seinem Blog auch morgen noch funktioniert!

15 Juli 2007

Pik Majakowski

Warum sollte ein Post-Titel Pik Majakowski lauten? Weil es auf den deutschen Google-Seiten nur 36 Hits für diesen Begriff gibt und somit die Chancen für ein gutes Ranking hoch sind?
Nein! Heute ist mein Freund, Industriekletterer und TU-Skilehrer Toto zu einer Expedition in den Pamir aufgebrochen. Gemeinsam mit zwei Freunden will er diesen 6095 m hohen Berg in Tadschikistan in den nächsten vier Wochen besteigen.
Bemerkenswert an dem Vorhaben ist vor allem, dass die Informationslage über den Berg und die Besteigungsgeschichte recht dürftig ist. bei der Vorbereitung dienten vor allem zwei recht betagte Bücher aus Ostzeiten als Quellen. Im Internet gibt es Google-Earth und darüberhinaus die Seiten von Steffen Graupner und Gunther Knauthe über eine Pamir-Expedition in 2006. Nicht einmal das ansonsten allweil naseweise Informationssystem Wikipedia weiß - außer einer Höhenangabe - etwas über den Berg. Immerhin steuerte Totos Mutter gestern bei einem Abschiedsbesuch noch ein paar Seiten Reiseinformationen des Auswärtigen Amtes über Tadschikistan bei: Vor schlecht ausgeschilderten Minenfeldern wird unter anderem gewarnt.
Also: Alles Gute Toto - viel Glück für Euer Vorhaben!