23 Oktober 2006

Iao-Valley, Maui

Es ist ja nun so: Um sechs geht hier die Sonne mit großem Alarm unter. Dann ist es in Deutschland sechs Uhr früh und die Wecker bereiten sich aufs Klingeln vor. Wir sind zu diesem Zeitpunkt für gewöhnlich am Strand und würdigen die Ereignisse (eigentlich nur das Erste) mit dem nötigen Ernst.
Sehr schnell wird es dann hier dunkel, wir essen etwas - und anschließend kommt der Blog. Je nachdem wie das Essen ausfällt, gestaltet sich auch die Redaktionskonferenz für den Blog. Heute haben wir nur flüchtig etwas zu Abend gegessen, weil wir nachmittags bereits Essen waren.
Deshalb wird es wohl heute eher ein Blog im Boulevard-Stil. Das ist ohnehin die beste Form, finde ich - danke, Udo, übrigens für den Kommentar zum Post über die E-Learn und Frau G.!

Exclusiv: Das Beste-Vor-Uns-Fahrende-Auto des Tages:
Leider haben wir das Auto von gestern und vorgestern (mit den Aufklebern) heute auf dem Weg ins Iao-Valley nicht wieder getroffen. Wir meinen aber, dieser Pickup hat den Titel auch verdient!

Aloha-Spirit: Die Beste-Zwischenmenschliche-Begegnung des Tages:
Auf dem Parkplatz im Iao-Valley schnappen wir folgenden Gruß auf, den ein Fahrer eines Autos mit "Aloha-State"-Kennzeichen einem Anderen zugedenkt: "Fuck-off! You and your fucking pussy" (es ging um einen Stellplatz; die angesprochene Beifahrerin grinste als Erwiderung - echter Aloha-Spirit!)
Skandal! Dieser fette Junge macht Touris nass!
Der Park unterhalb der Ioa-Needle ist ein Touri-Highlight auf Maui. Ganze Busladungen von Kreuzfahrern werden dort abgeladen. Die Hawaiianische Jugend macht sich einen Spaß daraus, von einer Brücke im Park in einen Gumpen zu springen und dabei Japaner zu veräppeln, die sich mit ihnen fotografieren lassen wollen: Geschätzte Höhe der Brücke: 10 Meter. Der Gumpen ist recht klein, aber scheinbar tief. Die Jungs, die wir heute dort treffen, sind durchweg beleibt und legen bei ihrem Sport nicht in erster Linie Wert auf Eleganz sondern auf einen möglichst großen Platsch, bei dem Touris nass werden. Das ist durchaus athletisch! So sah ich den besten Bauchklatscher meines Lebens. Unglaublich - aus dieser Höhe!
So kann´s gehen: Liebhaber in phallisches Symbol verwandelt!
Die Iao-Needle ist ein überwucherter Lava-Monolith und Symbol des gleichnamigen Tals. Der Legende nach war er einst ein Freier, der der Tochter des Halbgottes Maui, Namensgeber der Insel, nachstellte. Maui gefiel die Sache gar nicht und er nahm den Freier gefangen und verwandelte ihn in den phallischen Monolithen. Mauis Tochter aber weinte sehr um ihn. Durch die vielen Tränen ergrünte der Monolith.
Wandern: is nich so dolle
Das Iao-Tal sieht aus wie früher die Landschaft in meiner Modelleisenbahn. Es gab da so Berge, unter denen die Bahn in Tunnels verschwand. Diese Berge waren mit einer Art Kunstrasen tapeziert, der bis auf die höchsten Spitzen ein sattes grün zeigte. Auch die Rippen und Grate waren satt grün und ohne apere Stellen (wie die Ösis sagen).
Früher war ich der Ansicht, dass meine Modelleisenbahnwelt ein ziemlich idealer Ort war. Aus heutiger Sicht meine ich dagegen, dass sie trotz einiger Vorzüge - zu nennen wäre da beispielsweise ein relativ einfaches Steuersystem - eine unvollkommene Welt war. Die Verkehrsinfrastruktur war vor allem auf die Eisenbahn zugeschnitten. Fußgängerwege fehlten beispielsweise weitgehend. Und wenn es sie gab, waren sie unsinnig angelegt. So verhält es sich auch im Iao-Valley.
Vom Parkplatz aus soll es angeblich einen zwei Meilen langen Rundweg zur Iao-Needle und zu schönen Wasserfällen geben. Bei näherer Betrachtung erweisen sich die Wege allerdings als überwucherte Pfade im Regenwald, die nicht markiert sind und an vielen Stellen im Nirwana enden. Immerhin ist die Wanderung schon wegen der Gerüche und Farben ein Erlebnis. Es duftet intensiv nach Maracuja und Kurkuma. Wir schlagen uns, so gut es geht, durch, erreichen aber kein lohnenswertes Ziel. Unterwegs muss ich an die Warnung im Reiseführer denken: Man solle die markierten Wege nicht verlassen, weil so mancher Trampelpfad auf Hawaii zu illegalen Cannabis-Pflanzungen führe. Deren Besitzer würden mit neugieren Touris wenig zimperlich verfahren. Im Kapitel "Wirtschaft" wird die Cannabis-Produktion als ein veritabler Wirtschaftszweig beschrieben, der freilich - so wird nicht versäumt, hinzuzufügen - ungesetzlich sei.

21 Oktober 2006

Sag´s mit einem Aufkleber

Strand bei Lahaina
Heute fahren wir in die alte Walfängerstadt Lahaina. Mittlerweile werden hier die Wale nur noch zum Whalewatching gejagt. Doch ihre Bedeutung hat die Stadt nicht verloren. Nördlich von Lahaina, bei Kaanapali, entsteht ein Hotelkomplex neben dem anderen - und Schnorcheln soll man hier an einem drei Meilen langen Strandabschnitt auch sehr gut können!
Die Informationen im Reiseführer erweisen sich jedoch als schon veraltet. Die Hotelkästen sind so nah an den Strand herangebaut, dass der öffentliche Zugang eher symbolischer Natur ist. Zudem wird der Strandabschnitt, an den man heran kommt, auch von einer Taucherbasis als Transitzone für Motorboote genutzt - kein guter Ort zum Schnorcheln, wenn man nicht als Fischfutter enden will.
Dennoch lohnt sich die Fahrt nach Lahaina: Auf dem Highway fahren wir ein kurzes Stück hinter demselben Fahrzeug, das auch schon gestern auf dem Weg nach Hana vor uns fuhr. Es ist eines dieser typischen amerikanischen Geländeautos, die unheimlich viel Sprit fressen. Uns fällt es allerdings wegen der Aufkleber am Heck auf. Rechts und links des Nummernschilds prangen zwei nationalbewußte Schleifen. Sie verkünden: "Support our Troops" und "Proud American". Letztere ist falsch herum angebracht. Unter dem Nummernschild, dort wo an hiesigen Autos üblicherweise Platz für die "Save the Whales"-Aufkleber ist, steht: "Save Something". Anything goes.
Nun sagen diese drei Aufkleber nicht nur etwas über die Fähigkeiten des Fahrzeughalters hinsichtlich räumlicher Orientierung und sprachlichen Ausdrucksvermögens aus. Sie verkünden eine Lebenshaltung.
Wir haben andere Autos gesehen, die auf ideologischem Crashkurs dazu waren - etwa: "I support Libraries and I vote". Mitunter sieht man derzeit auf Hawaii an belebten Kreuzungen auch erwachsene Mittelschicht-Amerikaner, häufig ein Weißer, ein Schwarzer und ein Nachkomme der hiesigen Ureinwohner, die allen vorbeifahrenden Autos zuwinken. Diese Leute haben Plakate vor sich aufgestellt, die für einen der bei den anstehenden Wahlen kandidierenden Politiker werben. Eine gewöhnungsbedürftige Art des Wahlkampfs.
Die "Support our Troops"-Aufkleber sind hingegen weit verbreitet (Manche tippen auch "support our troups" bei Google ein und sollen dann trotzdem auf dieser Seite landen). Wir finden sie auch an Restaurants oder Geschäften. Normalerweise gehen wir dort dann nicht essen. Nicht, weil uns die amerikanischen Jungs im Irak, in Afghanistan und anderswo nicht leid tun würden. Gern würden wir ihnen helfen, schnell und unversehrt nach Hause zu kommen. Wir fürchten allerdings, dass man, wenn man die ganze Zeit diese Truppe unterstützt, nicht mehr genügend Sorgfalt auf die Zubereitung des Essens verwenden kann, was ein K.O.-Kriterium für ein Resturant ist.
Dass Aufkleber auch Ärger bereiten können, wird hierzulande gern in Kauf genommen. Birgits Schwager Jim, der in Ann Arbor (Michigan) als Sozialarbeiter arbeitet, hat auf seinem Auto einen Aufkleber, der seine Präferenz für die Thesen Darwins kundtut. Darüber hat sich ein bibeltreuer Christenmensch einmal so echauffiert, dass er sich anonym bei Jims Chef beschwert hat.
Aufkleber können hingegen auch gut gemeint aufklärerisch wirken, ohne dabei provokativ sein zu wollen. Auf dem rechten Aussenspiegel unseres Mietwagens entdecke ich einen Aufkleber, der mich darauf hinweist, dass Objekte, die im Spiegel erscheinen, oft näher dran sind als erwartet. Ein Glück, denke ich, dass mein Käfer zuhause erst gar keinen rechten Aussenspiegel hat. Rückständiges Amerika!
Besorgt muss man hier eigentlich nur sein, wenn an einem Ding kein Aufkleber oder keine Aufschrift prangt. Ein Strand, an dem nicht große Schilder vor den Tücken des Ozeans warnen, ist grundgefährlich. Ein Gehsteig, auf dem nirgendwo ein Schild aufgestellt ist "Caution Wet Floor" sollte gemieden werden. Und selbst im Haus lauern Gefahren, auf die keine Aufkleber hinweisen: In der Küche haben wir zum Beispiel hier eine Spüle mit einem sehr großen Abfluss. "Achtung," warnt mich Birgit: "Fass da nicht rein!". Unter der Abflussöffnung verbirgt sich ein Schredder, der für Abfälle gedacht ist. Ungemein praktisch: Man stopft alle Abfälle in den Abfluss, wo sie gleich geschreddert und über das Abwasser entsorgt werden. Über Umweltaspekte dieser Art der "Entsorgung" will ich hier gar nicht reden. Nur hätte ich gern einen kleinen Aufkleber, der mich vor dem möglichen Verlust von Gliedmaßen warnt.
Sonnenuntergang in Kihei nach einem aufklebrerischen Tag

Road to Hana

Seit 1959 gehören die Hawaii-Inseln zu den USA. In einer Volksabstimmung hatten sich die Bewohnerinnen und Bewohner fast aller Inseln für den Beitritt ausgesprochen, und der US-Kongress hatte seinen ursprünglichen Widerstand dagegen aufgegeben (Einigen Konservativen war das Völkergemisch auf den Inseln nicht "amerikanisch" genug gewesen).
Die einzige Insel, die gegen den Beitritt votierte, war übrigens Niihau, die "verbotene Insel". Sie ist im Privatbesitz der Familie Robinson (kein Scherz), die das Eiland und seine Bewohner bis heute streng gegen die Einflüsse der modernen Zivilisation abschirmt. Doch das ist eine andere Geschichte...
Die restlichen Hawaii-Inseln sind mittlerweile sehr amerikanisch geprägt, auch wenn die (auch anderswo in den USA typische) ethnische Vielfalt hier besonders auffällt. Nur an wenigen Stellen ist das ursprüngliche Hawaii noch sichtbar. Einer der Orte, an denen angeblich die Zeit stehen geblieben sein soll, ist Hana (nicht Hanau - obwohl, so genau weiß ich das gar nicht. Wäre wieder so ein Fall, bei dem ich auf die Hilfe der Webgemeinde angewiesen bin).
Der Regen hat heute morgen aufgehört und also machen wir uns auf den Weg, inspiriert von einer Ansichtskarte, die den Titel "Road to Hana" hat und eine wunderschöne Serpentinenstraße zwischen Regenwald und Ozean zeigt.
Eigentlich ist mit dieser Beschreibung schon alles gesagt: Die Straße windet sich in endlosen Kurven über 30 Meilen lang durch den Regenwald. Immer wieder gibt es wunderbare Ausblicke auf Wasserfälle, den Pazifik oder das Hinterland.
Die Road to Hana ist eine von 52 Highways in den USA, die zu historischen Straßen erklärt und unter Schutz gestellt worden sind. Obwohl dieser Blog gemeinhin kein Forum für den Motorsport ist, sei in diesem Fall ausnahmsweise die Schilderung einer Autofahrt erlaubt. Die Bilder sollen die Schönheit dieser Straße zeigen.
Hana selbst enttäuscht uns. Wahrscheinlich unterscheidet es sich bis auf das fehlende "u" im Namen nicht sonderlich von von Hanau: Es ist ein abgelegenes Nest mit Übernachtungsmöglichkeiten, Strand, Frittenbude und Cultural Center. Über letzteres können wir nichts sagen, weil wir es nicht besuchen.
Die Road to Hana hingegen gehört zu den Höhepunkten von Maui. Wenn wir nicht solche Angst vor den Moskitos und den sich gegen Mittag schon wieder ankündigenden Regenschauern hätten, könnten wir von der Straße aus sogar noch eine Wanderung zu wunderschönen Wasserfällen unternehmen. So betrachten wir sie aus der Ferne und beschränken unsere Zwischenstopps auf ein paar Fotoshootings und eine längere Pause in Ho´okipa, wo wir den Surfern zuschauen. Hier gibt es eine bis zu fünf Meter hohe Welle, die die Profis begeistert - aber nix ist für Anfänger! Ein Blumenkranz an der Straße beseitigt alle Zweifel an dieser Aussage.
Nachmittags regnet es dann tatsächlich wieder sehr stark. Also nutzen wir die Annehmlichkeiten des Apartments - oder Condo(minium)s, wie es hier heißt. Birgit ist total begeistert von der technischen Ausstattung. Vom WLAN, das wir hier anzapfen können, war schon die Rede. Mehr Fun bringt aber fast noch die Waschmaschine-Trockner-Kombination. Birgit lässt die Maschinen laufen, so oft es geht. Manchmal sogar leer (es ist schwer, den Überblick darüber zu behalten, welche der Maschinen man gerade beladen hat). Wenn das so weiter geht, ist die Wäsche bei unserer Rückkehr nach Deutschland sauberer als sie es vorher war.