14 März 2014

Nackt wie Pitzi

Es ist ein heißer Abschied von Jerzens. Nach zwei Wochen verringen wir unseren letzten Skitag am Hochzeiger. Es ist ein sehr warmer Tag und einige Leute aus der Gruppe wollen unbedingt in Unterwäsche auf die Piste. Sie ziehen sich in der Open-Air-Lounge des Hochzeigerhauses aus, springen zur Verwunderung des Liftpersonals in die Panorama-Doppelsesselbahn und fahren zum Sechszeiger hinauf. Dort gibt es ein Gruppenfoto mit Pitzi, der ebenso leicht bekleidet jedem Wetter auf dem Gipfel trotzt. Anschließende Fahrt ins Tal, an der Terasse des ZeigerRestaurants vorbei, auf der sich die Schaulustigen drängen.
Einziges Problem bei der Aktion: Wo bewahrt ein Nackedei den Skipass auf? Unterhosen mit Eingriff wären eine Lösung für die Herren - aber eine ästhetische Sünde für alle Beteiligten.
So behelfen sich die Nudisten damit, die teuren Karten im Handschuh zu verstecken - oder sie klettern einfach über die Drehkreuze. Das Liftpersonal war zu sehr überwältigt, um einzuschreiten.

10 März 2014

Freude und Schmerz

Es ist der dritte sehr warme Tag in Folge. Am Nachmittag liegen unsere Jungs mit freiem Oberkörper in den Sofas vor dem Hochzeigerhaus und trinken ihr Bier.
Die Pisten sind allerdings immer noch in erstaunlich gutem Zustand. Sie werden nachmittags perfekt präpariert. Nachts ist es sternenklar und sehr kalt, so dass der Schnee bis zur Mittagszeit meist recht hart bleibt. Außerdem sind die Ferien in Bayern vorbei und am Hochzeiger ist viel weniger los als noch letzte Woche. Auch deshalb bilden sich nachmittags nicht so viele Buckel, wie sie für das Frühlingsskifahren sonst üblich sind. Freie Pisten – perfekte Bedingungen zum Carven.
Dennoch scheint die Zahl der Unfälle immer noch höher zu sein als in der letzten Woche. Heute Vormittag landete wieder ein Rettungshubschrauber vor der Mittelstation und nach der Mittagspause musste ich selbst einmal die Rettung alarmieren, nachdem sich ein Franzose in der Nähe der Talstation von der Panoramabahn am Schlüsselbein verletzt hatte. Er gehörte zu einer Gruppe von Franzosen, die den Vorfall recht locker zu nehmen schienen. Sie versammelten sich um ihren Freund oder Familienvater – so genau konnte ich das nicht erkennen – der sich vor Schmerzen nicht bewegen konnte, machten erst einmal Fotos und zündeten sich Zigaretten an. Dann begannen sie, ihn auszuziehen – anstatt dafür zu sorgen, dass er sich nicht noch unterkühlt. Unsere Skilehrerin Laura kam hinzu und sorgte dafür, dass der arme Mann wenigstens eine Unterlage unter den Kopf gelegt bekam. Ich baute unterdessen oberhalb der Unfallstelle ein Warnkreuz aus Skiern auf. Darauf war bisher noch niemand gekommen.
Als ich zurück kam, wirkte der übergewichtige Mann lethargisch und benommen. Ich sagte einem seiner Freunde, dass er mit ihm reden solle, damit er nicht das Bewusstsein verlöre. Der Mann fragte seinen Freund daraufhin nach seinem Namen, seinem Geburtsdatum und ob er verheiratet sei. Die Umstehenden amüsierten sich königlich darüber, dass das Opfer die Fragen wahrheitsgemäß beantworten konnte. Also schoben sie noch ein paar Scherzfragen hinterher – so lange, bis auch der Verletzte lachen konnte. Nach kurzer Zeit kam der Skidoo der Bergrettung. Er brauchte zwei Anläufe, um im steilen Gelände an den Verunglückten herankommen. Beim ersten Versuch rutschte der Retter mit seinem schweren Gerät an der Unfallstelle vorbei. Er musste daraufhin den ganzen Hang hinunter und dann wieder hinauffahren, bevor er endlich zum Ziel gelangte. Nur einer der Franzosen sprach etwas deutsch. Der Retter bat ihn, zu dolmetschen, um herauszufinden, was dem Mann genau weh tat. Doch der „Dolmetscher“, der sich mittlerweile auch eine Zigarette angezündet hatte, war irgendwie nicht bei der Sache. Es war schwierig, vom Opfer zu erfahren, wo der Schmerz her kam. Schließlich wurde es mit einem Akkia abtransportiert – was eine Herkulesaufgabe für die Retter war, denn der Mann wog vermutlich etwa 100 Kg, das Gelände war sehr steil und bei jeder Bewegung des Oberkörpers hatte der Mann starke Schmerzen. Trauriges Ende eines bis dahin lustigen Skitages...

06 März 2014

Klare Kante

Das angekündigte schöne Wetter lässt leider noch auf sich warten. Die Hänge am Hochzeiger sind teilweise noch in Nebel gehüllt. Aber der Schnee ist vormittags an vielen Stellen wunderbar fluffig. Teilweise gibt es jedoch auch vom Wind verfrachteten schweren Schnee, der unangenehm zu befahren ist.
Gegen Mittag wird es dann wärmer und der Schnee schwerer. Ich bin mit Leon und Tim unterwegs. Wir fahren in einen unpräparierten Hang zwischen zwei Pisten ein. Er sieht von oben sehr schön aus und lässt sich auch gut fahren. Weiter unten wird der Hang steiler. Hinter einer Geländekante sehen wir einen Mann mit einem Kind. Sie haben die Ski abgeschnallt und klettern über die Kante wieder nach oben zurück. Der Mann ruft uns zu: „Eine Lawine, Achtung, da ist eine Lawine abgegangen.“ Wir fragen, ob alles okay ist. Die beiden sind etwas aufgeregt, aber wohlauf. Sie hatten kurz zuvor ein Schneebrett ausgelöst. Wir umfahren die Stelle vorsichtig oberhalb. Von unten sehen wir dann die Abbruchkante. Sie ist recht mächtig. An der Stelle hatte der Wind viel Schnee angefrachtet. Dieser war nun abgerutscht. Dessen ungeachtet fuhren weiter viele Leute in diesen Hang ein und schwingen bis direkt an die Kante heran.