02 November 2007

Wie man sieht, sieht man nüscht


Los Organos – Märchenwald im Nebel
So ein Tag am Strand ist ganz schön. Aber die Sonne scheint einem den ganzen Tag auf die Nase – und das ist nicht gut für den Teint. Also erkunden wir heute die zweite Klimazone der Insel: Die Zone der Wolken und des ewigen Nebels. Der Tag beginnt mit einem kleinen Schrecken. Wir sind hinauf gefahren zu „La Caldera“, einem kleinen Krater im Wald oberhalb von Aguamansa. Überall Bäume, Nebel, komische Pflanzen. Plötzlich rumpelt und grummelt es Besorgnis erregend, als wenn eine Lawine abgeht. Stimmen sind zu hören. Dann kommt uns eine Horde Jugendlicher auf Mountain-Bikes entgegen. Der Weg ist deutlich gekennzeichnet von den Spuren ihrer Räder. Die Erosion ist unübersehbar. Der Weg, den wir vor zwei Jahren schon einmal gegangen sind, hat in der Zwischenzeit deutlich gelitten.
Weiter oben ist er hingegen weitgehend intakt. Er zieht sich – teilweise sehr ausgesetzt – an den Felsten entlang. Es ist eine sehr schöne Wanderung von gut vier Stunden Länge.

01 November 2007

Am Beach


Warum fährt man im November in den Süden? Klar, wegen dem Beach. Also gönnen wir uns nach zwei Wandertagen eine faule Auszeit am Strand. Doch auch hier wartet schon wieder Ungemach. Nicht, dass Puerto de la Cruz keinen schönen Strand hätte. Nein. Alles wunderbar. Auch die Wellen sind okay. Sie sind heute recht stark. Deshalb ist wohl auch die gelbe Fahne gehisst.
Grund zur Sorge liefern hingegen die beiden Lifeguards. Rein äußerlich sind sie okay. Gut lesbar steht auf ihren von der Sonne ausgeblichenen T-Shirts „SOS“. Es kann also kein Zweifel darüber aufkommen, was hier ihr Job ist. Der Eine hat eine knackige Hose an mit einem Schweizer Kreuz. Es soll wohl ein rotes Kreuz sein. Schön. Besser – im Sinne eines Corporate Design – wäre natürlich gewesen, wenn sie beide die gleichen Klamotten tragen würden. Aber vielleicht ist gerade mal was in der Wäsche (vielleicht, weil es beim letzten Einsatz in den Klippen mit Blut beschmiert worden ist). Immerhin hat der Eine seine schönen langen schwarzen Haare blondieren lassen, so dass er wie ein richtiger Beach-Lifeguard aussieht.
Aber es ist ihre nachlässige Haltung, die Birgit beunruhigt. Wie sollen die Lifeguards einen Notfall im kabbeligen Wasser – vielleicht eine Hai-Attacke – mitkriegen, wenn sie nie aufs Wasser schauen?
Wir haben unsere Matte direkt neben der gelben Fahne, dem Standort der Lifeguards, aufgeschlagen und Birgit ist echt empört ob des verantwortunglosen Laissez-Faire, das hier herrscht. Als gegen Mittag der Dorfpolizist bei den Rettern auftaucht und ein munteres Schwätzchen mit ihnen hält, will sie hinzutreten und den Mißstand amtlich machen. Ich kann sie gerade noch davon abhalten. Wir essen ein Eis und gehen anschließend auf eigene Gefahr ins Wasser – herrlich.
Später sehen wir die Wasserretter noch einmal. Sie schleichen sich zur Fahne, wechseln gelb gegen rot und trollen sich gen Feierabend – ohne sich um die Badenden zu kümmern, die sich, ohne den Farbwechsel bemerkt zu haben, immer noch in größter Gefahr im Wasser tummeln.

30 Oktober 2007

Roques de García


Als wir heute morgen aufwachen ist der Himmel bedeckt. Aber: Was soll´s? Teneriffa wird „vertikal in drei Klimazonen gespalten“, wie unser naseweiser Reiseführer verrät (Pegoraro/Föger: Wanderführer Teneriffa, Kompass-Verlag, Innsbruck 2004): Die untere Küstenregion mit ganzjährig subtropischem Wetter und gelegentlichem Regen, die Wolkenregion mit häufigem Regen und Nebel sowie die Zone über den Wolken.
Also fahren wir die Straße zum Teide-Nationalpark hinauf. Sie führt durch alle Klimazonen und hinauf in einen gewaltigen Krater. Auf 2130 m halten wir am Mirador los Roques. Es ist kühler als unten und es weht ein starker Wind – aber es ist sonnig. Wir sind nicht allein: Zahlreiche Busse fahren diesen Ort an. Pulks von Touris stolzieren für einen kurzen Fotostopp durch die Szenerie. Doch schon wenige Meter weiter herrscht nahezu Einsamkeit. Wir machen eine wunderschöne Wanderung um die Felsgebilde, die hier mitten im Krater liegen. Es gibt angeblich sogar 27 Kletterrouten im Schwierigkeitsbereich zwischen 4 und 7a. Kletterer treffen wir zwar nicht – aber wir sind ja diesmal auch zum Wandern hier.