
Heute sehe ich den besten Sonnenuntergang meines Lebens. Eigentlich war es
einer der besten, aber das ist unamerikanisch. Amerikanisch ist es, den Superlativ zu benutzen. Und dieses Ereignis ist in der Tat so aufwühlend, dass selbst die Einheimischen ihr gesundes Urteilsvermögen verlieren: Im ABC-Shop werde ich von der Verkäuferin bei dem Versuch, eine Flasche Wein käuflich zu erwerben, nach dem Ausweis gefragt. Mann: Ich bin über 30 ;-)!!!
Ansonsten hängen wir heute nur am Strand `rum. Letzter Tag auf Maui, da haben wir uns Ruhe verdient. Und Big Beach (amerikanischer wäre: Biggest Beach) ist wirklich ein fantastischer Strand. Den besten, den wir finden auf Maui. Und das will etwas heißen!

Die Wellen sind heute nicht so groß und ich werde übermütig. Es gibt nichts Schöneres als in dieser Brandung herumzutollen und sich von den Wellen an den Strand tragen zu lassen. Bodysurfen nennen die Hawaiianer hier diesen Sport für die Kleinen Leute. Plötzlich kommt dann doch eine etwas größere Welle. Ich komme in den nach unten führenden Strudel. Blöd. Alles dreht sich und dann werde ich mit dem Kopf auch noch auf den Grund geschleudert. Die Haare sind abends trotz Dusche immer noch voller Sand. So ein Mist. Muss ich diese Woche noch waschen.
Ni´ihau (oder: Nihau)
Was machen wir am Strand noch? Lesen. Zum Beispiel über Ni´ihau, die verbotene Insel. Verboten ist eigentlich Quatsch. Es handelt sich um ein beispielloses Experiment. In einem der letzten Posts hatte ich es bereits angedeutet: Eine der Hawaiianischen Inseln ist in Privatbesitz einer Familie namens Robinson. Diese Familie wacht darüber, dass keine bösen Einflüsse von draussen das beschauliche Leben auf Ni´ihau stören. Deshalb wird die Insel mitunter auch als sozialistisches Experiment betrachtet (ja, Micha: ich bin nicht nur der dekadente Urlauber, der Deine E-Mails mit Links zu Junge-Welt-Artikeln belächelt. Nein, ich beschäftige mich auch ganz konkret mit Sozialismus!). Die 250 Einwohnerinnen und Einwohner von Ni´ihau genießen das Recht auf mietfreies Wohnen, Schulbildung bis zur Highschool (einschließlich) und medizinische Versorgung. Alkohol, asphaltierte Straßen und eine Elektrizitätsversorgung gibt es nicht auf der Insel. Aber wenn man mal ein Bier trinken oder shoppen gehen will, kann man das problemlos auf der Nachbarinsel erledigen. Nur darf man seine Kneipenbekanntschaft anschließend nicht mit nach Hause nehmen. Fremde sind unerwünscht auf der Insel. Ein Sozialismus, in den niemand
rein darf! Mal was Neues.
Einen Haken hat die Sache allerdings. Ni´ihau lebt vorwiegend von der Landwirtschaft. Nach ein paar trockenen Jahren brachte die nicht mehr so viel ein (Leider liegt die Insel im Windschatten von Kauai, so dass sie wenig Regen abbekommt; das ist wiederum nicht neu für sozialistische Länder). Deshalb haben die Robinsons das unbewohnte Südende der Insel an die US-Armee verpachtet, die dort neue Waffen testet.
Bester-Vor-Uns-Parkender-Act-Des-TagesDiese Titelverleihung "bester.... des Tages" war eine blöde Idee. Eigentlich wollte ich mangels anderer Einfälle damit ursprünglich nur einmal den Blog füllen. Sollte schnell gehen. Mittlerweile entwickelt sich die Sache zu einer anstrengenden Angelegenheit für alle Beteiligten (an dieser Stelle meine Entschuldigung an die Leser/innen für die inconvienences). Also: eigentlich sollte den Titel "Bestes-Vor-Uns-Fahrendes-Auto" heute eine Familienkutsche kriegen, auf der der Aufkleber prangte: "Proud Parents of a D.A.R.E graduate". Wir wußten zwar nicht, was D.A.R.E. ist, fanden den Aufkleber aber extravagant. Leider war die Kamera nicht zur Hand, weshalb dieses Auto leider aus technischen Gründen aus dem Contest ausscheidet. Immerhin haben wir herausgefunden, dass das D.A.R.E.-Programm so etwas wie eine Klipp-Schule für drogenabhängige, kriminelle Jugendliche ist - im Prinzip ein Boot-Camp für Problemfälle. Proud to be Parents von sowem?
Falls selbst mal Bedarf besteht, hier der Link zu dem Projekt:
http://www.mapinc.org/drugnews/v05.n1197.a07.htmlHier stellt sich uns die Frage: Ist der Aufkleber ironisch gemeint? Uns fällt auf, dass es hier wenig ironische Aufkleber gibt (auch wenn wir die meisten ironisch finden, sind sie zumindest nicht so gemeint). Der heisseste Ironie-Kandidat war bisher: "Thank god for Hana" (Das Nest, das wir vorgestern besucht haben). Wobei: So sicher sind wir uns da auch nicht. Birgit erkennt auch darin ein ernstes Anliegen und meint, dass Hana eine Abkürzung sein könnte für Marih(u)...
Ich weiß, dass der Blog auch hier in den USA gelesen wird. Deshalb meine besorgte Frage: Ist Ironie ein unamerikanischer Umtrieb? Wir wollen uns in diesem wunderbaren Land nicht schuldig machen und bitten deshalb um Kommentare!
Damit dieser Wettbewerb in jedem Fall unverdächtig bleibt, wird heute ein garantiert unironischer Aufkleber eines vor uns parkenden Autos prämiert: "War is Terrorism" (Der Aufkleber auf der Stoßstange ist zwar kaum zu lesen, aber: Glaubt es mir!!!).
In eigener Sache:Die Klamotten sind gepackt. Morgen verlassen wir DG-09 mit seinem wunderbaren Wireless-Hotspot (wem immer der gehört).
Morgen abend sind wir - wenn alles gut geht - auf Big Island. Möglicherweise gibt es dort nicht so günstige Möglichkeiten, online zu gehen. Vielleicht verstummt der Blog für einige Zeit. Mal sehen.