Von unserer gemütlichen DAV Talhütte in Zwieselstein brechen wir heute ausnahmsweise mit leichtem Gepäck zu einer Wanderung über eine Hochterasse des Ötztals nach Obergurgl auf. Damit verlassen wir den E5, de auf die andere Talseite und hinauf zum Timmelsjoch führt. Auf der Paßhöhe beginnt schon Italien und Bozen ist nur noch drei Tagesetappen entfernt.
Wir hingegen steigen auf der westlichen Talseite hinauf in Richtung Nedersee, der als Teil einer kleinen Seenkette auf einer Hochterasse liegt. Diese ist in der letzten Eiszeit von Gletschern geformt worden und uralter Weideplatz zahlreicher Tiere. Auch die Vorfahren der heutigen Älpler, die von der Jagd lebten, zog dieser Ort an - so lernen wir von einer Infotafel. In der Nähe der Seen legten sie sich auf die Lauer und warteten auf die Tiere, die sich hier regelmäßig zum Trinken einfanden. "Gemein", meint eine Mitwanderin dazu, der ich nach den Erfahrungen von drei Tagen gemeinsamer Tour gerne glaube, dass sie als Bronzezeitlerin kaum eine Überlebenschance gehabt hätte...
Vom Nedersee sind es noch gut zwei Stunden bis Obergurgl. Der Ort hat sich in den letzten 30 Jahren stürmisch entwickelt und ist heute fast doppelt so groß wie bei meinem letzten Aufenthalt Anfang der achtziger Jahre. Die Betonburgen sind so abschreckend, dass ich nicht einmal schaue, ob es den lispelnden Kellner in dem kleinen Restaurant am Dorfplatz noch gibt. Wahrscheinlich gibt es nicht einmal mehr den Dorfplatz mit dem Denkmal für Auguste Picard, den Ballonpionier (Nein Birgit, mit dem Kommandanten von Raumschiff Enterprise ist der nicht verwandt!). Damals habe ich mit meiner Schwester in diesem Restaurant immer Pizza bestellt, weil der Kellner die Angewohnheit hatte, alle Bestellungen immer noch einmal zu wiederholen. Wir hatten großen Spaß daran, wenn er dann sagte: "Also ssweimal Pissa dann und sswei große Spessi."
Als halbwüchsiger Kellnerschreck Anfang der Achtziger im Ötztal

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