04 Juni 2011

Urlaub mit den Reichen und Schönen


In der Grundschule hatte ich einmal eine Klassenlehrerin, die uns zwar einerseits nach den großen Ferien immer gern von ihren Fernreisen erzählte. Andererseits ging ihre Rede etwas später im Schuljahr – und insbesondere im Fach „Heimatkunde“ – oft dahin, dass die Deutschen, statt ins Ausland zu fahren, doch lieber im eigenen Land Urlaub machen sollten, weil es dort doch eigentlich auch ganz schön sei.
Lange Zeit habe ich die Dialektik, die in ihren Ausführungen steckte, nicht ganz begriffen. Doch im Laufe der Jahre und nach vielen Reisen, von denen auch dieser Blog berichtet, ist mir – wie der Ruhrpottler vielleicht sagen würde – „was klarer geworden“, worauf sie hinauswollte...
Also haben wir uns für diesen Urlaub ein Ziel ausgesucht, das Beidem gerecht wird: Der Sehnsucht nach der Ferne und der Suche nach der eigenen Identität. Wir sind in das deutscheste aller deutschen Bundesländer gefahren, das gleichwohl außerhalb Deutschlands liegt. Ein Ferienziel mit deutscher Zeitung, deutschem Fernsehen, deutschem Fachärztezentrum und deutschem Altersheim; mit deutschen Speisekarten (deren Orthographie mich oft wieder an Grundschulzeiten erinnert) und deutschem Essen: Mallorca.
Oft wurde über die Insel berichtet, dass sie den üblichen Vorurteilen eigentlich gar nicht entsprechen würde; dass es ein ganz urtümliches Hinterland gäbe; dass abseits der Ballermann-Strände ein ganz gesunder und aktiver Urlaub möglich sei. Wir sind gespannt. Bei einem ersten Rundgang am Strand von Peguera machen wir folgende Beobachtung: Kinder werden Amira, Jaqueline und Kevin gerufen; Übergewichtige strapazieren Sonnenliegen; Kellner servieren Apfelstrudel mit Vanillesoße. Also alles ganz normal, so wie es auf Usedom oder Sylt auch zu finden ist. Und so, wie sich viele Deutsche das Leben der Reichen und Schönen vorstellen. Prima. Bin gespannt, wie es morgen weiter geht.